Wie man es auch dreht und wendet – Remakes sind eine heikle Angelegenheit. Brenzlig wird es aber vor allem dann, wenn amerikanische Studios auf die Idee kommen, fremdsprachige Filmerfolge auf Englisch neu aufzulegen. Ein Vorhaben, das in den seltensten Fällen glücklich ausgeht. Das österreichische Kino war von dieser Trendwelle bislang weitgehend verschont geblieben – ein Umstand, der sich jetzt schlagartig ändert. Der österreichische Psychothriller "Ich seh Ich seh" von Veronika Franz und Severin Fiala entpuppte sich 2015 als großer Überraschungserfolg und zog auch in internationalen Horrorkreisen Aufmerksamkeit auf sich. Der dazugehörige Trailer, der als "der unheimlichste Trailer aller Zeiten" angeworben wurde, verbreitete sich damals im Netz wie ein Lauffeuer. Demnach war es nur eine Frage der Zeit, bis der Film einer amerikanisierten Recyclingkur unterzogen werden würde. Unter dem Titel "Goodnight Mommy", der bereits dem Original als internationaler Titel gedient hatte, wurde der Austro-Schocker nun tatsächlich für das untertitelfaule US-Publikum neu verfilmt. 



Unter dem Titel "Goodnight Mommy", der bereits dem Original als internationaler Titel gedient hatte, wurde der Austro-Schocker für das untertitelfaule US-Publikum neu verfilmt. Die Geschichte bleibt im Kern gleich: Die Mutter (Naomi Watts) der Zwillingsbrüder Lukas (Nicholas Crovetti) und Elias (Cameron Crovetti) kehrt nach einer Schönheitsoperation mit vollbandagiertem Gesicht zurück – und benimmt sich anders als sonst. Ihr Verhalten lässt die Buben zweifeln, ob es sich bei der Frau um ihre Mutter handelt. Haben es die beiden mit einer Betrügerin zu tun? Böse Vermutungen, die die Zwillinge zu grausamen Maßnahmen drängen.

Jene, die mit dem atmosphärischen Originalfilm nicht vertraut sind, dürfte die Neuauflage zumindest in einzelnen Momenten mitreißen. Routiniert werden die wichtigsten Plotpunkte heruntergerattert – audiovisuelle Spielereien sorgen für den adäquaten Grusel zwischendurch. Die Auflösung bleibt dieselbe, am Weg dorthin werden zum Teil aber andere Richtungen eingeschlagen. Bedauerlicherweise sind es genau diese minimalen Änderungen, die die Essenz der Vorlage zunichtemachen.

Während sich der Horror in "Ich seh, Ich seh" schleichend und subtil anbahnte, bedient man sich im Remake deutlich banalerer Stilmittel. So wird etwa die ursprünglich geheimnisvoll-bedrückende Aura um die Mutterfigur rasch entmystifiziert. Die große Frage, die sich aufdrängt, ist jene nach dem "Warum"? Warum einen bereits existierenden Film erneut anschauen – und das zudem in deutlich schwächerer Form? Seine Existenz kann das Remake trotz ein paar effektvoller Schockmomente nicht rechtfertigen. Was bleibt, ist ein lauwarmer Neuaufguss, der wenig einfallsreiche, neue Akzente setzt. Da hilft auch eine Hauptdarstellerin mit vollem Körpereinsatz nur bedingt. Am besten das exzellente Original schauen.

"Goodnight Mommy" ist auf Amazon Prime zu sehen.