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Erste Pistenbully-FahrerinAuf dieser Piste ist eine Frau am Steuer

Seilbahntechnikerin Lisa Bachler ist die einzige Pistenraupenfahrerin des Landes. Über die etwas anderen Träume in Weiß und ihren Arbeitsalltag mit Herz, Hirn und Firn.

Reiteralm, Schladming
© © Helmut Lunghammer
 

So sieht es aus, das Finale Grande. Mit robuster Routine fressen sich die Walzen des roten Ungetüms den Zielhang einer noch schlaftrunkenen Reiteralm hoch. Das Thermometer zeigt glasklare minus acht Grad. Der Skitag hat für die meisten Gäste noch nicht einmal am Hotelbuffet begonnen. Währenddessen sitzt Lisa Bachler schon an ihrem Joystick und würde nicht einmal im Traum mit all jenen tauschen, die sich jetzt noch einmal den Polsterzipf ins Gesicht ziehen. Während sich ihr „Burli“ der ersten Kuppe nähert, kommt die Fahrerin ins Schwärmen.

Abenteuerlustiger Kässbohrer

Wie immer, wenn es um Herzensangelegenheiten und andere Maschinen geht, gilt: Die inneren Werte zählen. Und „Burli“ muss in dieser Hinsicht nicht hinterm Berg halten. Hätte er seine Liebe fürs Leben nicht schon gefunden, würde in seiner Kontaktanzeige stehen: Abenteuerlustiger Kässbohrer mit Hang zum Abhang, 510 PS, elf Tonnen schwer sucht Lenkerin fürs Leben. Gaspedal - vorhanden. Bremse - Fehlanzeige.

Während die Beifahrerin Rückschlüsse von fehlenden Bremsen und Pistennamen wie Finale Grande zieht, genießt Frau am Steuer die Aussicht. In der Ruhe liegt die Kraft. Oder eben in „Burli“.

Seit November 2018 ist die 21-jährige Ramsauerin Lisa Bachler fester Bestandteil der Pistencrew auf der Reiteralm, die hier für 33 Pistenkilometer verantwortlich zeichnet, und bringt damit einen Schuss Östrogen in die Männerrunde. „Mich haben alle unterstützt, weil sie gemerkt haben, dass ich das wirklich will. Außerdem haben Frauen mehr Feingefühl und das kann beim Präparieren helfen“, sagt sie in der wohldosierten Art jener, die in den Bergen groß werden. Unterstützt wurde Lisa auch von ihrer Mutter, die das Interesse an Maschinen mit ihrer Tochter teilt - sie sitzt unterm Lift an der Kasse. Zuerst besuchte die heute 21-Jährige die Landwirtschaftliche Fachschule in Oberalm. Nicht etwa, weil sie einen Bauernhof zu Hause hätten - „nein, wegen der Maschinen“. Im Juni 2015 beginnt sie bei der Reiteralm die Lehre zur Seilbahntechnikerin. Und schon bald wird sie zum Dauergast in Daniel Berchthallers Büro, seines Zeichens Chef der Reiteralm. „Sie wollte mit dem Pistengerät fahren. Ich habe ihr gesagt, dass sie fahren darf, wenn sie die Lehrabschlussprüfung schafft.“

"Jetzt fährst du"

Gesagt, getan, bestanden. Nach einigen Ausfahrten am Beifahrersitz drückte ihr der Kollege dann das Steuer in die Hand und sagte: „Jetzt fährst du.“ Danach war schnell klar, dass Lisa nichts anderes mehr machen will. Seither arbeitet sie - je nach Witterungs- und Schneeverhältnissen - meist von 16 Uhr bis Mitternacht. Ihr Revier ist die „5er“, die Holzerabfahrt. Mithilfe von „Burlis Ohrwascheln“, auch „Seitenfinisher“ genannt, und der Schneehöhenmessung deckt sie das Galadinner für Skifeinschmecker. Besonders schwer sei das, wenn der Schnee hart ist. „Wenn es schwierig ist, dann fange ich an, zu singen“, sagt die Perfektionistin, die selbst selten auf Ski anzutreffen ist.

Reiteralm, Schladming
Foto © © Helmut Lunghammer
„Mein Opa hatte eine Skischule, aber mir gefällt es in der Pistenraupe besser.“ Kälte, Dunkelheit, Nebel oder Schneesturm - Lisas Platz ist am Joystick ihrer „Maschin'“. Wer glaubt, dass sie im Sommer eine ruhigere Kugel schiebt, liegt falsch.

"Beautytag mit Burli"

In der Sommerrevision müssen elf Pistengeräte wieder auf Vordermann gebracht, Schläuche getauscht oder Risse verschweißt werden. „Das mache ich bei meiner Maschine am liebsten selbst.“ Genauso, wie sie immer wieder einen „Beautytag“ mit „Burli“ einlegt. „Ich hasse es, wenn jemand den Sitz verstellt oder Unordnung macht“, lacht sie, während sie das Gerät wendet und es in Richtung Talabfahrt geht - 65 Prozent Gefälle - und das Körpergewicht zunehmend von den Gurten getragen wird.

Reiteralm, Schladming
Foto © © Helmut Lunghammer
Privat fährt Lisa ein kleines Auto - 70 PS. „Da kommt mir das Gaspedal immer so klein vor.“ Sie gibt sich aber auch mit weniger PS zufrieden. Eine Pferdestärke namens Zeus ist in der Schladminger Reitsportarena eingestellt. „Ich brauche exakt sieben Minuten von daheim bis in den Stall.“

Information

Seit Herbst 2008 kann man sich in Seilbahnbetrieben in einer dreieinhalbjährigen Ausbildung zum Seilbahntechniker ausbilden lassen. Im Zentrum stehen Seilbahn- und Elektrotechnik, aber auch die Bereiche Umwelt und Natur.