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Die Sommmerhits 2019Zündendes zwischen Protest und Beischlaf

Die größten Hits des Sommers? Kommen von einem rappenden Cowboy und einem jungen, hübschen Paar, das eventuell auch eines ist.

Billy Ray Cyrus, Lil Nas X
Starkes Duo: Billy Ray Cyrus und Lil Nas X © Chris Pizzello/Invision/AP
 

Dass ausgerechnet Trent Reznor, der finsterfürstige Frontmann der harten Industrial-Rockband Nine Inch Nails, den größten Sommerhit des Jahres landen würde? Verrückt – aber ist so. Zumindest indirekt und ein bisschen. Denn „Old Town Road“, dargeboten von Lil Nas X mit freundlicher Unterstützung von Billy Ray Cyrus, liegt der Beat eines 19-jährigen Niederländers namens YoungKio zugrunde, und dieser wieder nutzte dafür ein Sample des NIN-Instrumentalstücks „34 Ghosts IV“ von 2008.

Das klingt verworren. Doch die Wege dieses Hits, der jetzt nur noch eine Woche an der Spitze der US-Charts ausharren muss, um den historischen 16-Wochen-Allzeitrekord von Luis Fonsi und seinem „Despacito“ aus 2017 einzustellen, und der sich auch sonst im Gros der Welt wacker auf den vordersten Chart-Rängen hält (in Österreich derzeit auf Platz 3), sind sowieso ganz schön unergründlich: Lil Nas X, bürgerlich Montero Lamar Hill, zimmerte „Old Town Road“ am Rechner daheim in Atlanta zusammen.

Der Song wird, über die Videoplattform TikTok, erst zum Meme, dann zum Hit. So wird ein 20 Jahre alter, lustiger, offen schwuler Rapper mit Cowboyhut, Fransenjacke und abgebrochener College-Ausbildung der Abräumer des Sommers. Dass die Kreuzung aus Country, Rap und Pop Verwirrung stiftet (in den USA wurde „Old Town Road“ aus den Countrycharts verbannt, da angeblich nicht genretypisch genug) und nebenbei ein Statement gegen Homophobie in Country und Hip-Hop setzt, gibt Lil Nas X’ nur 113 Sekunden langer Nummer eine ordentliche Portion gesellschaftliche Relevanz.  Schon der Sommerhit 2018, die alte Partisanenhymne „Bella Ciao“ von El Professor im Remix von HUGEL, konnte ja als Protestsong gegen den politischen Rechtsruck in Europa, speziell in Italien, verstanden werden.

Aber der politische Sommerhit ist immer noch die Ausnahme, Lateinamerika hingegen bleibt im Trend. „Señorita“ heißt die schwülstig-laszive Beischlafanbahnungsuntermalung von Camila Cabello und Shawn Mendes. Die beiden Teenie-Idole harmonieren im einschlägig erotischen Video so gut, dass ihnen nun ständig die Verpartnerung unterstellt wird. Tatsächlich sah man Camila und Shawn jüngst gemeinsam frühstückend, könnte aber auch alles PR sein, zumal Mendes letztens sagte, er müsse sich dringend mit einem Mädchen zeigen, „um den Leuten zu beweisen, dass ich nicht schwul bin“.

Sollte der Beweis misslingen und Camila wirklich nur eine gute Freundin und Kollegin sein, böte sich nächsten Sommer ja ein Duett mit Cowboy Lil Nas X an. Auch sonst ist die spanische Sprache jedenfalls gut vertreten, das Erbe von „Macarena“ (Los Del Rio, 1996), dem „Ketchup Song“ (2002) oder eben „Despacito“ winkt fröhlich herüber. Mit „Con Altura“ bringen die Katalanin Rosalia und der Kolumbianer J Balvin jede Freiluftveranstaltung in Schwung, und Partysongexperte Daddy Yankee hat die 25 Jahre alte Nummer „Informer“ des Rappers Snow mit diesem gemeinsam zu „Con Calma“ umgewidmet.

Außerdem im erweiterten Kreis der erfolgreichsten Sommerhits der Saison: Neneh Cherrys Tochter Mabel mit „Don’t Call Me Up“, die Jonas Brothers („Sucker“) und natürlich Ed Sheeran, der mit „I Don’t Care“ (mit Justin Bieber) und „Blow“ (mit Bruno Mars und Chris Stapleton) gleich zwei Würstchen auf dem Grill brutzeln hat. Wer seine Sommerhits etwas würziger bevorzugt, dem sei die grandiose Sängerin und Rapperin Lizzo mit „Truth Hurts“ anempfohlen, außerdem Billie Eilish mit „Bad Guy“ sowie die immer stärker werdende Miley Cyrus, die mit „Mother’s Daughter“ eine wirklich tolle feministische Popnummer am Start hat – der knallrote und mordsenge Britney-Spears-Gedächtnislatexanzug, den Miley im Video trägt, ist allerdings eher was für den Herbst.

 

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