Die Wüste, sie ist erbarmungslos, selbst an den eilig zusammengezimmerten Grabtafeln nagt sie unerbittlich. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, die Einfriedungen der Gräber mit Steinen sind zumindest ein nach außen hin sichtbares Zeichen: Hier liegen Menschen, die die Flucht nicht geschafft haben. Dieses Hier ist Gao in Mali. Das Tor zur Sahara wird die Stadt genannt, und das klingt romantischer, als es ist. Zu romantisch. Gao ist Hoffnung und Verzweiflung gleichermaßen, von hier aus durchqueren Flüchtende die Sahara – es ist der Weg in ein neues Leben oder der Weg in den Tod. Gefahren lauern hier viele: Die Wüste mit ihren Tücken ist nur eine davon, kriminelle Banden oder gar die Al Kaida, der Weg nach Algerien und weiter nach Europa ist lebensgefährlich.

Für viele ist "Das Haus am Tor zur Sahara" eine Zufluchtsstätte: Für jene, die die Reise auf sich nehmen, aber auch jene, die wieder zurückkehren, die den Weg nicht geschafft haben, aber mit dem Leben davongekommen sind. Regisseur Ousmane Samassékou porträtiert in der gleichnamigen Doku dieses Haus und seine zwischenzeitlichen Bewohner. Es ist der Blickwinkel, der diese wie weitere mehr als 20 Dokumentationen prägt: Filme von Filmschaffenden aus Afrika, sie bilden das Projekt "Generation Africa".



Es gilt, das Thema Migration aus der Perspektive der Betroffenen zu erzählen: Den Auftakt zum Schwerpunkt am Dienstag (14. Juni), der am Mittwoch fortgesetzt wird, macht die Doku "Lagos - Tanger: Reise ohne Rückfahrschein" (20.15 Uhr). Mehr als 20 Jahre nach seiner Flucht bereist Regisseur Ike Nnaebue nochmals seine Fluchtroute – von Lagos bis nach Marokko. Und er trifft auf Menschen, die ihm ihre Lebensgeschichten und Fluchtgründe erzählen. Im Anschluss folgt "Das Haus am Tor zur Sahara" (21.50 Uhr) und "Neue Boote, leere Netze – Die Fischer von Sierra Leone" (22.45 Uhr), eine Doku, die vor Ort beleuchtet, warum ein ganzes Fischerdorf von der Arbeitslosigkeit und in der Folge von der Abwanderung bedroht ist: Chinesische Fischtrawler überfischen mit modernen Fangmethoden die Küste. Insgesamt sind 25 Dokumentationen des Schwerpunktes "Generation Africa" in der Arte-Mediathek abrufbar.