Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Empfehlung des BundesVolksschüler: Erst ab 38°C jedenfalls zu Hause bleiben

Bei Symptomen "banaler" Atemwegsinfektionen und Körpertemperatur unter 38° Grad Fernbleiben nicht zwingend nötig, so die Empfehlung des Bundes.

 der Debatte um den Schulbesuch in Corona-Zeiten hat am Wochenanfang ein Leitfaden der oberösterreichischen Bildungsdirektion für Diskussionen in sozialen Medien und Experten-Kritik gesorgt
Am Wochenanfang hat ein Leitfaden der oberösterreichischen Bildungsdirektion für Diskussionen in sozialen Medien und Experten-Kritik gesorgt © YakobchukOlena - Fotolia
 

In der Debatte um den Schulbesuch in Corona-Zeiten hat am Wochenanfang ein Leitfaden der oberösterreichischen Bildungsdirektion für Diskussionen in sozialen Medien und Experten-Kritik gesorgt. Demnach müssen Kinder mit leichten Symptomen "banaler" Atemwegsinfektionen auch mit Körpertemperatur bis knapp unter 38 Grad der Schule nicht zwingend fernbleiben. Diese Empfehlung entspricht jener von Gesundheits- und Bildungsministerium, hieß es aus dem Gesundheitsressort zur APA.

Die Bildungsdirektion in Oberösterreich, wo zuletzt die Fallzahlen der Neuinfektionen überdurchschnittlich stark anstiegen, hat am 6. November eine neue Version ihres Dokuments "Schule im Herbst 2020" veröffentlicht. "Kinder mit leichten Symptomen, wie etwa Husten, Schnupfen, Atemwegssymptomen, jeweils ohne Fieber (d.h. Körpertemperatur unter 38°C), müssen nicht der Schule fernbleiben und gelten auch nicht als COVID-19-Verdachtsfall", heißt es in den Empfehlungen für Schüler bis zum Ende der vierten Schulstufe.

Leitfaden wurde ausgesandt

Gleichzeitig wird im aktuellen Dokument auch empfohlen, dass der Schule fernzubleiben ist, "wenn aufgrund einer Erkrankung dem Unterricht nicht gefolgt werden kann. Dies gilt in jedem Fall bei allen fieberhaften Erkrankungen." Zuvor war an gleicher Stelle die Rede davon, dass ein Kind "ab einer Körpertemperatur von 37,5 °C oder bei plötzlichem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns" jedenfalls zu Hause bleiben soll.

Verwiesen wird dabei auf Empfehlungen des Bundes, die in den COVID-19-"Hygiene-, Präventions- und Verfahrensleitlinien für Gesundheits- und Bildungsbehörden" festgeschrieben sind (herausgegeben von Gesundheits- und Bildungsministerium am 22. Oktober) - und die eine ähnliche Empfehlung aussprechen: "Es ist daher nicht zielführend, dass v. a. bei Kindern bis zum Ende der 4. Schulstufe unspezifische Symptome 'banaler' Atemwegsinfektionen (saisontypische Erkältungszeichen wie z. B. Schnupfen, milder Husten, jeweils ohne Fieber (d. h. Körpertemperatur unter 38° C)) als klinische Alleinstellungsmerkmale einer SARS-CoV-2-Infektion zu interpretieren sind, die ein Fernbleiben von der Bildungseinrichtung notwendig machen."

Für Kinder ab der fünften Schulstufe und für Erwachsene gilt hingegen, dass diese der Bildungseinrichtung fernbleiben sollen, sofern Symptome einer "akuten respiratorischen Infektion mit oder ohne Fieber" vorliegen (und diese Infektion entweder von Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit oder plötzlichem Verlust des Geschmacks-/Geruchssinnes begleitet wird). Unabhängig vom Alter sollen Kinder, die sich subjektiv krank fühlen bzw. Symptome aufweisen, "die ein regelrechtes Folgen des Unterrichts verhindern", daheimbleiben. Seitens des Gesundheitsministeriums wurde gegenüber der APA auch auf ein weiteres, gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) herausgegebenes Dokument verwiesen: Dass (erst) "größer gleich 38 Grad bei Kindern als Fieber gesehen wird" werde auch von der ÖGKJ so gesehen, hieß es aus dem Ressort.

Kritik an der Empfehlung

Kritik an diesen Empfehlungen kommt vom Mikrobiologen Michael Wagner von der Universität Wien. Es gebe "keine magische Altersgrenze", ab der die Betroffenen für das Infektionsgeschehen keine Rolle spielen, sagte Wagner zur APA. "Und es gibt auch keine magische Symptomgrenze. Niemand kann anhand der Symptome sagen, ob ein Kind infiziert ist oder nicht infiziert ist." Auch sei die reine Fokussierung auf Atemwegsinfekte nicht unbedingt zielführend, denn bei Covid-19 kommen bei Kindern ja etwa auch Magen-Darm-Symptome vor.

Es gehe bei seiner Kritik um die Frage der Ausbreitung der Pandemie, nicht um das individuelle Kindeswohl, betonte Wagner: "Für die Kinder besteht in aller Regel keine Gefahr", würden diese doch kaum oder meist nur mild erkranken. "Aber die Kinder tragen das Virus nach Hause." Und Wagner verweist auch darauf, dass durchaus "Doppelinfektionen" vorkommen könnten: Erkranken Kinder an banalen Infekten und tragen auch das Corona-Virus in sich, so steige aufgrund der Erkältungssymptome (wie etwa Husten) die Gefahr der Verbreitung auch der Corona-Viren.

Als "katastrophal" beurteilt Wagner eine bis Montagmittag auf der Webseite der oberösterreichischen Ärztekammer abrufbare Empfehlung für das "Ordinationsmanagement bezüglich COVID 19". Dort hieß es unter anderem: "Kinder unter 10 Jahren werden im Regelfall NICHT getestet" und "Jugendliche und Erwachsene werden im Regelfall auch nicht getestet (...), außer der behandelnde Arzt entscheidet sich (...) für einen Test". Darüber hinaus sei es auch nicht nötig, alle Coronafälle zu detektieren: "95% der Infektionen verlaufen asymptomatisch oder maximal als grippaler Infekt, gelegentlich verbunden mit Fieber." Und: "Es muss zunehmend (auch medial) eine Entdämonisierung von SARS-CoV-2 stattfinden", lautete die Empfehlung.

Auf APA-Anfrage hieß es seitens der Ärztekammer Oberösterreich am Montag, der Text sei nicht mehr aktuell, es gelte die Vorgabe der Bundeskurie niedergelassener Ärzte. Am späteren Montagnachmittag wurde der Text dann offline genommen und durch jene der Bundeskurie ersetzt. Wagner sagte dazu, die Empfehlung sei wochenlang abrufbar gewesen. Er ortete ein "politisches Narrativ", indem man Kinder unter zehn Jahren nicht testet und danach erklärt, Kinder würden seltener infiziert.

Kommentare (18)
Kommentieren
stimmtnicht
0
8
Lesenswert?

Unfassbar fahrlässig!

Was hier gerade abgeht, ist grob fahrlässig gegenüber allen Menschen die in Schulen tätig sind!!!! Jeder einzelne, von der Direktion bis zur Reinigungskraft gibt im Moment 150% und mehr!
Wer glaubt diesen Schwachsinn, dass unter 10 jährige wenig ansteckend sind?
Liebe Verantwortliche, kommt doch gerne mal für einen Tag in eine Integrationsklasse mit 6 SPF Kindern und arbeitet mit!
Was steht an erster Stelle? Bildungsauftrag, Einhaltung der Covid Maßnahmen, Fieber messen, sich erbrechende Kinder auf die Toilette bringen, Eltern informieren........etc.?
Geht's noch?!!!!
Kranke Kinder haben in Schulen und Kindergärten nichts verloren!!!
Die Hoffnung stirbt zuletzt, ich hoffe dieser Artikel ist ein verfrühter Scherz zum morgigen Faschingsbeginn.

gb355
0
10
Lesenswert?

na ja..

schon einmal daran gedacht, dass es oft heißt:
eine........übergangen, deswegen
Herzmuskelentzündung, HRSt., Lungenentzündung.........etc.
dies gilt doch auch für Kinder, oder???

Stratusin
1
9
Lesenswert?

Aktuell,

nächste Woche wird man auf 38,5. erhöhen, oder wie?

tartaruga
1
25
Lesenswert?

Arme Kinder!

Mit Schnupfen, Husten und Kopfweh in die Schule geschickt, Leistungsdruck ohne Ende. Auch ohne Covid schlimm.

ags143
2
35
Lesenswert?

Gratulation an die Kleine Zeitung!

Anscheinend wurde mit Herrn Wagner der erste (oder letzte) Experte in Österreich ausfindig gemacht, der seinen Hausverstand noch nicht abgegeben hat.
Kranke Kinder gehören nicht in die Schule oder in den Kindergarten.
Und wenn auch die Symptome in diesen Gruppen tendenziell schwächer auftreten, so ist ist die bewusste Weiterverbreitung von Viren durch die Beschickung von Betreuungseinrichtungen mit offensichtlich kranken Kindern wahrlich nicht das beste Mittel zur Eindämmung einer Pandemie.
Ganz zu schweigen davon, dass auch Kinder die nicht offensichtlich krank sind aber Kontakt mit kranken oder bereits positiv getesteten Erwachsenen haben, das Virus in die Klassen tragen und so weiterverbreiten.

Ogolius
1
29
Lesenswert?

Schön langsam..,

... bekommt man das Gefühl, die gesamte Situation wird lächerlich und gleitet den sogenannten Verantwortlichen aus den Händen 😳 irgendwie orientierungslos ....alles nur mehr Horuckaktionen! Wann Eltern ihre Kinder mit Symptomen in die Schule schicken oder nicht, werden wohl die Erziehungsberechtigten noch selbst entscheiden können - da braucht‘s wohl keine Richtlinien aus der Obrigkeit. Alles nicht mehr vertrauenserweckend 🤔
Interessant ist es auch, dass die älteren Unterrichtenden und jetzt auch die pensionierten Lehrkräfte (alle aufgrund des Alters beim ersten Lockdown als gefährdet betrachtet) wie das „letzte Aufgebot“ zum Job gerufen werden.

erstdenkendannsprechen
1
21
Lesenswert?

ich kann ihnen versichern, dass viele erziehungsberechtigte das nicht entscheiden können.

letzte grippewelle waren in den klassen meiner kinder nicht nur einmal kinder, die trotzd fieber, kopfschmerzen usw. einfach in die schule geschickt wurden.
und nein - das sind nicht jene kinder, bei denen keiner für die betreuung zur verfügung stehen würde (mädchen, mutter gute bekannte zuhause, weil noch ein kleines kind. kind wird drei tage in die schule geschickt, kann dem unterricht nicht folgen, lehrerin ruft mutter an - am ersten tag kommt sie das kind holen, als der unterricht aus ist, die nächsten zwei tage hebt sie einfach nicht ab. dann war wochenende).

OE39
7
31
Lesenswert?

Verdacht

Schön langsam habe ich den Verdacht, man "züchtet" absichtlich kranke Kinder heran. Lüften in den Klassen bis den Kindern den ganzen Unterricht lang kalt ist, wartende Mütter mit kranken Kindern vor der Grazer Kinderabteilung im Regen stehen lassen, Kinder verschwitzt nach dem Unterricht ohne Umziehen nach Hause gehen lassen, in der Früh in überfüllten Verkehrsmitteln zu Schule schicken. Und wenn man bis 37,9° hat empfehlen, in die Schule zu gehen und alle anderen anstecken und sich selbst schwächen. Alle darunter werden jetzt wieder wie früher als Schulschwänzer eingestuft. Vor ein paar Wochen waren sie noch "Gefährder". Da rede ich noch gar nicht von den fehlenden Freizeitmöglichkeiten und Sportaktivitäten. Meine obergscheiten Experten: Geht's noch?? Manchmal wäre es wirklich besser, einfach nur zu schweigen und den Menschen (Eltern) selbst die Verantwortung zu überlassen, als sich täglich mit irgendwelchen sinnlosen Schlagzeilen in Erinnerung zu rufen.

lombok
1
3
Lesenswert?

@OE39

Besser kann man es nicht beschreiben.

pietrok5
0
73
Lesenswert?

Kinder mit 37,9 Temperatur

und "banalen" Atemwegsinfekten werden von mir jedenfalls NICHT in die Schule geschickt. Weil ich erstens ein krankes Kind nicht aus dem Haus schicke, und weil zweitens ein verantwortungsvoller Lehrer dieses Kind wieder abholen lässt !

CloneOne
21
15
Lesenswert?

RudiRatlos

haut noch einen raus. Bitte geben Sie nur Empfehlungen ab wovon Sie was verstehen....irgendwas wirds schon sein, aber dieser Ministerposten ist nichts für Sie. Ich empfehle Sie gerne in eine Baumschule in der Nähe als Lehrer.

RonaldMessics
1
26
Lesenswert?

Täte...

...ich nicht, aber es muss eh jeder selbst entscheiden. Clever ist was anderes.

Bodensee
0
5
Lesenswert?

sind denn jetzt alle verrückt geworden?

wenn Kinder sich krank fühlen, dann haben sie in der Schule nichts verloren. Das müssen auch deren hysterischen "böööööan aut"-Mamis einsehen und sich gefälligst selbst um die Kinder kümmern. Wenn diese keine Zeit und/oder kein Geld für Kinder haben, dann sollen sie gefälligst keine in die Welt setzen.

selbstdenker70
4
51
Lesenswert?

...

Geht's noch? Es wird diskutiert ob Schulen geschlossen werden, und zugleich kommt die Empfehlung, Kinder bis 38 Grad Fieber in die Schule zu schicken. Anschober, nicht böse sein, aber jetzt versagt dein Ministerium, und du als Minister, total.

madmote
0
64
Lesenswert?

Naja -

"Kinder mit leichten Symptomen, wie etwa Husten, Schnupfen, Atemwegssymptomen, jeweils ohne Fieber (d.h. Körpertemperatur unter 38°C), müssen nicht der Schule fernbleiben und gelten auch nicht als COVID-19-Verdachtsfall"

Wenn mein Kind solche Symptome hat, würd ich es trotzdem sicherheitshalber einen Tag daheim lassen, wenns irgendwie geht, sagt einem der Hausverstand.

Patriot
0
65
Lesenswert?

Saudumme, verantwortungslose Empfehlung!

.

Klgfter
0
51
Lesenswert?

ach kommts .....

38,2 °C gehn schon - oder ?

also es wird langsam lächerlich !

lombok
0
59
Lesenswert?

Wir sind als Eltern mündig genug!

Wir wissen, wann wir unserr Kids nicht mehr in die Schule schicken. Und wir wissen auch, dass wir sicher NICHT zuwarten, bis unsere Kinder 38 Grad (!!!) haben.