Fasten-TagebuchOhne Zucker, ohne Zuckerberg: Vier Redakteure üben sich im Verzicht

Ohne Zucker und Zuckerberg, ohne Tiere im Essen, ohne Aufstiegshilfen: Wir starten unser Fastenprojekt.

Vier Redakteure fasten
Vier Redakteure fasten © Weichselbraun, Pajman, Krause
 

Am Anfang stand das Vorhaben: Wir wollen fasten. Nur was? Getreu dem Motto "Besser Leben" verzichten wir auf lieb gewonnene Gewohnheiten, die der eigenen Vorstellung von Zufriedenheit eigentlich zutiefst widersprechen.

Daher wird Kerstin Oberlechner gemütlichen Liften und anderen Aufstiegshilfen die kalte Schulter zeigen und so mehr Bewegung in den Alltag bringen. Die kalte Schulter kriegt auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg von Markus Zottler gezeigt – seine digitalen Dauerschleifen haben 40-tägige Sendepause. Claudia Felsberger sagt wiederum dem Zucker „Baba“ und Sonja Saurugger wagt sich an den veganen Lebensstil. Um zu testen, wie man sich eigentlich ohne tierische Lebensmittel ausgewogen und gut ernähren kann.

 

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Für Kerstin Oberlechner ist der Lift tabu Foto © Weichselbraun,KK

>>> Kerstin Oberlechner:

Spaziergang wird das sicher keiner

In der Fastenzeit auf etwas zu verzichten, erinnert mich an das Theater mit diesen lästigen Neujahrsvorsätzen. Jedes Jahr nehmen sich die Leute vor (mich eingeschlossen), ab 1. Jänner mehr Sport zu betreiben oder sich gesünder zu ernähren. Bei den meisten (mich eingeschlossen!) hapert es an Umsetzung, Disziplin und Motivation.

Macht nichts, 40 Tage vor Ostern bekommt man seine zweite Chance – dann unter dem Motto „Fastenzeit“. Ich habe mich in meinem Bekanntenkreis umgehört, auf was so verzichtet wird und habe schnell gemerkt, dass es nur schwarz oder weiß gibt. Die einen schauen mich bei der Frage „Und, auf was wirst du verzichten?“ schräg an und fragen mich (!), was mit mir (!) nicht ganz richtig ist. Die anderen sind motiviert und wollen in den nächsten Wochen entweder von Fleisch, Kaffee oder Schokolade ihre Finger lassen.

Da ich bisher weder Neujahrs- noch Fastenvorsätze konsequent verfolgt habe, bin ich gespannt, wie es mir mit dem Druckmittel „Fastentagebuch“ gehen wird. Da mein Neujahrsvorsatz heuer ohnehin mehr Sport lautete und wir (mein innerer Schweinehund und ich) bis dato nicht an der Umsetzung arbeiten konnten, will ich in den nächsten 40 Tagen auf Liftfahren, Rolltreppen & Co. verzichten. Dass ich im 4. Stock wohne und die Redaktion im 2. Stock liegt, kostete meine Kollegen bei dem Vorschlag allerdings nur ein müdes Lächeln. Also musste die Aufgabe erweitert werden. Zusätzlich werde ich also pro Tag 8000 oder pro Woche 50.000 Schritte gehen. Klingt watscheneinfach? Naja, Marathon wirds sicher keiner, aber Spaziergang bestimmt auch keiner!

Markus Zottler verzichtet auf soziale Medien
Markus Zottler verzichtet auf soziale Medien Foto © Stefan Pajman

>>> Markus Zottler:

Mark mag man eben

Erst diese Woche musste es wieder ein Gericht feststellen: Facebook schert sich wenig um den Datenschutz. Ortsdaten von Nutzern, die per Voreinstellung aufgezeichnet werden, und die automatische Weitergabe des Chronik-Links an Suchmaschinen: beides nicht rechtens, befindet das Landgericht Berlin.

Es war gewissermaßen die letzte Bestätigung eines länger gefassten Plans: Facebook-Fasten, die Suche nach einem Weg weg von Mark Zuckerberg. Und weil zum für gewöhnlich gut informierten Konzern des New Yorkers längst viel mehr als das eine Netzwerk gehört, wurde der ursprüngliche Plan noch ausgeweitet. 40 volle Tage ohne Facebook, Instagram und WhatsApp sollen es nun sein. Vor allem Letzteres macht den Entzug von der Droge Zuckerberg vermutlich besonders schmerzhaft.
Insgesamt geht es um keine Verteufelung. Eher um den Versuch einer eigenen Entschleunigung. Das Ziel: Zumindest für eine Zeit lang den Wettlauf mit sich selbst aussetzen, auf nervöses Fingerzucken möglichst verzichten und das Lechzen nach Likes ad acta legen.

Ob die Idee tatsächlich in die soziale Isolation führt oder doch eher als erfüllender Befreiungsschlag taugt? Ob der Rückfall nach der Entwöhnung besonders heftig ausfallen wird? Das weiß zum jetzigen Zeitpunkt wohl nicht einmal Mark Zuckerberg.

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Claudia Felsberger verzichtet auf Zucker Foto © Weichselbraun,KK

>>> Claudia Felsberger:

Das wird bitter

Schoko, Torte, Muffins, Kuchen, Kekse – diese und noch viele weitere Dinge sind in den kommenden 40 Tagen für mich tabu. Zumindest, wenn sie in der klassischen Variante serviert werden. Denn ich verzichte ab heute auf Zucker.

Einfach wird es nicht werden, weil ich a.) Süßigkeiten über alles liebe und b.) Zucker überall lauert. Auch dort, wo man ihn gar nicht vermutet. In einer Dose Bohnen zum Beispiel. Und manche Menschen geben ihn sogar auf ihren Salat! Aber wie heißt es so schön: Die Abwechslung macht das Leben süß. Und deshalb wird in den kommenden 40 Tagen alles anders.
Ich habe das einmal durchgerechnet. 40 Tage; das sind 960 Stunden oder 57.600 Minuten, die ich ohne Zucker auskommen muss.

Umgerechnet sind das gefühlt 20 Tafeln Schokolade, die ich nicht essen werde, was wiederum 10.600 Kalorien sind, die ich mir „erspare“. Klingt eigentlich gar nicht so schlecht, oder?

Und auf Zucker zu verzichten heißt ohnehin nicht, dass ich alles Süße aus meinem Leben verbannen muss. Produkte, die von Natur aus Zucker enthalten – Obst zum Beispiel – sind erlaubt. Und dann gibt es noch eine Reihe an Alternativen, die ich im Laufe der Fastenzeit ausprobieren will. Trotzdem ist schon jetzt für mich klar: Zuckerschlecken werden die kommenden 40 Tage ganz bestimmt keines werden.

Sonja Saurugger isst keine tierischen Lebensmittel
Sonja Saurugger isst keine tierischen Lebensmittel Foto © Sebastian Krause

>>> Sonja Saurugger

Vegan - geht das?

Oh Butter, du wunderbarer Gaumenschmeichler, wie ich dich vermissen werde! Eine Fastenzeit ganz ohne tierische Lebensmittel habe ich mir vorgenommen – vor allem, weil ich es einfach ausprobieren will. Denn so wie bei den meisten, denen ich vom Vorhaben erzähle, ist auch meine erste Reaktion auf einen veganen Lebensstil: Oje, wie mühsam! Und: Was kann man da überhaupt noch essen? Deshalb sehe ich es als Herausforderung, den kulinarischen Horizont zu erweitern und dabei sagen zu können: Für meinen Appetit hat kein Tier Leid ertragen müssen.

Bisher esse ich gerne Fleisch, wenn auch nicht in rauen Mengen, sondern lieber in guter Qualität. Mamas Schweinsbraten, ein gut gebratenes Steak – das sind gern gesehene, aber seltene Gäste auf dem Speiseplan. Eben diesen hab ich in der Vorbereitung schon auf vegane Zufallstreffer durchforstet – siehe da: Mit Krautfleckerl, Quinoa-Salat oder Gemüse-Chili kann ich für die vegane Fastenzeit aus dem üblichen Kochrepertoire schöpfen. Das beruhigt insofern, als meine Ernährung weiterhin ohne stark verarbeitete Lebensmittel auskommen soll.

Trotzdem merke ich schon, dass mich eine Frage intensiv beschäftigen wird: Ist das vegan? Das Weckerl zwischendurch, das Kuchenstück – alles muss ab sofort unter die Lupe. Was das mit dem eigenen Wohlbefinden macht – Sie werden davon lesen.

 

Kommentare (1)

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Isabella1986
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1
Lesenswert?

Hohn und Kindergarten - bei diesen Texten fühle ich mich wie unter Präpubertierenden

Der Menschheit geht es wahrhaftig viel zu gut. Wie sonst sind solcherlei Texte zu erklären?
Wie viele Menschen (ich eingeschlossen) müssen jeden Tag, 365 Tage im Jahr fasten, da sie an Allergien leiden? Wie viele Menschen haben Genuss verloren, da sie von körperlichen und/oder seelischen Krankheiten zerfressen sind? Bei derartiger "Enthaltsamkeit" entlockt man mir weder ein müdes Lächeln noch eine zynische Bemerkung.
Fastet besser einmal am Selbstmitleid und am Geraunze. Öffnet die Augen, blickt über den Tellerrand, zeigt Nächstenliebe, Verständnis und Respekt. Aber vor allem: werdet wieder ein Stück weit selbstlos. Und bitte, hört mit dieser falschen Freundlichkeit und dem infantilen Hoffnungssäen auf. Lasst auf Worte Taten folgen - und letztendlich werdet ihr selbst erkennen, wie viel Wert in einem jeden von euch steckt.

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