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Blitzschlag am BergExperten raten zu genauer Tourenplanung

Sowohl online als auch offline gibt es "Mittel zur Risikominimierung" im alpinen Raum.

 

Experten aus dem Bereich der alpinen Sicherheit und der Blitzforschung sind sich einig, dass eine exakte Tourenplanung das beste Mittel ist, um im alpinen Gelände nicht von Gewittern und Blitzen überrascht zu werden. "Dazu gehört es, sich zwei bis drei Tage vorher den Wetterbericht anzusehen", erklärte der Präsident des Kuratoriums für Alpine Sicherheit, Peter Paal.

Ab Mittag passiert am meisten

Auch den Zeitraum des Bergausfluges müsse man genau planen, meinte Paal weiter. "Ratsam ist es jedenfalls bis Mittag in der Schutzhütte zu sein", betonte der Sicherheitsexperte. Dem schloss sich auch Wolfgang Schulz, technischer Leiter bei ALDIS (Austrian Lightning Detection and Information System) an: "Vor allem im Sommer sollte man zeitig anfangen". Außer bei einer sehr stabilen Wetterlage sei es am Nachmittag etwa für Einstiege bereits zu spät. Statistisch gesehen, passiere ab Mittag am meisten, konstatierte Paal.

Wandern: Die fünf besten Tipps

Ausdauer, Kraft und Gleichgewicht sind die Basis für ein gelungenes Wandervergnügen. Diese Fähigkeiten sollten bereits vor und nicht erst während der Bergtour trainiert werden. Vor jeder Bergtour sollte die Verfassung und Bergerfahrung aller Teilnehmer – insbesondere teilnehmender Kinder – realistisch eingeschätzt werden. Danach richten sich die Länge und der Schwierigkeitsgrad der Tour.

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Im Vorfeld möglichst detaillierte Informationen über die geplante Tour sammeln – sei es aus Karten, Tourenführern oder Tourenberichten im Internet. Vor der Tour die aktuelle Wetterprognose einholen und die tagesaktuelle Entwicklung laufend beobachten. Möglichst nicht alleine auf Tour gehen. Ein Angehöriger oder eine Vertrauensperson sollten über den voraussichtlichen Verlauf und die Dauer der Tour informiert sein.

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Besondere Vorsicht sollte man im freien Gelände und abseits der gekennzeichneten Wege walten lassen – hier passiert der Großteil der Unfälle. Ausrutschen ist eine besonders häufige Unfallursache. Insbesondere beim Abstieg kleine, kontrollierte Schritte machen.

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Im Notfall den Alpin-Notruf 140 oder die Euro-Notrufnummer 112 wählen. Unfallgeschehen und -ort möglichst genau schildern. Ruhe bewahren, den Anweisungen folgen und am Unfallort warten, bis Hilfe eintrifft. Wenn Sie keinen Empfang haben und der Notruf nicht verbunden wurde: Handy aus- und wieder einschalten. Statt des PIN-Codes die Nummer 112 eingeben. Das Mobiltelefon sucht automatisch das Mobilfunknetz mit dem besten Empfang und stellt die Verbindung zur nächsten Sicherheitszentrale her.

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Nicht das gesamte alpine Gelände ist durch Mobilfunknetze abgedeckt - und auch der Handyakku kann im Bedarfsfall leer sein. Es empfiehlt sich daher, stets auch eine Triller- oder Signalpfeife und optische Signalmittel mitzuführen. Das alpine Notsignal besteht aus optischen und/oder akustischen Signalen beliebiger Art, welche in regelmäßigen Abständen sechs Mal in der Minute abgesetzt werden. Es wird nach einer Minute Pause in gleicher Folge wiederholt. Retter reagieren mit dem Antwortsignal – drei Zeichen pro Minute. Auch wenn Sie Antwort erhalten - stoppen Sie das Notsignal nicht, bis die Retter Ihren tatsächlichen Aufenthaltsort kennen.

KFV
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Generell gelte es laut Schulz nicht nur im Vorfeld den Wetterbericht zu lesen, sondern auch die aktuellen Entwicklungen im Auge zu behalten. "Wir haben beispielsweise eine App, bei der alle aktuellen Gewitter angezeigt werden", so Schulz. Auf dem Berg sei es also ratsam, neben einer ausgiebigen Vorab-Information in Bezug auf das Wetter, "offline und online" zu beobachten. "Falls am Berg Internet vorhanden ist, sollte man die Entwicklungen via App im Blick behalten und auch das Himmelsbild ganz genau beobachten", empfahl er.

Klettersteige besonder gefährlich

Bei "verdächtigem Himmelsbild" oder gar bei Donner sollte man laut Schulz "die Tour abbrechen und schnellstmöglich Schutz" suchen. Dazu eignen sich sowohl eine Hütte oder auch das eigene Auto. Besonders gefährlich bei Gewittern seien hingegen, wie Schulz und Paal unisono anmerkten, die Klettersteige. "Dort wird es schon gefährlich, wenn es regnet", strich Schulz heraus. "Man muss sich auch bewusst sein, dass die Metallanlagen bei einem Klettersteig Strom leiten", ergänzte Paal. Ganz generell gelte im Falle von Gewitter und Blitzen "weg von allen Metallen", hielt Paal fest.

Trotz der vorhandenen technischen Mittel und den an sich einfachen Regeln komme es aber immer wieder zu "Leichtsinn", wie Paal betonte. "Man muss da einfach klarmachen, dass der Berg keine Spielweise oder Sporthalle ist", meinte der Kuratoriumspräsident. Die "objektiven Gefahren am Berg" würden oft zu wenig wahrgenommen. Nicht nur Touristen, die "womöglich die Links nicht kennen", unter denen man sich "lokal über die Wettersituation informieren kann", sondern auch die Einheimischen nahm Schulz diesbezüglich ins Visier. "Die Haltung, dass man die Tour ohnehin gut kennt, kann zu Leichtsinnigkeit führen", meinte Schulz.

 

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