Premierenkritik"Doomsday": Lied der letzten Stunde

Der Weltuntergang steht am Programm: Das Planetenparty Prinzip spielt in "Doomsday" mit innen, außen und dem Ende.

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Selig im Musik-Bunker: Nora Köhler, Leonie Bramberger und Alexander Benke. © Planetenparty Prinzip/Clemens Nestroy
 

Die Welt geht unter und die vielleicht letzte Band des Planeten beschließt, in ihrer Studioisolation ein finales Liebeslied zu komponieren. Soweit die Passepartouterzählung und Behauptung von „Doomsday“ (deutsch: Weltuntergang), ein Stück des Planetenparty Prinzips, das im herbst-Rahmenprogramm zu sehen ist.

Die Suppe, die hier gekocht wird, ist nicht dünn, sie ist bloß auf das Wesentliche konzentriert und mit hohem Coolness-Faktor angereichert. Alexander Benke, Nora Köhler und Leonie Bramberger brillieren an wechselnden Instrumenten, während sie nach Melodie und Lyrics suchen. Wie klingt die Apokalypse? Melancholisch oder doch Discobeat, wie soll diese Planetenparty klingen?

Systematisch wird getüftelt, leidenschaftlich gejammt. Findet man bloß die richtigen Worte, wird dann alles gut? Daran glaubt hier niemand. Das schalldichte Exil hat die Protagonisten schrullig gemacht, man versteckt sich, kauert, bewegt sich insektenartig über die Bühne und ist dennoch ohne Weinerlichkeit. Sehend singt man dem Ende entgegen, den Bass spürend, im Beat wippend.

Die Symbolsprache der Regie von Nora Köhler und Alexandra Schmidt ist schnörkellos und liebevoll, reicht vom stattlichen Totenkopf bis zur übergroßen Eieruhr im Bühnenhintergrund. Die Uhr, sie tickt, bis sie aufhört und die große Erzählung, sie findet im musikalischen Erproben ein in seiner Einfachheit imponierendes Gegenüber. Dieses Ende der Welt, es fühlt sich gut an.

Doomsday. Kristallwerk Graz. 22. und 23. September, 20 Uhr. Karten: Tel. 0677 62 421 989. www.planetenparty.at

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