Angesichts der Vorwürfe von Vetternwirtschaft und Filz im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ist auch beim Bayerischen Rundfunk (BR) Kritik wegen angeblicher Geldverschwendung laut geworden. Im Fokus steht die Höhe einer Zahlung für die vorzeitige Vertragsauflösung des früheren Programmdirektors Kultur, Reinhard Scolik, zum Jahresende 2021. Von 2016 bis 2020 war der heute 64-jährige Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks gewesen.
Der Vorwurf: Intendantin Katja Wildermuth (57, Amtsantritt Februar 2021) soll Scolik als einen ihr unliebsamen Direktor im letzten Herbst mit einer Mega-Abfindung nach Hause geschickt haben.

"Wie bereits bekannt, hat Herr Dr. Scolik den BR in gegenseitigem Einvernehmen verlassen, darüber hinaus wurde Stillschweigen vereinbart", erklärte BR-Sprecher Markus Huber auf Anfrage. Scolik selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Auch er verwies auf die Verschwiegenheitsklausel. Sein Vertrag wäre noch bis Ende September 2024 gelaufen. Im Sender sagten bei Scoliks Ausscheiden viele, dass Wildermuth und er recht unterschiedliche Vorstellungen hatten.
Vor seiner Amtszeit beim BR war Scolik u. a. ORF-Programmdirektor und Intendant des ORF-Landesstudios Wien.

BR-Sprecher Huber sagte zur Vertragsauflösung: "Die Vereinbarung wurde von dem dafür zuständigen Gremium, dem Verwaltungsrat des BR, nach Prüfung genehmigt". Der BR wolle sich weder zu den Gründen des Ausscheidens noch zu Details der Vereinbarung äußern. BR-Rundfunkratsmitglied und Medienmanager Helmut Markwort monierte in der "Bild", es könne nicht sein, dass der Sender einem ausscheidenden Direktor eine "hohe sechsstellige Abfindung zahlt und dem Rundfunkrat genaue Informationen vorenthält".