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Neue StudieShopping & Party? Von wegen! Das tun Jugendliche in ihrer Freizeit

Jugendliche nutzen ihre Freizeit zum Runterkommen, verbringen Zeit mit Freunden und machen Sport: Das zeigt eine neue Studie.

Shopping & Party? Von wegen! Das tun Jugendliche in ihrer Freizeit
Shopping & Party? Von wegen! Das tun Jugendliche in ihrer Freizeit © oneinchpunch - Fotolia
 

Juhu, Freizeit! Doch wie nutzen Jugendliche in Österreich diese Zeit für sich? Das hat die neue Jugendfreizeit-Studie untersucht: Das Institut für Jugendkulturforschung hat dafür bei 1.000 Österreicherinnen und Österreichern im Alter von 16 bis 29 Jahren nachgefragt. 

Das Ergebnis: Die Freizeitkulturen der jungen Österreicher bieten einen Mix aus Aktivität und Chillen. 8 von 10 Jugendlichen (81 %) unternehmen in ihrer Freizeit besonders gerne etwas mit ihren Freunden, 7 von 10 Jugendlichen (71 %) lieben es aber auch, einfach einmal nichts zu tun und zu relaxen. Vor allem für Jugendliche mit niedriger und mittlerer Bildung gilt: „Ich habe, was Freizeitgestaltung betrifft, keine speziellen Präferenzen – Hauptsache frei.“

Zusammensitzen mit Freunden

Freunde und Familie sind wichtige Freizeitpartner. Jugendliche wollen ihre Freizeit mit Menschen verbringen, die ihnen persönlich wirklich etwas bedeuten. Bei Mädchen und jungen Frauen zeigt sich dies noch stärker als bei Jungs und jungen Männern: 84 % der weiblichen Jugendlichen unternehmen in ihrer Freizeit besonders gerne etwas mit Freunden (bei den männlichen Jugendlichen sind es 77 %), 73 % der Mädchen und jungen Frauen lieben es, mit den Freunden einfach einmal gemütlich zusammenzusitzen und zu plaudern (bei den Jungs und jungen Männern tun das lediglich 49 % gerne).

Immerhin 70 % der weiblichen Jugendlichen verbringen ihre Freizeit aber auch gerne mit der Familie. Bei männlichen Jugendlichen ist Familienfreizeit weniger populär: 52 % der männlichen Jugend verbringen die Freizeit gerne mit den Eltern, den Geschwistern oder Verwandten.

Sport und Outdoor

In der öffentlichen Debatte wird die Jugend und ihre Freizeitgestaltung gerne als exaltierte Vergnügungswelt beschrieben. Man hört und liest von der Party- und der Shopping-Jugend oder lifestyle-tauglichen Koch-Sessions und Yoga als junge Freizeittrends.

Im Ranking beliebtesten Freizeitaktivitäten spielen exaltiertes Vergnügen und schrill-bunte Lifestyles jedoch wider Erwarten eine Nebenrolle. Shopping und Party, aber auch Koch-Sessions und Yoga liegen auf den unteren Rang­listenplätzen. „Die Jugend ist der bunten Lifestylewelt mit den ständig wechselnden Trends und Moden überdrüssig geworden. Sie sucht weniger das Abenteuer, sondern konzentriert sich auf das Solide und findet persönlichen Ausgleich vor allem in Sport und Bewegung“, kommentiert Studienautorin Beate Großegger. 44 % der Jugendlichen nennen Sport und Fitnesstraining als eine ihrer Lieblings­freizeitbeschäftigungen. Für jede/n Dritte/n (32 %) sind Sport und Bewegung sogar die allerliebste Freizeitaktivität. Jugendliche denken hier übrigens vor allem an Outdoor-Sport.

Couch-Potatoes im Osten

Dabei lässt sich ein regionales Gefälle beobachten. Überdurchschnittliche Sportbegeisterung zeigt sich in Westösterreich. „Sport und outdoor, also rausgehen und draußen in der Natur Energie tanken, dominieren die jungen Freizeitkulturen im Westen, den Typus des Couch-Potatoes sehen wir vor allem im Osten besonders stark vertreten,“ so Großegger.

Social Media sind im Alltag der heutigen Jugend fest verankert. Die überwiegende Mehrheit ist via Social Media mit Altersgleichen vernetzt. Umso erstaunlicher ist es, dass Social-Media-Aktivitäten nicht zum „wirklich coolen Freizeitprogramm“ zählen.

Mediennutzung steht in den Freizeitpräferenzen der Jugendlichen generell nicht im Vordergrund, sondern rangiert bei den beliebtesten Freizeitaktivitäten lediglich im Mittelfeld. Gaming wie auch Lesen kommen noch vor Internetnutzung, TV und Streamen.

Kein Terminkalender für die Freizeit

Freizeit ist für junge Menschen heute ein rares Gut. Wer zu viel Freizeit für Familienarbeit, Haushalt oder Lernen verwenden muss, reagiert genervt. 53 % der jungen Österreicherinnen und Österreicher möchten ihre Freizeit dazu nutzen, endlich einmal ihren ganz persönlichen Interessen oder Hobbys nachzugehen. Vor allem in bildungsnahen Milieus bedeutet Freizeit hier auch kreativ sein und Muse finden zu können, also zum Beispiel Musik zu machen, zu schreiben oder zu fotografieren.

Generell möchten Jugendliche Freizeit als Eigenzeit gestalten. Vom bis ins Letzte durchgeplanten Freizeitterminkalender halten sie wenig. Zeit für sich haben und spontan entscheiden, wie man die Freizeit verbringt, ist das, was für sie zählt.

Stressabbau abseits von Yoga

Wie die Jugendfreizeitstudie „Leisure is Pleasure“ zeigt, ist im Jugendfreizeitsektor derzeit vieles in Bewegung. Für Freizeitanbieter gilt es, diese Entwicklungen im Auge zu behalten. Und sie sollten sich vor allem auch um eine im Jugendfreizeitbereich bislang vernachlässigte Gruppe kümmern: die Introvertierten. „Extrovertierte haben andere Freizeitinteressen als Introvertierte – sie sind stärker outgoing und werden vom Jugendfreizeitmarkt auch viel besser bedient. Zahlenmäßig machen sie, wie unsere aktuelle Studie zeigt, aber gerade einmal knapp die Hälfte der Jugendlichen (47 %) aus. Hier besteht Nachholbedarf“, sagt Beate Großegger.

Auch für die Gesundheitsförderung sind Studienergebnisse, die die Freizeitbedürfnisse der Jugend erschließen, von Bedeutung, zumal Freizeitaktivitäten Stressabbau ermöglichen. Bedarf besteht hier ganz besonders bei jungen Frauen: 65 % der jungen Österreicherinnen fühlen sich im Alltag gestresst (bei den jungen Männern sind es mit 42% deutlich weniger). „Hier braucht es neue Konzepte und teils wohl auch kritische Distanz zu den medial gehypten Trends“, so Großegger.

„Yoga wird beispielsweise gerne als junges, lifestyle-taugliches Stressbekämpfungs­mittel gepriesen. Tatsächlich spielt Yoga als Stressmanagementstrategie in den Lebenswelten der jungen Frauen aber keine große Rolle: Gerade mal jede Zehnte macht in der Freizeit gerne Yoga.“

 

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