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Biontech-Vize Katalin Karikó"Mutter" der Corona-Impfstoffe: "Eine Milliarde Dollar, das würde mir nur Kopfschmerzen bereiten"

Katalin Karikó ist Miterfinderin des mRNA- Impfstoffs, ihre bahnbrechende Erfindung macht die Biochemikerin zur aussichtsreichsten Kandidatin für den diesjährigen Chemie-Nobelpreis.

Katalin Karikó ist Senior Vice President von Biontech © 
 

Sie gelten international als Miterfinderin und „Mutter“ der Corona-Impfstoffe. Wie kam es dazu?
Katalin Karikó: Wie so oft im Leben spielt auch bei mir der Zufall eine große Rolle. In den 1980er-Jahren war ich am Biologischen Forschungszentrum in Szeged beschäftigt. Ich würde heute noch in Ungarn arbeiten, hätte ich Karrierechancen gehabt. 1985 erhielt ich von der Temple University im amerikanischen Bundesstaat Philadelphia das Angebot, am Biochemischen Institut meine Forschungstätigkeit über synthetische RNA fortzusetzen. So zogen mein Mann, meine kleine Tochter und ich nach Amerika.

Das war noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, wo selbst eine legale Ausreise in den Westen nicht unproblematisch war.
Das ist richtig. Als Angestellte genehmigte mir die Bank beispielsweise nicht die Ausfuhr von Fremdwährung. Mein Mann und meine zweijährige Tochter durften Devisen im Wert von je 50 Dollar mitnehmen. Vom Verkauf unseres Autos haben wir 900 Dollar in den Teddybären meiner Tochter eingenäht und in die USA geschmuggelt. Das war unser gesamtes Startkapital.InlineBild (d0aa4b44)

Zur Person

Katalin Karikó, geb. 1955 in Szeged (Ungarn). Nach dem Gymnasium absolvierte sie ein Biologiestudium an der Universität Szeged.
1985 wanderte sie mit Mann und Kind in die USA aus. Sie ist Senior Vice President von Biontech.


Wie hat sich der Neuanfang in den USA für Sie gestaltet?
Finanziell war es hart, weil wir im ersten Monat uns von den 900 Pfund über Wasser halten mussten. Wir waren wirklich auf Überlebenskurs. Wenn man nicht untergehen will, muss man schwimmen lernen, und so lernte ich so rasch wie möglich „schwimmen“. Ich verbrachte drei Jahre lang Tag und Nacht an der Universität, ich schlief buchstäblich im Labor. Drei Jahre später wurde mir von der John Hopkins University eine Professur angeboten. Als mein Vorgesetzter davon erfuhr, war er so beleidigt, dass er mich und meine Familie ausweisen lassen wollte.Aus welchem Grund?
Die Publikationen unserer Forschungsergebnisse liefen erstmals gut und er fürchtete, nach meinem Abgang würde das Institut keine Zuwendung bekommen. Er kontaktierte John Hopkins und die zogen ihr Angebot zurück. Mir blieb nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und an der Temple University zu bleiben. Rückblickend betrachtet verdanke ich diesem Umstand, dass ich meine Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Molekularbiologie, im Besonderen der Boten-RNA, intensivierte. Einige Jahre später wurde mir ein Lehrstuhl an der University of Pennsylvania angeboten und ich wechselte. Das ging anfangs auch gut. Nachdem es mir aber in sechs Jahren nicht gelang, Fördergelder für mein mRNA-Projekt zu lukrieren, wurde ich zurückgestuft und mein Gehalt wurde gekürzt.

Kommentare (16)
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unfassbar
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Eine tolle

Frau, könnten sich einige ein Stück abschneiden.....

GordonKelz
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...würde mir nur KOPFSCHMERZEN bereiten...

Eine Aussage die manchem Politiker und
Postenschachers FREMD vorkommen...
Gordon Kelz

FRED4712
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bin jetzt ein wenig irritiert....

ich dachte, dass die 2 türkischstämmigen Personen in Deutschland erforscht haben....der Erfolg hat immer viele Väter, im umgekehrten Fall war es niemand.....aber vermutlich haben wirklich Einige gleichzeitig daran geforscht

FRED4712
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wieder mal rotdrücker,

die offensichtlich nicht sinnerfassend lesen können....was gibts da zu kritisieren?

lieschenmueller
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Das liest sich wie ein faszinierendes Buch

Wie glücklich wir uns doch schätzen können, dass es solch außerordentliche Menschen gibt.

Weiß gar nicht, wie hoch der Sockel sein müsste, auf die ich sie setzen möchte.

Lepus52
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Eine tolle Frau

und ein sehr guter Bericht. Wie mRNA funktioniert, kann man schön im Internet (z.B. Wikipädia) nachlesen und sich je jach persönlicher Vorbildung die entsprechende Information holen.

ChrSchober
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Praktikant am Werk

Wenn sie Tag und Nacht nur im Labor geschlafen hätte,wie in der Überschrift, dann wär sie heute maximal Bundeskanzler von Ö...

future4you
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Es gibt Menschen

die selbst bei sehr ermutigenden und positiven Nachrichten noch immer im negativen Denken verhaftet bleiben. Einfach nur arm im Geiste!

Pointnet
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Forschung

Super das es geschafft wurde. Die Natur wird uns weiterhin beschäftigen. Wir drängen die Viren ab und lassen die Bakterien aufkommen. Super Idee!

umo10
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Für alle Kritiker,

die kein Vertrauen in die viel zu schnelle Zulassung haben. Seit 24 Jahren forscht sie nun schon an mRNA. Kurz vor Corona gab es schon die Zulassung für Influenza.
Genial, ich vertraue der neuen Technologie voll!

niederlh
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Für Verschwörungstheoretiker

Vielleicht ist Corona gekommen, dass die vielen Jahre der Forschung endlich Sinn haben und Gewinn bringen....

niederlh
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Braucht keiner rot drücken

Wollte nur schreiben wie es verschwörungstheoretiker sehen könnte. Denn jedes Blatt hat zwei Seiten. Und für Alle die jetzt wieder rot drücken, dieser Kommentar ist keine Aussage über meine persönliche Meinung - aber die "Rotstrichler" verstehen das wahrscheinlich eh nicht.

feringo
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Mehr als Corona-Impfung

Die Forschung an und die Entwicklung der mRNA-Technik ist eine Nobelpreis würdige Leistung. Anwendungen damit lassen hoffen, auch Grippe und Schnupfen zu besiegen. Die Verknüpfung mit Corona alleine ist zu wenig weit gegriffen und doch auch wieder zu allgemein. Mit den britischen, russischen oder chinesischen Corona-Impfstoffen sollte man Katalin Kariko nicht in Verbindung bringen. Mutter der mRNA-Impfstoffe wäre besser, weil umfangreicher.

future4you
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Was uns weiterbringt

sind solche Menschen wie Frau Kariko. Alle, die polternd durch die Zeit und die Straßen ziehen, vor allem die an exponierten politischen Stellen sitzen und populistisch und kleingeistig gegen Impfungen schimpfen, um damit nach ein paar Wählerstimmen gieren, sollten einmal inne halten und dankbar sein für solch wertvolle Menschen.

kleinalm
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Das ist mal...

eine Ansage!

ARadkohl
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Waaaahnsinn, wer da so alles dahinter steht.

Ein wirklich toller Bericht 👍👍👍