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Im Gespräch mit Andreas Salcher Wie ein erfülltes Leben gelingt

Bestseller-Autor Andreas Salcher über die Chancen, dem eigenen Leben eine positive Wendung geben zu können und am Ende einfach zufrieden zu sein.

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Ihr neues Buch lädt dazu ein, sich das eigene Leben in 24 Stunden vorzustellen, das Leben von der Geburt bis zum hohen Alter in 24 Kapitel. Versteht sich das als Empfehlung, öfter Rückschau zu halten, um die eigenen Muster zu erkennen und zu verstehen, warum man wurde, was man ist?

ANDREAS SALCHER: Schon, aber es geht nicht nur darum, das Leben wie einen Film zurückzuspulen. Es geht auch um die Frage: „Welche Themen kommen noch auf mich zu?“ Denn wer jetzt 60 ist, unterschätzt meist, dass er im Schnitt noch 25 bis 30 Jahre vor sich hat. Wenn man erkennt, was da noch alles vor einem liegt, kann das auch einen Perspektivenwechsel auslösen.

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Andreas Salcher (57) ist Unternehmensberater, erfolgreicher Sachbuchautor und kritischer Vordenker in Bildungsfragen © KK

Sie schreiben, dass mehr eigene Veränderung möglich ist, als man denkt – alle zehn Jahre zumindest ein wenig?

ANDREAS SALCHER: Ja, das Buch soll einen Anstoß dazu liefern. Wenn Sie das Glück hatten, dass Ihnen in der Kindheit viel vorgelesen wurde, dass es daheim viele Bücher gab und Sie außerdem gute Lehrer hatten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie ein lernender Mensch werden. Aber es gibt auch andere Menschen, denen ist zu sagen: „Es mag am Anfang ja alles schwierig gewesen sein, aber ab einem gewissen Alter und spätestens ab jetzt hast du die Verantwortung für dein Leben.“ Das Prinzip „Selbstverantwortung statt Schuldzuschreibung“ ist entscheidend für die Lebenszufriedenheit.

Wenn Eltern ihren Kindern vermitteln, sie könnten alles erreichen, läuft aber auch etwas falsch, oder?

ANDREAS SALCHER: Das problematisiere ich ja sehr im Buch – im Kapitel über den getäuschten Menschen, der fast immer ein unglücklicher Mensch ist. Aber auch das darf als Erwachsener keine Ausrede mehr für mich sein. Ich muss erkennen, dass meine Eltern zwar versucht haben, mich in eine bestimmte Richtung zu drängen, dass mein Leben letztlich aber meine Verantwortung ist. Was Bücher wie das meine nun erreichen können, ist jenen, die in einer Phase sind, in der sie über so etwas nachdenken, einen Auslöser zu geben. Viele Kapitel enden mit Reflexionsfragen. Eine für mich besonders spannende ist: „Wenn ich morgen aufwachen würde und doppelt so viel Mut hätte wie bisher, wie würde ich meine Ziele ändern?“

 

Was man aus Nachrufen lernen kann

Bei seiner Analyse von 2000 Nachrufen auf berühmte und völlig unbekannte Menschen aus der „New York Times“ stieß das Team von Lux Narayan 2017 auf ein Wort, das in beiden Gruppen am häufigsten vorkam: helfen. Was von Menschen offenbar besonders stark in Erinnerung bleibt, ist, dass sie geholfen haben.

Jedes Alter hat seine spezielle Aufgabe, in jeder Lebensphase ist etwas anderes zu bewältigen. Ob die eigenen Entscheidungen richtig waren, lässt sich aber erst im Nachhinein beurteilen.

ANDREAS SALCHER: Na ja, das Ziel des Lebens ist schon, im Laufe der Jahre ein gewisses Maß an Lebenszufriedenheit zu erreichen, zu sagen: Ich hatte viele Niederlagen, bin Umwege gegangen, aber das ist mein Leben, dazu stehe ich und ich versuche, aus dem, was vor mir liegt, das Beste zu machen. Wenn Sie gerade in einer sehr glücklichen Phase sind, werden Sie Ihr ganzes Leben im Rückblick schöner sehen, als wenn es gerade schwierig läuft. Was mich sehr überrascht hat, aber die Studien dazu sind eindeutig: Zwischen 60 und 70 ist, wenn man gesund ist, die Zeit der größten Lebenszufriedenheit. Das ist die Zeit, in der man einerseits viel gelassener mit dem Leben umgeht und andererseits schon mehr an andere zurückgibt.

Zufriedenheit klingt für viele nach einem allzu banalen Lebensziel.

ANDREAS SALCHER: Ich frage nach meinen Lesungen, wenn ich Bücher signiere, immer danach, was sich die Menschen vom Leben wünschen. 90 Prozent der Menschen sagen: „Ich will Gesundheit und Zufriedenheit.“ Intuitiv ist das den Menschen ein sehr starkes Bedürfnis. Total optimistische Menschen, die in der Früh aufwachen und sich sagen: „Ha, das Leben ist großartig“, gibt es natürlich, aber vielen ist diese Einstellung einfach nicht in die Wiege gelegt. Aber ein gelungenes Leben kann jeder schaffen.

„Midlife-Crisis“ darf man nicht mehr sagen, mit dem Wort outet man sich als alter Mensch, entnehme ich Ihrem Buch. Dennoch gibt es sie.

ANDREAS SALCHER: Es gibt sie schon, aber sie fängt früher an und hört dafür nie mehr ganz auf. Wir sind ständig in einer Transformationsphase, weil die Lebensläufe nicht mehr so statisch sind wie früher. Positiv formuliert kann man sagen: Wir sind ständig am Lernen. Negativ gesagt, wir haben öfter Krisen zu bewältigen.

„Erwachsen ist man, wenn die eigenen Eltern sterben“ – das ist ein Satz aus Ihrem Buch.

ANDREAS SALCHER: Das ist nur eine Dimension, aber die hat schon was für sich. Meine Mutter ist vor vier Jahren gestorben, ich bin überzeugt, dass ich vorher schon erwachsen war, – aber wenn du deine Mutter nicht mehr anrufen kannst, das ist ein großer Schmerz, den man bewältigen muss. Generell würde ich sagen: Erwachsen sind wir, wenn wir die ersten großen Niederlagen in unserem Leben erlebt haben, Illusionen zerbrochen sind und wir gelernt haben, daran zu wachsen.

Die 3-Seiten-Morgenübung

Salchers Lieblingsübung, die hilft, schwierige Zeiten besser zu bewältigen: Morgens gleich nach dem Aufstehen auf drei DIN-A4-Seiten notieren, was einem durch den Kopf geht. Die Gedanken einfach so ungeordnet aufschreiben, wie sie daherkommen; nicht weniger und nicht mehr als drei Seiten sind die richtige Dosis.

Was ist Ihrer Meinung nach die schwierigste Lebensaufgabe?

ANDREAS SALCHER: Sich selbst anzunehmen, ist das Schwierigste. Außerdem geht es aber darum, zu verstehen, was das Leben von uns will. In der ersten Hälfte ihres Lebens sind sehr viele Menschen von der Frage getrieben: Was will ich vom Leben? Einen attraktiven Partner, Kinder, ein Haus, zwei Golden Retriever, einen spannenden Job – in diese Dinge investieren wir ungeheuer viel Energie. In der Reife des Erwachsenenlebens geht es darum, immer stärker zu erkennen, dass die Frage andersherum gestellt werden muss: Was will das Leben von mir? Was ist meine Berufung? Diesen Ruf zu hören und ihm zu folgen, ist die wahre Lebensaufgabe.

 

NACHLESE

„Das ganze Leben in einem Tag“ von Andreas Salcher (Ecowin-Verlag, 24 Euro) basiert auf der Idee, das ganze Leben mit seinen je nach Lebensphase (zwischen O und 100 Jahren) unterschiedlichen Themen in ein Fachbuch zu packen, um es überschaubar zu machen und einen Perspektivenwechsel zu erleichtern.

Kommentare (2)

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cathesianus
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1
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Besserwisser

Ein unerträglicher Besserwisser, dieser Herr Salcher. ... Erst selbsternannter Schulreformer und Bildungsexperte, jetzt Lebensberater??? Beschert ihm das Thema Schule und Bildung nicht mehr die gewünschte Aufmerksamkeit??

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schulzebaue
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0
Lesenswert?

Der

Ganze Weltschmerz in 5 Zeilen gepresst.

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