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Essay zum Tag des GlücksArnold Mettnitzer: Vom Glück, ein guter Mensch zu sein

Wer sich ausschließlich um sich selbst kümmert, der wird böse. Was unsere Welt im Innersten zusammenhält.

© Margit Krammer/Bildrecht Wien
 

Fjodor Dostojewski erzählt in seinem Roman „Die Brüder Karamasow“ von einer Frau, die stirbt, ohne in ihrem Leben auch nur eine einzige gute Tat vollbracht zu haben. Zur Strafe landet sie in einem Feuersee. Ihr Schutzengel aber denkt sich: „Vielleicht erinnere ich mich doch noch an eine gute Tat, von der ich berichten könnte?“ Und dann fällt ihm ein: „Sie hat in ihrem Garten eine Zwiebel herausgezogen und diese einer Bettlerin geschenkt.“ Darauf hört er eine Stimme, die zu ihm sagt: „Nimm diese Zwiebel, die ganze Pflanze, streck sie ihr hin, in den See, dass sie nach ihr fasse und sich an ihr festhalte, und wenn du sie an der Zwiebel aus dem See ziehen kannst, so soll sie gerettet sein; wenn die Pflanze aber reißt, muss die Frau bleiben, wo sie ist.“ Da eilt der Engel zu ihr, streckt ihr die Zwiebel entgegen und sagt: „Halt dich fest, dass ich dich herausziehe.“ Und behutsam zieht er, und zieht und fast hat er sie schon herausgezogen; als aber die Übrigen im See sehen, dass die Frau herausgezogen wird, klammern sich alle an sie, in der Hoffnung, dadurch auch aus dem Feuersee zu kommen. Die Frau aber stößt mit ihren Füßen nach den anderen und schreit: „Ich, ich werde herausgezogen, nicht ihr, es ist meine Zwiebel, nicht eure.“ Kaum hat sie das ausgesprochen, reißt die Pflanze entzwei. Und die Frau fällt zurück in den Feuersee. Ihr Engel aber steht weinend da und weiß nicht, wie er ihr noch helfen könnte.

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zweigerl
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Die Botschaft hör ich wohl

Soeben massakriert mein süßes Kätzchen im Keller einen Vogel. Gestern bettelten junge Menschen um eine lebbare Zukunft beim Fridays-for-Future-Day. Wie schön, wenn einem da wenigstens der bestallte Glücksbringer aus Kärnten, dessen Sprüchen man auch in den Hotels für wohlhabende Touristen begegnet, samstäglich die Frohbotschaft der LIebe ans Herz drückt. Wer sonst soll es machen, nachdem die Sonntagspredigt in der Kirche zu einem Coronarisiko geworden ist?

baecki
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Die Katze tut, was sie tun muss...

.. das hat nichts mit Liebe zu tun. Sie frisst, weil sie Hunger hat. Der Mensch kann und muss sein Überleben kultiviert sichern. Dafür braucht es Liebe und die Fähigkeit zum Bedürfnisaufschub und zur Rücksichtnahme. Allzu oft misslingt das, aber ganz viele Menschen schaffen es immer wieder in ihrem Leben, human und aus Liebe zu handeln. Und ich finde es gut und notwendig, uns diese Wahrheit immer wieder ins Bewusstsein zu rufen. Denn es bleibt ein Leben lang eine Herausforderung, die Angst, zu kurz zu kommen, zu überwinden.

zweigerl
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Schöne Worte

Mein Affekt gegen solche idealistischen Forderungen richtet sich gegen die Sentimentalisierung durch schön klingende Begriffe. Natürlich mache ich meiner Katze keinen Vorwurf - es ist, wie es ist. Aber wenigstens fressen hätte sie den gemörderten Vogel können, dessen Todesschreie mir jetzt noch im Ohr gellen. Hat einer einmal gesagt, um damit seine mörderische Politik zu legitimieren: "Man muss sich als Stärkerer erweisen, Die Parole lautet: Friss, Vogel, oder stirb!" Dass dieser Politiker im Grunde genommen ein Massenmörder war, hat nichts damit zu tun, dass er einen Überlebensgrundsatz formuliert hat. Ich akzeptiere daher keine LIebespredigt, die sich in schönen Worten erschöpft und ahnungslos wie ein unschuldiges Beutetier dem Jäger in die Hände fällt.