Wir alle haben es schon erlebt: Die Geschenke, die am 24. Dezember nach dem Auspacken der Renner sind, landen manchmal schon am zweiten Weihnachtstag ungeliebt in der Ecke. Und im allerschlimmsten Fall ist das ungeliebte Präsent lebendig.

Vor dem Gesetz mögen Tiere in Österreich leider immer noch als Sache gelten, aber sie sind ganz bestimmt kein Spielzeug, das man unter den Christbaum legt. Dennoch landen jedes Jahr lebende Geschenke unter der Tanne, insbesondere Hundewelpen. Die Ernüchterung kommt oftmals erst einige Wochen später – denn Haustiere sind nicht nur süß und kuschelig, sondern sie kosten Zeit, Mühe und Geld. Sie bedeuten mitunter jahrzehntelange Verantwortung. Und wenn einem das bewusst wird, dann steht man da, mit dem flauschigen „Fehlkauf“.

Für viele führt der Weg dann ins Tierheim. „Die Entscheidung, ein Haustier in der Familie aufzunehmen, sollte wohlüberlegt sein. Die hektische Weihnachtszeit ist für diese Entscheidung der völlig falsche Zeitpunkt“, sagt Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, der als größtes Asyl Österreichs pro Monat im Schnitt 120 bis 150 Abgaben verbucht.

Um ihren Schützlingen ein solches Schicksal zu ersparen, gehen seriöse Tierschutzvereine und Züchter in der Vorweihnachtszeit bei der Vergabe besonders selektiv vor. In Zoohandlungen – die Kette Fressnapf ist mit dem Verkaufsstopp von Kleinsäugern (z. B. Kaninchen) in der Woche vor Weihnachten die Ausnahme – laufen die Tiere viel größere Gefahr, als ungeliebtes Spontangeschenk unter dem Christbaum zu landen.

Vom Kauf von Vierbeinern im Handel wird dringend abgeraten. Angebliche Rassehunde auf Märkten oder über das Internet aus dem Ausland zu erwerben, davor warnt Heinz Heistinger von der Österreichischen Tierärztekammer eindringlich: „Sie stammen oft aus Tierfabriken, in denen unter qualvollen Umständen vermehrt wird.“

Auch wenn sich die Familie gemeinsam und wohlüberlegt für die Adoption eines pelzigen Mitglieds entschieden hat, sind die Feiertage kein geeigneter Zeitpunkt, um die Vierbeiner möglichst stressfrei an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. „Man sollte sich als Familie zu Weihnachten die Zeit schenken, sich vorzubereiten“, rät Heistinger.

Zum Beispiel mit einem Besuch im Tierheim, auf der Pflegestelle eines privaten Vereins: „Meist gibt es die Möglichkeit, mit den Hunden dort spazieren zu gehen oder Zeit mit den Katzen zu verbringen.“ Auch für einen Kauf beim Züchter gilt: „Die Familie sollte sich das neue Mitglied gemeinsam aussuchen.“ Tiere haben unterschiedliche Charaktere, nicht alle sind für Kinder geeignet und die Chemie zwischen Zwei- und Vierbeinern muss stimmen.

Wer seinen Kindern dennoch am 24. Dezember etwas Tierisches unter den Baum legen möchte, kann das mit einem „Teaser-Geschenk“ tun: etwa einem symbolischen Stofftier, einem Gutschein oder einem Buch zum Thema. Und dann sind es ja vielleicht nur mehr ein paar Mal Schlafen, bevor der neue, vierbeinige Freund dann wirklich einziehen kann.