Die allerletzten Karten werden noch ausgezählt. Schon Sonntagabend aber zeichnete sich ab, dass die Diagonale 2016 mit rekordverdächtigem Besucherzuwachs rechnen darf. Das verriet Co-Festivalleiter Peter Schernhuber beim Screening des beliebtesten Festivalfilms im Grazer Schubertkino. Auch dabei gab es einen Rekord zu vermelden: 2138 Diagonale-Besucher haben sich an der Wahl zum Publikumspreis der Kleinen Zeitung beteiligt, aus den 25 nominierten Filmen ging zum Festivalfinale die Doku "Kinders" von Arash und Arman Riahi als verdienter Sieger hervor.

 

Die Brüder, die erst spätnachts von ihrem Preis erfahren hatten ("Sonst wären wir längst schon daheim in Wien"), dankten "der größten Jury der Stadt, die die beste Entscheidung getroffen hat". Und stellten ihren Film gemeinsam mit einigen ihrer Hauptdarsteller vor: "Kinders" erzählt von Kindern in problematischen Lebensumständen - und wie ihnen die Musik hilft, diese zu meistern. Das Musikförderprojekt "((superar))" geht von der Idee aus, dass die (kostenlose) musikalische Ausbildung die Persönlichkeit stärkt, Kreativität, Kommunikation und Leistungsbereitschaft fördert - durch Singen im Chor oder Musizieren im Orchester.

Wie Kinder sich für die Welt öffnen

Die Riahis nähern sich diesem Thema über behutsame und dabei humorvolle Porträts der Teilnehmer: Ariunaa, die den Tod ihres Vaters nicht verwindet, Denise, die eine Krebserkrankung überlebt hat, Denizcan, der nach der Trennung seiner Eltern in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, Nando, der sich gegen rassistische Sprüche wehren muss, Zarina und Tayep, die beide zu scheu sind, ihre Musikalität öffentlich auszudrücken.

In teilweise anrührend gestellt wirkenden Familienszenen, im Musikcamp und bei Chor- und Orchesterproben erlebt man mit, wie sich die Kinder der Kamera und der Welt öffnen. Am Ende wundert man sich nicht über das Großkonzert, das die Kids gemeinsam bewältigen. Sondern darüber, dass es für "Kinders" noch keinen Verleih gibt. Die Riahis, die auch die Filmproduktionsfirma "Golden Girls" betreiben, überlegen nun den Eigenvertrieb. Dann heißt es aber Ausschau halten!