Ein wenig gebärdet sie sich wie die Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“: Die meiste Zeit ist sie unsichtbar. Das mag auch daran liegen, dass die Sandkatze mit ihren drahtigen Haarbüscheln zwischen den Pfoten kaum Spuren im Sand hinterlässt. Ein Glück also, dass sie Doris Hochmayr vor die Kamera gelaufen ist. Was man wohl von den meisten Protagonisten der heutigen Universum-Folge „Katar – Perlen im Sand“ (ORF 2, 20.15 Uhr) behaupten kann. Einer davon vermeidet grundsätzlich den Kontakt mit der Außenwelt und gleitet wie ein Fisch im Wasser durch die Dünen: der Apothekerskink, der mit seiner Schnauze nicht nur jede Vibration im Sand orten kann, sondern auch mit einem speziellen Filtersystem im Sand atmen kann.

Es sind absolute Spezialisten, die sich hier in der Steinwüste von Katar eingerichtet haben. „Von Interesse für uns war, dass dieser Ort ein besonderer Hitzehotspot ist. Was machen Pflanzen und Tiere, um dort mit so wenig Wasser durchzukommen? Das war unser Hauptaufhänger“, skizziert Regisseurin Doris Hochmayr die Idee hinter diesem „Universum“, das sie mit Wolfgang Stickler gestaltet hat. Es gibt keine Flüsse, keine Seen, es ist eines der dürrsten Gebiete der Erde. „Katar investiert viel Geld in die Wissenschaft, um herauszufinden, wie man im nächsten Jahrhundert an einem der heißesten Orte der Erde leben kann“, erklärt Hochmayr.
Strategien holt man sich nicht nur in der Hightech-Welt, sondern vor allem auch vom Wissen der Beduinen, die seit jeher mit und in der Wüste ihr Auslangen gefunden haben. Doch romantisch verklärt ist die Produktion nicht, sie zeigt auch die Kontraste zwischen Natur und einer Glitzermetropole wie Doha.

Doha, die Hauptstadt von Katar
Doha, die Hauptstadt von Katar
© (c) ORF

Die Kamele, einst unverzichtbare Partner der Beduinen, sind nun hochgezüchtete Rennkamele, deren Preise bisweilen im sechsstelligen Dollarbereich liegen. Die Bilder sind zum Teil skurril: Kamele mit Jockeyrobotern am Rücken, die bei Rennen von einer Geländewagen-Armada begleitet werden, um ihre Kamele via Funk anzutreiben. Oder gigantische Volieren, in der Falken wie die Könige residieren. Auch sie sind längst zu Luxuswesen für den Zeitvertreib geworden.

Kamelrennen in Doha
Kamelrennen in Doha
© (c) ORF (Wolfgang Stickler)

Vorgestellt werden aber auch Forschungserfolge, wie etwa die Neuentdeckung der legendären Perlmuschel, die einst Katar zum ersten großen Reichtum geführt hat. Nun entdeckt man den wohl wichtigsten Nutzen der Muscheln: Sie filtern das Meerwasser.
Apropos Wissenschaft, ohne Expertinnen und Experten hätte das Filmteam seine Hauptdarsteller wie Sandkatze oder Wüstenspringmaus wohl nicht filmen können, erklärt Doris Hochmayr: „Diese Tiere, die dort leben, die haben gelernt, sich sehr gut vor Menschen zu verstecken.“ Hat man sie einmal geortet, muss man warten, bis es kühler ist, erst dann legen sie ihre großen oder kleinen Auftritte hin, wie etwa die Wüstenspringmaus, die zwar nur zehn Zentimeter groß ist, aber bis zu drei Meter weit springen kann.

Auf dem permanenten Sprung war auch die Filmcrew, denn die Hitze verkürzt die Filmzeit enorm, permanente Abkühlpausen sind nötig. Hinzu kommt, dass die Lichtverhältnisse nur in der Früh und am späten Nachmittag ideal sind. Ein Knochenjob in einer der heißesten Sandkisten der Welt.

Die Wüstenspringmaus
Die Wüstenspringmaus
© (c) ORF (Johannes Berger)

Doku-Tipps zur WM in Katar:

Schon im Vorfeld hat die ZDF-Dokumentation „Geheimsache Katar“ von Jochen Breyer und Julia Friedrichs für Aufregung gesorgt: Der katarische WM-Botschafter und frühere Fußball-Nationalspieler Khalid Salman hat Homosexualität als „geistigen Schaden“ bezeichnet. Die Doku ist in der ZDF-Mediathek nachzuschauen. Wie auch die vierteilige ARD-Dokureihe „Katar – WM der Schande“ (ARD-Mediathek), die nicht nur die Vergabe der Weltmeisterschaft minutiös nachzeichnet, sondern auch die Situation der Gastarbeiter auf den WM-Baustellen beleuchtet.

„Katar – Gas und Spiele“ in der Arte-Mediathek zeichnet über ein Porträt der Königsfamilie die Geschichte Katars nach. Ein Land zwischen der Tradition der Beduinen und überbordendem Reichtum.
In der vierteiligen Doku „Fifa Uncovered“ blickt Regisseur Daniel Gordon für Netflix hinter die Kulissen des Weltfußballverbandes. Die Frage, die auch hier gestellt wird: Wie konnte Katar überhaupt den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft bekommen?

Am kommenden Freitag melden sich die Reporter Jonas Gerdes und Timo Latsch mit einem Update ihrer Doku „Rote Karte statt Regenbogen – Homosexuelle in Katar“ auf ntv um 19.30 Uhr zurück. Hier kommt auch die LGBTIQ+-Community zu Wort.