Dieser Wert muss runter trainiert, jene nach oben geschraubt werden. Davon sollte es unbedingt mehr werden, davon eher weniger.
Wenn es um die Vermessung des eigenen Körpers geht, spart die Programmiersprache des Fitnesskults nicht mit allerlei Parametern. Sie alle können den Ehrgeiz anfachen, als Motivationsdoping wirken – aber nicht jede der populären Messgrößen ist tatsächlich aussagekräftig, wenn es um den persönlichen Fitnesszustand geht. Einige der Zahlen können verwirren, andere sind völlig nutzlos.

Welche Rechnung jedenfalls stimmt: Ein Training ist besser als kein Training. Denn die positiven Auswirkungen von regelmäßigem Ausdauer- oder Krafttraining sind umfassend belegt. Das Herz-Kreislauf-System, die Belastbarkeit und Widerstandskraft von Knochen und Gelenken, die Muskel-Fett-Verteilung, die körpereigene Immunkraft und nicht zuletzt die psychische Balance profitieren von jeder intensiveren Form von Bewegung, die über einen Bürosesselsitzmarathon und Sofa-Kühlschrank-Fernseher-Triathlon hinausgeht.

Diffiziler wird es beim Festlegen jener Dosis und von jenen Messkriterien, die zum eigenen Körper, Ziel und Alltag passen. Wer es ganz genau wissen und sich ein leistungsorientiertes Fundament fürs Fitwerden legen will, dem empfiehlt sich eine sportmedizinische Untersuchung. Bei dieser Form der Leistungsdiagnostik wird vom Atemvolumen und den Atemgasen über Herzfrequenz und Laktatschwelle bis zu Blutdruck und Blutfettwerten alles gemessen. Davon lassen sich dann individuelle Belastungsgrenzen errechnen und ein passender Trainingsplan erstellen.

Bei einer professionellen Leistungsdiagnostik werden Körperwerte exakt bestimmt
© Harald Eisenberger

Wer es weniger ehrgeizig, aber dennoch mit Ziel angehen will, dem reichen einfachere Mittel: der Gürtel an der Hose, die Uhr am Handgelenk. Damit lassen sich Bauchumfang und Ruhepuls und etwaige Veränderungen auf simple Weise messen. Ein steigender Fitnesslevel sollte sich am Gürtel durch ein müheloses Engerschnallen, auf der Uhr durch einen niedrigeren Ruhepuls (gemessen in der Früh nach dem Aufwachen) beziehungsweise ein schnelleres Erholen nach einer Belastung bemerkbar machen.

Schon weniger Aussagekraft –und damit ein nicht zu unterschätzendes Frustrationspotenzial – bringt die Badezimmerwaage mit. Auch andere populäre Hitparaden eigenen sich nur bedingt zum Messen des Fitnessgrads – aber sehr gut als Ausrede, „es eh nicht notwendig zu haben“.

Ein Irrtum. Wie auch die Annahme, dass der Risikofaktor „ewiges Sitzen“ durch mehr Sport nach Büroschluss kompensiert werden kann. Vielmehr sind es viele kleine „Zwischendurch-Aktivitäten“, die einen fit halten. Diesbezüglich wird Sport seiner Sprachwurzel gerecht. Sein lateinisches Urgen „deportare“ heißt ursprünglich „sich zerstreuen, sich vergnügen“. Vor allem Letzteres ist ein wichtiger Wert – wenn auch nicht messbar.

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