Seit Anbeginn des Kinos befasst sich das Science-Fiction-Genre mit Künstlichen Intelligenzen und deren Beziehungen zum Menschen, angefangen von Fritz Langs „Metropolis“ (1927) hin zu „Blade Runner“ (1982) oder zeitgenössischen Auseinandersetzungen wie „Ex Machina“ (2015). Doch wohl kaum ein anderer Filmemacher hat sich dem Thema in so poetischer und humaner Weise angenommen, wie es Regisseur Kogonoda in seiner neuesten Arbeit tat. In „After Yang“ erzählt der koreanischstämmige Filmemacher („Columbus“) von dem Moment in unserer Kindheit, an dem wir erstmals mit dem Tod konfrontiert werden. Der Moment, an dem wir wohl oder übel lernen müssen, dass alles vergänglich ist. Der Moment, an dem die kindliche Unschuld zu bröckeln beginnt. Ja, selbst Maschinen können ein Ablaufdatum haben, wie hier imposant veranschaulicht wird. 

In einer undefinierten Zukunft haben sich vermenschlichte Roboter unters Volk gemischt und können käuflich erworben werden. Teeladenbesitzer Jake (Colin Farrell: subtil und ergreifend) und dessen Frau Kyra (Jodie-Turner Smith) haben ihrer chinesischen Adoptivtochter Mika (Malea Emma Tjandrawidjaja) einen empfindungsfähigen Androiden zugelegt, der dem Mädchen ihre kulturellen Wurzeln näherbringen soll. Eines Tages gibt Yang (Justin H. Min) aber plötzlich den Geist auf. Um die tieftraurige Mika zu trösten, setzt Papa Jake alles daran, dem langjährigen Wegbegleiter ihrer Tochter neues Leben einzuhauchen.

Der Defekt erweist sich jedoch als irreparabel. Durch Hilfe gelingt es Jake immerhin auf den Speicher des humanoiden Roboters zuzugreifen. Mit einer Virtual-Reality-Brille unternimmt der Familienvater eine Reise ins abgespeicherte Unterbewusstsein Yangs und stellt anhand dessen Erinnerungen fest, dass dieser bereits ein Leben hatte, bevor er seiner Familie zugewiesen wurde.

Mithilfe einer bizarr-faszinierenden Tanzsequenz werden sämtliche Figuren, die im Laufe des Films erscheinen sollten, gleich zu Beginn etabliert. Im Gegensatz zu anderen Genrevertretern lebt „After Yang“ sonst aber von einer melancholischen, nahezu meditativen Atmosphäre und der minimalistischen Herangehensweise. Fern von dystopischen Schreckensszenarien á „Terminator“ kreiert Kogonada eine ästhetisch verblüffende Zukunftsvision, in der Menschen und Maschinen friedlich koexistieren und einander gar bereichern können.

In dieses futuristische Gerüst verpackt der Regisseur eine intime und herzzerreißende Geschichte über Verlust, Trauer und dem Wert der Erinnerung. So schwer es auch sein mag, etwas oder jemand Liebgewonnenes zu verlieren und für immer loszulassen: am Ende bleibt die Erinnerung.