Mehr als 80.000 Vorbestellungen für das Comeback-Album „Voyage“ sind allein in Großbritannien notiert, meldet das Plattenlabel Polydor - und das in nur drei Tagen seit der Ankündigung. Damit hat das schwedische Kultquartett laut Polydor die Boyband-Helden von Take That mit deren Alben „Progress“ (2010) und „III“ (2014) in den Pre-Order-Schatten gestellt. Im Mutterland des Pop hatten ABBA neun Nummer-eins-Plätze in den Single-Charts bis zur Pause 1982 erreicht. Auch ihre Alben gingen zumeist an die Spitze. Der Hit-Sampler „Gold“, 1992 veröffentlicht, verkaufte – heute schon fast unvorstellbare – 5,6 Millionen Exemplare allein in Großbritannien. Und da auf dem Album auch ein Weihnachtslied enthalten sein wird (mit dem unauffälligen Titel "Little Things"), darf man jetzt schon über einen Xmas-Song-Rekord spekulieren. Bisher gab es eine Neujahrshymne von ABBA ("Happy New Year" von der "Super Trouper"-LP 1980, nie als Single ausgekoppelt).

Und auch wenn die Londoner Konzertarena noch im Bau ist, hat am Dienstag bereits der Ticketverkauf für die Avatar bzw. Abbatar-Show "Voyage" (Premiere im Mai 2022) begonnen. Für das technisch sehr aufwendige Konzert wird ein eigenes Theater auf dem ehemaligen Olympia-Gelände errichtet. Anders als bei bisherigen Konzerten mit Hologrammen von - meist bereits verstorbenen - Künstlern bewegen sich die Abbatare nach dem Vorbild eines vorab im Studio aufgenommenen Konzerts der echten Bandmitglieder Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid. Die Musik wird von einer zehnköpfigen Live-Band gespielt. Der Ticket-Vorverkauf ist ein Schlager: Nach nicht einmal zehn Minuten nach der Online-Reservierungseröffnung wurden bereits 28 weitere Shows bis Oktober 2022 angehängt.

Die erste neue Nummer – „I Still Have Faith in You“ – besingt die alte Freundschaft der Bandmitglieder, ist eine typische sentimentale ABBA-Ballade, die in der Tradition von „The Way Old Friends Do“ von der „Super Trouper“-LP steht. Mit einer gereiften, herzerwärmenden Stimme von Frida. Auch eine Art bzw. würdige Fortsetzung von "I Let The Music Speak" ("Visitors"-Album, 1981, wo sich eine Musical-Zukunft ankündigt).
„Don’t Shut Me Down“ wiederum ist Zuckerstange und Lángos – und hätte auch schon gleich im Anschluss an die letzte ABBA-Single veröffentlicht werden können („Under Attack“, 1982). Das wäre damals kein Riesenhit geworden, aber der Song mit der richtigen Portion Drama und dem Verschmelzen der Stimmen geht sorfort ins Ohr. ABBA sind eben Refrain-Könige, biedern sich nicht irgendwelchen Trends oder kurzlebigen Strömungen an. Die Strophen sind für einen Fan wie das übernächste Uptempo-Kapitel von "The Day Before You Came", einer oft unter ihrem Wert geschlagenen ABBA-Perle.
Fazit: Die Songs machen Lust auf ein ganzes Album, das am 5. November erscheint.


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Die ABBA-Männer Björn (links) & Benny haben Agnetha und Frida von neuen Studio-Aufnahmen (zehn Songs) überzeugen können
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