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Doch mehr als nur der DosenöffnerIst der Besitzer aus dem Haus, leiden auch Katzen - zumindest manche

Laut der Studie brasilianischer Wissenschafter legt gut ein Zehntel der Katzen in Abwesenheit ihres Dosenöffners Verhaltensauffälligkeiten an den Tag.

© soupstock/stock.adobe.com
 

Katzen gelten als Einzelgänger, die ihre Halter lediglich als Dosenöffner sehen. Doch mehr und mehr Studien belegen, dass die Tiere tiefe Bindungen zu ihren Menschen aufbauen und leiden, wenn sie allein gelassen werden. Brasilianische Forscher berichten nun im Fachblatt "PLOS ONE" über eine Studie, in der gut ein Zehntel der Katzen in Abwesenheit der Halter Verhaltensauffälligkeiten zeigten.

Dass Einsamkeit zu Verhaltensstörungen führen kann, ist für Hunde bereits hinreichend nachgewiesen. Für Katzen steht die Forschung noch am Anfang. Doch eine wachsende Zahl an Studien legt nahe, dass die Tiere wesentlich beziehungsfähiger sind als bisher angenommen. So zeigte ein US-amerikanisches Experiment kürzlich, dass die Stubentiger deutlich entspannter und mutiger waren, befanden sich ihre Bezugspersonen im gleichen Raum (siehe Infobox unten). Bereits zuvor hatte eine schwedische Studie ergeben, dass Katzen umso mehr Kontakt zu ihren Haltern suchten, je länger sie allein gelassen wurden.

Ein Team um die Zoologin Daiana de Souza Machado von der brasilianischen Universidade Federal de Juiz de Fora entwickelte nun einen Fragebogen, mit dem Angaben zu den Haltern und deren Tieren erfasst wurden, zudem bestimmte Verhaltensweisen der Katzen in Abwesenheit ihrer Besitzer und deren Lebensbedingungen. Insgesamt nahmen 130 Katzenhalter an der Studie teil: Da pro Tier ein Fragebogen ausgefüllt wurde, konnten die Wissenschafter 223 Bögen statistisch auswerten.

Das Ergebnis: 30 der 223 Katzen (13,5 Prozent) erfüllten mindestens eines der Kriterien, die trennungsbedingte Probleme nahelegen. Am häufigsten wurde von destruktivem Verhalten der Tiere in Abwesenheit ihrer Halter berichtet (20 Fälle), 19 der Katzen miauten exzessiv, wurden sie allein gelassen. 18 urinierten außerhalb ihres Katzenklos, 16 zeigten sich depressiv-apathisch, elf aggressiv, ebenso viele ängstlich und unruhig, und sieben verrichteten ihre Notdurft an verbotenen Stellen.

Die Verhaltensauffälligkeiten scheinen dabei mit der jeweiligen Haushaltsstruktur zusammenzuhängen: Negativ wirkte sich zum Beispiel aus, wenn die Katzen kein Spielzeug zur Verfügung hatten und/oder keine anderen Tiere mit im Haushalt lebten.

Die Forscher betonen allerdings auch, dass ihre Untersuchung auf den Angaben der Katzenhalter beruht: Diese könnten zum Beispiel das natürliche Kratzen auf Oberflächen als Verhaltensauffälligkeit ihrer Tiere missdeuten. Das Urinieren außerhalb des Katzenklos könnte zudem normales Markierverhalten sein, während Apathie einfach der Tatsache geschuldet sein könnte, dass die Stubentiger meist nachtaktiv sind. Entsprechend sehen die Autoren ihre Studie auch nur als Ausgangspunkt für weitere Forschung, sind sich aber jetzt schon sicher: "Katzen können als Sozialpartner für ihre Besitzer angesehen werden und umgekehrt."

Experiment an der Oregon State University

Katzen binden sich auf ähnliche Weise an ihre menschlichen Bezugspersonen wie kleine Kinder an ihre Eltern. Das zeigten Forscher um Kristyn Vitale von der US-amerikanischen Oregon State University in Corvallis mit einem Versuch, der in seinem Aufbau den klassischen Studien zur Eltern-Kind-Bindung nachempfunden ist. Sie schildern ihn im Journal "Current Biology".

Statt Kleinkindern und ihren Müttern wurden für die Studie aber junge Katzen und ihre Besitzer beobachtet. 79 Kätzchen im Alter von drei bis acht Monaten und ihre Halter nahmen an der Studie teil. Die Besitzer mussten ihre Katze jeweils in einen durch Kameras überwachten Raum mitnehmen, in dem sie zunächst zwei Minuten mit dem Tier zusammen waren, dann aber allein hinausgingen. Anschließend war die Katze zwei Minuten lang in dem Raum allein. Danach kehrte der Besitzer zurück.

Die Forscher stellten daraufhin bei den Katzen vier klar unterscheidbare und schon von anderen Arten bekannte Bindungsstile fest. Bei vielen Katzen ließ der Stress durch die Rückkehr der Besitzer sofort nach; sie suchten nach der Trennung die Nähe des Besitzers und erkundeten dann weiter den Raum. Dies wurde in der Studie wie bei anderen Spezies als "sichere Bindung" bezeichnet. Andere Katzen waren nach der Rückkehr des Besitzers weiterhin ängstlich und verhielten sich besonders anklammernd - dies wurde als "unsicher-ambivalente Bindung" bezeichnet. Wieder andere zollten dem rückkehrenden Besitzer wenig Beachtung ("unsicher-vermeidende Bindung"). Bei einer vierten Gruppe schienen die Gefühle im Widerstreit zwischen dem Wunsch nach Nähe und nach Vermeidung zu sein ("desorganisierte Bindung").

Ein Verhaltensmuster - das erste unter den geschilderten - wurde somit als Ausdruck einer sicheren Bindung an den Besitzer klassifiziert, drei andere Verhaltensmuster als Ausdruck einer unsicheren Bindung. Insgesamt waren 64,3 Prozent der jungen Katzen sicher, 35,7 Prozent unsicher gebunden. Auch bei menschlichen Kindern sind 65 Prozent Studien zufolge sicher gebunden.

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