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Open Air vor SchlossBilderbuch weckten vor Schönbrunn Gefühle

Die österreichische Erfolgsband feierte mit 15.000 Fans den ersten von zwei Abenden im kaiserlichen Ambiente. Es war eine solide Show mit einigen Schönheitsfehlern.

Bilderbuch vor Schloss Schönbrunn © Beyer/APA
 

Sein Blick schien etwas ungläubig: Stehen wir wirklich vor 15.000 Fans im Ehrenhof vor Schloss Schönbrunn? Zum Glück hat Maurice Ernst, seines Zeichens Sänger der heimischen Erfolgsband Bilderbuch, heute noch einen zweiten Abend die Gelegenheit, das sacken zu lassen. Am  Freitag weckten er und seine Kollegen jedenfalls große Gefühle mit einer Show, die kleine Schönheitsfehler hatte.

Seit Wochen war der Gig im kaiserlichen Ambiente ausverkauft, und die Band hat sich ganz offensichtlich Gedanken gemacht, was man den Anhänger präsentieren soll. Dabei ging es weniger um die Setlist, die sich kaum von anderen Stopps der laufenden Tour unterschied, als das Optische: Eine durchsichtig gestaltete Bühnenkonstruktion strich das Schloss nochmals hervor, auf dem sich im Laufe des Abends nicht nur lustige Kritzeleien drehten.

Schönbrunn mit "dezenter" Europa-Werbung Foto © Beyer/APA
Und auf der Bühne selbst? Da ließen Bilderbuch offenbar das 90er-Jahre-Kind mit sich durchgehen, platzierten Globen und Ventilatoren en masse, hatten sogar einen eigenen Kühlschrank dabei und durfte Gitarrist Mike Krammer seine Soli auf einem riesigen Plüschherzen zum Besten geben. Es war also alles angerichtet für eine Show, die erinnerungswürdig werden sollte - und es dann doch nicht wirklich wurde. Oder eben anders. Denn Bilderbuch waren auch an diesem Abend gut, überzeugten mit Spielwitz und sichtlicher Freude. Aber der ganz große Wurf wurde es leider nicht.

Open-Air als Problem für die Band

Was zugegebenermaßen auch an der Location lag: Ein Open-Air in Schönbrunn kommt eben nicht mit demselben Druck daher, wie eine brechend volle Clubshow. Das merkte man schon beim Opener "Mr. Supercool", der eher zaghaft aus den Boxen tröpfelte. Selbst das mitsingtaugliche "Memory Card" brachte noch nicht die erhoffte Befreiung, erst mit dem Hitdoppel "Softdrink" und "Bungalow" schienen die Soundregler endlich an ihrem angestammten Platz angekommen. Party? Aber gern!

Bilderbuch: Open Air Schönbrunn

Josef Beyer
Josef Beyer
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Josef Beyer
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Josef Beyer
Josef Beyer
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Josef Beyer
Josef Beyer
Josef Beyer
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Die eigenen Anfänge ließ man links liegen, stattdessen blickten Ernst und Co auf die Erfolgswelle ab "Maschin" (natürlich fehlten auch diesmal die gelben Rennfahrerhandschuhe nicht) und dem dazugehörigen Album "Schick Schock". Bei der Großtat "Ich hab Gefühle" gab es für den Frontmann gar ein Bad in der Menge, bei dem seine weite Hose und der schwarz-weiß Pullunder auf ihre Reißfestigkeit getesten wurden. Immer wieder stachelte Ernst das Publikum an, wirbelte von links nach rechts über die weitläufige Bühnen und gab sich auf dem in die Mitte führenden Steg schlaksig-staksend wie Mick Jagger an seinen besten Tagen.

Maurice Ernst in Pose Foto © Beyer/Apa

Manch ein Stück fiel ab, etwa das psychedelische "Vernissage My Heart". Man ist eben anspruchsvoll geworden angesichts Dutzender Ohrwürmer, wird sich der gemeine Fan denken. Aber auch die zwei in den vergangenen Monaten veröffentlichten Alben "Mea Culpa" und eben "Vernissage My Heart" haben davon ja einige zu bieten. Vom locker-flockigen "Frisbee" (die beste Red-Hot-Chili-Peppers-Nummer, die die US-Amerikaner nie geschrieben haben) über "LED Go" (die Zeile "Liebe ist the place to be" durfte durchaus als Motto für den familienfreundlichen Abend verstanden werden) bis zu "Europa 22".

Glühende Europa-Verfechter

Mit diesem Stück haben Bilderbuch in gewisser Weise auch ihre Regel, politische Ansagen zu vermeiden, gebrochen. "Mein Papa hat gesagt, ich soll nicht so viel politisieren", ließ Ernst die Menge wissen. "Es wird eh schon so viel geredet in Österreich." Worte brauchte es auch nicht, außer jene im Text: "Ein Leben ohne Grenzen, eine Freedom zu verschenken." Und dazu wurden gelbe Sterne an die Fassade von Schönbrunn geworfen. Ein indirekter Wahlaufruf für den morgigen Sonntag? Vielleicht. Glühende Europa-Verfechter waren Bilderbuch ja immer.

Und dann, nach ziemlich genau zwei Stunden und dem Abfeuern aller Effekte (ein Highlight: mit Rauch gefüllte Seifenblasen, die diesen beim Zerplatzen freigaben), war Schluss. Eine ergriffene Band verbeugte sich vor ihrem begeisterten Publikum, das vieles, aber nicht alles an dieser Darbietung genossen und entsprechend abgefeiert hatte. Das Ambiente gibt den Ton an, könnte man sagen, doch der Inhalt bleibt derselbe. Wer diese Songs sein Eigen nennt, kann aber gar nicht so viel falsch machen, und Bilderbuch sind und bleiben ein Erlebnis, ganz egal wo. Für die Zugabe am heutigen Samstag gibt es übrigens noch Restkarten.

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