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Antibiotika bei KaiserschnittStudie zeigt: besser hinterher als vorher

Studienergebnisse zeigen, dass eine Antibiotikagabe nach der Abnabelung keine Nachteile für die Mutter hat - sie aber die Situation für das Neugeborene aber erheblich verbessert.

© Alena Ozerova - stock.adobe.com
 

Bei Operationen wie einem Kaiserschnitt besteht immer die Gefahr, dass sich eine Wunde infiziert oder entzündet. Ob Antibiotika vor oder nach dem Durchtrennen der Nabelschnur verabreicht werden, spielt für das Infektionsrisiko keine Rolle, wie ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Inselspitals Bern gezeigt hat.

Nach einem Kaiserschnitt erleiden Frauen häufiger Infektionen als nach einer vaginalen Entbindung. Deshalb verabreichen Ärzte den werdenden Müttern oftmals vorsorglich Antibiotika. Nun analysierte das Forschungsteam über zehn Jahre gesammelte Daten von insgesamt 56.000 Kaiserschnitten. Über 26.000 der werdenden Mütter hatten Antibiotika vor dem Abtrennen der Nabelschnur erhalten, die anderen 30.000 danach.

Ihr Fazit: "Die Antibiotikagabe nach der Abnabelung hat aufgrund der Studienergebnisse keine Nachteile für die Mutter, verbessert die Situation für das Neugeborene jedoch erheblich", sagte Jonas Marschall, Chefarzt an der Universitätsklinik für Infektiologie am Inselspital, laut einer Mitteilung des Universitätsspitals.

So traten von den insgesamt 846 dokumentierten Infektionen 379 bei Frauen auf, die vor dem Durchtrennen der Nabelschnur Antibiotika erhielten. 449 der Infektionen erlitten Frauen, denen das Medikament danach verabreicht wurde. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant.

Gängige Praxis infrage gestellt

Die im Fachmagazin "Antimicrobial Resistance and Infection Control" veröffentlichten Ergebnisse stellen laut den Autoren die weltweit gängige Praxis der Antibiotika-Prophylaxe bei Kaiserschnitten infrage. Denn die meisten nationalen und internationalen Richtlinien, einschließlich derjenigen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), empfehlen, Frauen Antibiotika zu verabreichen, bevor die Nabelschnur durchgetrennt wird.

Doch gelangen die Medikamente in den Körper des Neugeborenen, stört dies den Aufbau des Mikrobioms - Milliarden von Mikroorganismen, die helfen, Krankheitserreger in Schach zu halten. Eine Beeinträchtigung kann sich die Entwicklung des Immunsystems oder auf die Hirnentwicklung auswirken.

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, haben laut früheren Studien bereits eine ärmere Darmflora als Babys, die vaginal geboren werden. Mit Antibiotika noch zusätzlich in die Entwicklung hineinzufunken, sollte deshalb vermieden werden.

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