Wasserrettung Baywatch am Klopeinersee

Er kennt kein Tempolimit: Der Einsatz von Wasserretter Jürgen Honorius Haim ist freiwillig – und hollywoodreif.

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Wasserrettung Klopein, Jürgen Haim
Wasserrettung Klopein, Jürgen Haim © (c) © Helmut Lunghammer (HELMUT LUNGHAMMER Helmut Lunghammer)
 

Den Begriff Freizeit könnte man im Falle von Jürgen Honorius Haim neu interpretieren: Er hat beide Hände frei und Zeit, um anderen zu helfen. So wie an diesem grauen Tag, in den er nicht zuletzt mit seinem herzhaften Lachen und seiner quietschgelben Weste Farbe bringt. Andere mögen dem 51-Jährigen aus Moos bei Bleiburg, der seit 36 Jahren in seiner Freizeit bei der Wasserrettung Klopeinersee Dienst schiebt, vielleicht ein Helfersyndrom attestieren, er selbst nennt es Berufung. „Es kann nicht jeder helfen. Ich will einfach, dass die Leute die Menschlichkeit nicht vergessen. Es soll jemand da sein, der ohne Bedingungen hilft.“ Deswegen darf man sich auch nicht wundern, wenn man den Wasserretter nach seinem Brotberuf fragt. Der gelernte Maler, Anstreicher, Tapezierer und Bodenverleger ist nämlich über Umwege über Bundesheer und ÖBB beim Roten Kreuz Völkermarkt als Notfallsanitäter gelandet.

Realitätscheck

1. Wasserretter sind Frauenhelden.
„Da müssen Sie die Frauen fragen.“
2. Braun gebrannt, Goldkette, Brusthaar ... Wasserretter achten bei der Arbeit auch auf ihre Optik.
„Vor Jahren hatte ich Locken und trug eine Goldkette. Aber nur, weil es damals angesagt war.“
3. Wasserretter posen ja nur und können gar nicht schwimmen.
„Jeder, der bei uns einen Retterkurs macht, sagt danach: Jetzt weiß ich erst, was ihr im Wasser leistet.“

Während also die ersten Badegäste an diesem trüben Tag misstrauisch die Zehen ins Nass tunken, berichtet der 51-Jährige von langen Tagen am See und alten Klischees. „Die meisten glauben ja, dass wir in der Sonne liegen, viel Sonnencreme verbrauchen und zwischendurch einmal mit dem Motorboot spazieren fahren.“ Ganz so ist es dann doch wieder nicht. Dienstbeginn ist für die Wasserretter von der Dienststelle Klopeinersee I/7 um 9 Uhr. Das Team besteht aus mindestens vier Wasserrettern – einem Bootsführer, zwei Tauchern und einem Rettungsschwimmer. Dann wird die Fahne gehisst, Gerätschaften und Sanitätsmaterialien geprüft sowie der Defibrillator kontrolliert.

Potpourri des menschlichen Leichtsinns

Schließlich geht es darum, für die kleinen und großen Katastrophen gewappnet zu sein. Meist handelt es sich dabei um ein buntes Potpourri menschlichen Leichtsinns – von juvenilem Übermut bishin zu seniler Selbstüberschätzung ist alles dabei. „Wenn man alleine schwimmen geht, sollte man immer ein Luftkissen mitnehmen, falls einem die Kraft ausgehen sollte. Außerdem ist man auch für Bootsfahrer besser sichtbar“, sagt Haim, der schon wieder voll und ganz in seiner Rolle als Wasserretter aufgeht.

Die Hitparade des Sommers am See: Holzsplitter in Fußsohlen, Schnittwunden, Brüche, gekenterte Tretboote, Surfer, denen am See die Kraft ausgeht, Sonnenstich und Hitzekollaps. „Bei Hitzewellen befinden sich die Menschen im Ausnahmezustand“, sagt Jürgen Honorius Haim, dessen Vater bereits Bademeister im Freibad Bleiburg war. „Er hat es mir vorgelebt, dass Freizeit nicht bedeutet, dass man nur seinen eigenen Interessen nachgeht.“ Aber auch Gewitter und Stürme lassen die Wasserretter regelmäßig ausrücken, wenn es ungemütlich wird. „Heuer hatten wir schon 40 Sturmwarnungen.“ Der Dienst endet normalerweise um 18 Uhr, außer es handelt sich um einen besonders schönen Badetag, dann machen der Wasserretter und seine Kollegen gerne auch länger.

Wie viele Leben der 51-Jährige bereits gerettet hat, hat er nicht zusammengezählt. Anders als beim lockenköpfigen Serienkompagnon geht aber nicht jeder Notfall gut aus. Wie bei einem Fall im Vorjahr, dafür gibt es dann geschulte Peers im Team. „Es ist wichtig, sich solche Dinge von der Seele zu reden“, erklärt der zweifache Opa, der heuer schon 90 Kindern das Schwimmen beigebracht hat. „Ich will schon helfen, bevor etwas passiert.“ Eindeutig: Berufung.

Zur Person

Jürgen Honorius Haim (51) ist Notfallsanitäter beim Roten Kreuz im Bezirk Völkermarkt und engagiert sich seit 35 Jahren auf freiwilliger Basis bei der Wasserrettung.
Wasserretter werden: Informationen zu den
verschiedenen Ausbildungen gibt es online unter
www.owr.at/ausbildung

 

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