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Fluch der KaribikFaule Eier im Paradies: Sargassum als Geißel für Ökosysteme und Tourismus

Tonnen von Braunalgen schwappen an die Strände von Mexiko, Florida und den karibischen Inseln. Und die Flut reißt nicht ab. Woher die Algen kommen und wie man ihnen Herr werden will.

Sargassum bedroht Ökosysteme an Traumstränden der Karibik © (c) sborisov - stock.adobe.com (Sergey Borisov)
 

Ein junges Pärchen freut sich auf den Urlaub in Mahahual an der Costa Maya in Mexiko. Mit Badetüchern und Lesestoff bummelt es Hand in Hand an den Strand. Doch statt türkisem Meer und weißem Traumstrand erwartet sie die braune Plage - Sargassum. Die Strandliegen sind leer, drei Arbeiter stehen auf getrockneten braunen Algen, schaufeln unter der sengenden Sonne Berge davon in Scheibtruhen. Eine Sisiphos-Arbeit, denn jeden Tag wird neues Sargassum angeschwemmt. Am Ufer ist der Gestank der sich zersetzenden Alge nach faulen Eiern allgegenwärtig.

Sargassum macht dem Tourismus in der Karibik schwer zu schaffen. Schon vor mehr als 2000 Jahren kannte man verwobene Braunalgen aus der Sargassosee - sie gaben dem Teil des Atlantiks seinen Namen. Doch die Teppiche, die seit 2014 verstärkt Kurs auf die Urlaubsparadiese nehmen, sollen eine Begleiterscheinung der globalen Erwärmung, der Abholzung der Regenwälder Brasiliens (Düngemittel aus der Landwirtschaft) oder eine Kombination aus beidem sein. Genau weiß man das noch nicht.

Urspung Brasilien

Fest steht, dass die Braunalgenmassen im tropischen Atlantik südlich der Amazonasmündung ihren Ursprung haben. In riesigen Teppichen werden sie von den Küsten Südamerikas mit den Meeresströmungen Richtung Karibik, Mexiko und Florida geschwemmt. Sie sind vom Flugzeug aus zu sehen, wegen des spezifischen Farbspektrums sogar vom Weltall aus.  Wenn man sie nicht vor den Küsten stoppen kann, hat man ein Problem. Bis jetzt gibt es noch keine endgültige Lösung, denn viele Strände haben zur Freude der Touristen ein Riff vorgelagert, deshalb lassen sich etwa angedachte Barrieren nicht realisieren. Und das Problem wäre damit nur aufgeschoben.

Sargassum-Schwemme: Braune statt weiße Strände

Sargassum

Eine Braunalge bedroht derzeit Ökosysteme und Tourismus an den weißen Stränden der Karibik. Sie ist nicht giftig, trägt aber manchmal Schwermetalle mit sich. Ärgerlich ist für Touristen vor allem die braune Brühe statt dem erwarteten  Türkisblau des Meeres in Küstennähe und der Gestank nach faulen Eiern, wenn sie sich zersetzt.

(c) F-Stop Boy - stock.adobe.com (Shaun Taylor)

Teppiche

Ihre Reise treten die Braunalgen im tropischen Atlantik südlich des Amazonasbeckens an. Meeresströmungen treiben sie übers offene Meer an die Küsten der Karibik.

(c) APA/AFP/HELENE VALENZUELA (HELENE VALENZUELA)

Licht

Treffen die Algenteppiche auf die Küste, zersetzen sie sich. Sie nehmen Meereslebewesen Licht und Sauerstoff, Ökosysteme drohen zu kippen.

(c) APA/AFP/HELENE VALENZUELA (HELENE VALENZUELA)

Plage

Seit etwa zehn Jahren werden die Karibik und auch Teile der Küsten Westafrikas verstärkt von Sargassum heimgesucht.

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Geruch

Der Zersetzungsprozess findet im Wasser statt, an Land trocknet die Alge. Wird sie an Land geschwemmt, stört sie  vielleicht das Auge, verströmt aber keinen störenden Geruch.

(c) sborisov - stock.adobe.com (Sergey Borisov)

Korallenriffe

Braunalgen in solchen Massen können auch das ökologische Gleichgewicht von Korallenriffen verändern.

(c) travelphotos - stock.adobe.com

Arbeitsplätze

Viele Arbeitsplätze sind vom Tourismus abhängig. Wer eine Reise in die Karibik geplant hat, sollte sich vorab erkundigen, ob der bevorzugte Urlaubsort überhaupt betroffen ist oder wie man das Problem vor Ort löst. Mahahual in Mexiko etwa ist zweigeteilt - auf der einen Seite wird kräftig geschaufelt, auf der anderen erst damit begonnen.

(c) Irina - stock.adobe.com (Klyuchnikova)

1 Million

Eine Million Tonnen Braunalgen werden heuer an den Stränden Mexikos erwartet.

(c) sborisov - stock.adobe.com (Sergey Borisov)

Entsorgung

Vielerorts werden LKW-Ladungen voller Braunalgen auf Sammelplätzen abgeladen. So bleiben die Urlauber vor der Plage verschont. Manche Orte trifft es - je nach Meeresströmung - stärker, andere wiederum gar nicht.

(c) Eder - stock.adobe.com
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Der Strom reißt nicht ab

Seit 2014 habe sich die Zahl der Braunalgen an den Stränden von Quintana Roo, Mexiko, in etwa verdoppelt, sagen Experten. Für 2019 sagt man nun die fünffache Menge von 2018 voraus. Auf offener See treiben die Braunalgenteppiche mit der Meeresströmung dahin, gasgefüllte kleine Blasen halten sie an der Wasseroberfläche. Stranden sie, nehmen sie den Meereslebewesen, die an den Küstenabschnitten heimisch sind, Licht und Sauerstoff. Seegraswiesen sterben ab, Fische, Krebse, Säugetiere verenden, ganze Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht.

Entsorgung schwierig

Die Algen sind teils mit Schwermetallen und Schadstoffen belastet, außerdem angereichert mit Salz und Jod, deshalb eignen sie sich kaum als Tierfutter oder Dünger. Derzeit kipprt man Tonnen von Algen noch ins Dickicht, auf dass sie schnell verrotten. Tests werden in Mexiko nun im Bereich Baustoffe durchgeführt.

 

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