Was beschäftigt die Jugend? Was sind ihre Sorgen, Ängste und Prioritäten für die Zukunft? Um diese Frage zu beantworten, führte Allianz Österreich eine Onlinebefragung mit 800 jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 24 durch. Die Ergebnisse wurden mit den vorhergehenden Studien aus den Jahren 2011 und 2017 verglichen und geben Anlass zur Sorge: In vielen Punkten zeigt sich, dass die Lebenszufriedenheit der Jugendlichen immer mehr absinkt. Nur jeder zweite junge Mensch ist mit seinem Leben zufrieden. 2011 waren es noch 73 Prozent.

Corona nicht der Auslöser

„Das ist eine unbequeme Erkenntnis, weil es ein Trend ist in dieser Zielgruppe. Der anhaltende Abwärtstrend ist auch in anderen Erhebungen zu erkennen. Schuld ist nicht nur Corona. Diese Entwicklung zeigt sich auch unabhängig von der Pandemie. Aber Corona kommt einem Brandbeschleuniger gleich. All die negativen Entwicklungen sind noch potenziert worden“, mahnt Stefan Anzinger (Senior Researcher market Institut).

Denn die Zukunft macht viele Jugendliche ängstlich: Dabei zeigt sich auch klar, dass Frauen stärker betroffen sind als Männer. Fast jede Zweite fürchtet sich vor der Zukunft, während nur jeder vierte Mann Angst vor dem Kommenden hat. Als Grundlage für diese Sorgen wird häufig die Gesundheit angegeben – im Fokus stehen dabei vermehrt psychische Erkrankungen.

Unglücklich, einsam und müde

Psychische Beschwerden haben sich unter jungen Menchen zu einem umfangreichen Problemfeld entwickelt. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Leute mit psychischen Problemen vervierfacht. Auch hier lässt sich erkennen, dass Frauen stärker betroffen sind als Männer. Als Ursachen für mentale Beschwerden werden vor allem Müdigkeit, Stress und Überforderung genannt. Und jeder Vierte fühlt sich häufig einsam und unglücklich.

Ein Topthema dieser Generation ist außerdem die Nachhaltigkeit geworden. Der Klimawandel wird von der Jugend als Hauptbedrohung der nächsten 20 Jahre gesehen und bereitet mehr Sorgen als die Pandemie. Das Interesse an der Thematik steigt mit zunehmendem Alter. Jeder Zweite sieht in den klimatischen Entwicklungen eine ernstzunehmende Bedrohung. Hingegen sind die Ängste vor Terroranschlägen und Datenmissbrauch drastisch gesunken.  

Frauen weniger optimistisch 

Auch im Hinblick auf den Klimawandel können Geschlechterunterschiede verzeichnet werden. Frauen sehen diese Entwicklungen mit mehr Wut und Angst als Männer. Bei beiden Geschlechtern gibt es allerdings einen hohen Tatendrang, etwas zu verändern. Diesen gab eine von drei Personen an.

Neben der Gesundheit und dem Klimawandel ist das Thema der Digitalisierung bei jungen Menschen zentral. Aktivitäten am Smartphone bilden die Top-Drei der nicht sportlichen Freizeitbetätigungen. Die Hälfte nutzt ihr Gerät mehr als drei Stunden am Tag – und zwar um sich zu informieren, zu unterhalten und mit anderen in Kontakt zu stehen. In den vergangenen Monaten war vor allem Letzteres wichtig. Denn 71 Prozent der jungen Menschen gaben an, die regelmäßigen Treffen mit anderen stark zu vermissen – auch hier schienen Frauen stärker betroffen.

Jungen Menschen mehr zuhören 

Aber was kann man tun, um die Jugend bei all diesen Themen aufzufangen. Rémi Vrignaud CEO von Allianz Österreich fasst es auf ein paar Punkte zusammen: „Wir müssen den Zugang zu Mental Health verstärkt fördern. Das Engagement, das junge Menschen im Hinblick auf den Klimawandel zeigen, sollten wir nutzen. Und wir müssen dieser Generation zuhören. Wenn wir diesen Menschen ein positives Lebensgefühl zurückgeben wollen, müssen wir nachhaltig investieren.“

Sorgen Erwachsene nicht dafür, jungen Menschen Perspektiven zu geben, so würde sich das auf unser aller Zukunft auswirken, mahnt Anzinger: „Wenn diese Gruppe gehemmt und besorgt bleibt, fehlt ihr die Antriebskraft für Veränderungen und das wirkt sich unmittelbar auf die Gesellschaft aus.“

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