AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Großer Diagonale-Spielfilm-Preis an "Die Vaterlosen"

Am Samstagabend wurden im vollen Grazer Orpheum die Sieger der heurigen Diagonale 2011 geehrt. Marie Kreutzers Langfilm-Erstling kamen allein vier Preise zu.

 

"Ich hab dich in so vielen verschiedenen Rollen gesehen, ob in großem französischem Kino oder in einem TV-Traumhotel in Thailand oder in jener Szene im ,Salzbaron' bei der ich noch jetzt Gänsehaut bekomme, und jetzt als Mutter in den ,Vaterlosen'" sagte ihre Laudatorin, Kollegin und Jurorin Michou Friesz. Und weiter voll kollegialem Respekt: "Es ist unverwechselbar, was du machst, und ich sehe dennoch nie, wie du es machst."

Präsenz

Die erstmals auf einer Diagonale Geehrte sagte gegenüber der Kleinen Zeitung, sie sei überglücklich, zu dieser Zeit ihrer Karriere Bestätigung zu erfahren. Begonnen hatte alles 1993 mit dem TV-Mehrteiler "Der Salzbaron". Mittlerweile ist sie "Tatort"-, "Traumschiff-" etc. geeicht. Und immer wieder hat sie alternative Produktionen, etwa Barbara Alberts "Böse Zellen", durch ihre enorme Präsenz veredelt.

DIE DIAGONALE-PREISE

Große Diagonale-Preise des Landes Steiermark in Kooperation mit der Cinestyria Filmkunst (jeweils 21.000 Euro):

Spielfilm: Marie Kreutzer für "Die Vaterlosen".

Dokumentarfilm: Ivette Löcker für "Nachtschichten".

Beste Schauspielerin: Marion Mitterhammer für "Die Vaterlosen" (6000 Euro).

Bester Schauspieler: Johannes Krisch für "Die Vaterlosen", "Vielleicht in einem anderen Leben" und "Kottan ermittelt: rien ne va plus" (6000 Euro).

VAM Produktionspreis: Dor Filmproduktion für "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" und Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion für "Der Räuber" (je 5000 Euro).

Preis der Jugendjury des Landes Steiermark (6000 Euro): Max Liebich für "You're Out".

Preis Kurzdokumentarfilm der Jury der Diözese Graz-Seckau (4000 Euro): Karl-Heinz Klopf für "They".

Preis Kurzspielfilm von Servus TV (4000 Euro): Umut Dag für "Papa".

Preis Innovatives Kino der Stadt Graz (10.500 Euro): Billy Roisz für "Chiles en Nogada".

Publikumspreis der Kleinen Zeitung: Arman T. Riahi für "Schwarzkopf" (3.000 Euro).

Preis Ausstattung des Verb. der Filmausstatter/innen (jeweils 1500 Euro): Andrea Schratzberger für "Folge mir" und Veronika Albert für "Tag und Nacht".

Preis Bildgestaltung des Verb. der Kameraleute (jeweils 2000 Euro): Leena Koppe für "Die Vaterlosen" und Elfi Mikesch für "Mondo Lux - Die Bilderwelten des Werner Schroeter".

Preis Schnitt des Verbandes aea (jeweils 2000 Euro): Evi Romen für "Mein bester Feind" und Wolfgang Widerhofer für "Abendland".

Zum Besten Schauspieler der heurige Diagonale kürte die Jury Johannes Krisch. Zumal der Burgmime derzeit in mehreren Filmen (auch in den "Vaterlosen") brilliert, wurde seine darstellerische Vielfalt honoriert. Die Lobesworte sprach Franziska Weisz, im Vorjahr selbst Preisträgerin und heuer in der Jury: "Johannes Krisch schöpft aus einem offenbar unendlichen Repertoire an - naja - Kleinigkeiten," sagte sie. Nach jeder Szene mit Krisch würde sie ihn am liebsten um Schauspielunterricht bitten. "Von widerborstig, abgründig, über charmant und verführerisch bis zu atemberaubend verletzlich. Und das nicht nacheinander, sondern gleichzeitig."

Krisch ist Autodidakt und sagte: "Es erfüllt mich mit sehr großer Freude, weil es eine Bestätigung für einen sehr, sehr langen Weg ist, der hoffentlich noch lange weiterführt."

Soviel zu den Preisen der Schauspiel-Jury. Die Diagonale-Juries für Spielfilm und Dokumentation (Vorsitz Philipp Bräuer und Ruth Beckermann) mussten jeweils die Regisseure der Filme küren. Und wieder triumphierten "Die Vaterlosen": Marie Kreutzers Geschichte um erwachsen gewordene Kommunenkinder war in einem alten Gasthof bei Aflenz gedreht und bei der Berlinale uraufgeführt worden.

Geflecht

Bei der Diagonale setzte es nun den ersten großen Preis: "Dass ich ihn gerade hier bekomme, wo alles begann, ist schon sehr schön," meinte die Regisseurin, "noch schöner ist es, dass ich nicht die einzige bin, die für diesen Film ausgezeichnet wird". (Auch Kamerafrau Leena Koppe erhielt einen Preis für ihre Arbeit an den "Vaterlosen".) Die Jury rühmte das "ungemein dichte, nach allen Seiten ausstrahlende Beziehungsgeflecht von Figuren der Gegenwart und Vergangenheit" und "verführerische musikalische Leichtigkeit".

Yvette Löcker wurde für "Nachtschichten" als beste Dokumentaristin ausgezeichnet. Die Jury lobte ihr "Wissen um Schichten und Tiefen" und die zarte Fragilität des Films.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren