Er ist zurück: zartlila karierter Anzug, gefärbte Haare und mit einem Fuß im Kriminal. Saul Goodman, schillernder Strafverteidiger, der einst in „Breaking Bad“ den Crystal-Meth-Köchen Walter White und Jesse Pinkman mit rechtlichem Rat beiseitestand. Bevor das Drogenduo Goodman das erste Mal konsultiert, klärt Jesse Walter auf: „Wir brauchen keinen Anwalt für Kriminelle. Wir brauchen einen
kriminellen Anwalt.“

„Better Call Saul“ erzählt nach zweijähriger Pause nun wieder die Geschichte, wie aus dem herzensguten Schlawiner und ewigen Underdog Jimmy McGill der schmierige Winkeladvokat Saul Goodman wurde. Bis August wird Netflix die letzte Staffel ziehen, um den Hype anzufachen. Obwohl „Better Call Saul“ einige typische Serienprobleme aufweist (die Handlung zieht sich zuweilen wie der berühmte Strudelteig), war das „Breaking Bad“-Prequel im letzten Drittel von Staffel 5 zu Hochform aufgelaufen: Darin, wie man das Gute will und stets das Böse schafft, darin erteilte schon „Breaking Bad“ eine Lektion, und der Ableger ist auch fantastisch. Bob Odenkirk spielt sich in die Oberliga, Rhea Seehorn, Tony Dalton und Jonathan Banks sind um nichts weniger charismatisch. Es ist eine witzige und spannende Serie um Moral, Bequemlichkeit, Selbstwert und Geltungsdrang.