Der Tod eines 13-jährigen E-Scooter-Fahrers hat die Aufmerksamkeit wieder auf diese motorisierten Roller gerichtet. Zwar kommt man recht rasch von A nach B, allerdings ist auch das Verletzungsrisiko nicht zu unterschätzen und durchaus mit jenen von Fahrrädern zu vergleichen.

In den letzten Jahren haben sich die Vorfälle mit E-Scootern gehäuft, wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit mitteilte. 2021 etwa waren 2800 Personen so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten – wir haben hier berichtet. Und auch am Universitätsklinikum für Orthopädie und Traumatologie in Graz werden immer wieder Verletzungen nach E-Scooter-Unfällen behandelt, bestätigt Paul Puchwein. "Wir sehen vermehrt Patienten, wobei wir in Graz noch nicht so große Probleme haben, da wir nicht wie andere Städte ein Leihsystem für E-Scooter haben."

Alkoholkonsum und Helmverzicht am E-Scooter

Vor allem Alkoholkonsum sei ein Faktor bei Unfällen mit E-Scootern. "Der Anteil an alkoholisierten Unfällen macht 20 bis 25 Prozent aus", sagt Puchwein. Dies deckt sich mit internationalen Studien zu diesem Thema. Eine Studie zu E-Scooter-Verletzungen unter der Federführung der Berliner Charité kam 2021 zu dem Schluss, dass jede fünfte Patientin, jeder fünfte Patient Alkohol getrunken hatte. Dies fördere die Risikobereitschaft und die Fehleinschätzung der eigenen Reaktionsfähigkeit.

Ein weiterer Risikofaktor, der auch zu schweren Verletzungen führen kann, ist, dass viele E-Scooter-Fahrer keinen Helm tragen, im Falle eines Unfalles also ungeschützt sind. "Kopfverletzungen sehen wir sehr häufig", sagt Puchwein. Unterschiedliche internationale Untersuchungen kommen im Großen und Ganzen zum selben Ergebnis: Nur ein Bruchteil der Piloten trägt am E-Roller einen Helm, in der zuvor zitierten Charité-Studie ist etwa von einem Prozent die Rede.

"Weiters sehen wir Kniebandverletzungen ebenso wie Gesichts-Schädel-Verletzungen und Verletzungen der Extremitäten, etwa Knochenbrüche", sagt der Experte. Diese betreffen Beine wie Arme. Verletzungen der oberen Extremitäten passieren vor allem dann, wenn man sich im Falle eines Sturzes abstützen möchte. Auch Riss- und Schürfwunden können vorkommen.

Zu schneller Scooter, zu langsame Reaktionszeit

E-Scooter sind im Vergleich zu Fahrrädern durch ihre kleinen Räder und ihren äußerst niedrigen Schwerpunkt sehr instabil. Kleinste Unebenheiten können Gerät und Fahrer sprichwörtlich aus dem Gleichgewicht bringen, hinzu kommt die höhere Geschwindigkeit – in Österreich bis zu 25 km/h. Demnach ist eine der häufigsten Ursachen auch der Kontrollverlust über den E-Scooter. Puchwein weist zudem auf die besonders aufrechte Körperhaltung hin, die man auf einem Roller einnimmt. "Im Falle einer Kollision kann man über den Lenker stürzen, was etwa zu Kopfverletzungen führen kann." Ein weiteres Problem sieht der Experte in der Fehleinschätzung der Geschwindigkeiten. "Ähnlich wie beim E-Bike ist die schlechte Einschätzung des eigenen Reaktionsvermögens zu bemerken", sagt Puchwein. Oder vereinfacht gesagt, viele E-Scooter-Fahrer sind schlichtweg zu schnell unterwegs, um ausreichend sicher bremsen zu können.

Um die Sicherheit im Umgang mit E-Scootern zu erhöhen, plädiert Puchwein für eine Helmpflicht und auch ein Alkoholverbot. "Man darf E-Scooter nicht nur verteufeln", sagt Puchwein. "Diese haben auch Vorteile, etwa für Menschen, die nicht mehr so agil sind. Aber es braucht klare Regeln und Mindeststandards."