"Links.Rechts.Mitte" Christoph Kotanko verlässt ServusTV

Größere Personalwechsel gibt es mit Jahreswechsel nicht nur bei ORF und PULS 4, auch ServusTV muss neu planen. Gerhard Jelinek und Christoph Kotanko gehen neue Wege.

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Christoph Kotanko wirft nach einem knappen Jahr das Handtuch. © ServusTV
 

Servus TV muss mit Jahresende zwei wichtige Stellen nachbesetzen. Gerhard Jelinek legt seine Tätigkeit als Bereichsleiter der Diskussionsformate nieder und ist mit dem Privatsender in Gesprächen über andere Aufgaben. "Links.Rechts.Mitte"-Moderator Christoph Kotanko ist künftig nicht mehr für den Sender tätig. Servus TV bestätigte auf APA-Anfrage die beiden personellen Veränderungen.

Kotanko mit Voraussetzungen nicht zufrieden

Kotanko begann erst im Februar zum Start des Talkformats, das Journalistinnen und Journalisten unterschiedlicher politischer Richtungen sonntags zu aktuellen Themen diskutieren lässt, seine Tätigkeit für Servus TV. Auf Anfrage bestätigte er der APA, dass er mit Jahresende seine Moderationstätigkeit bei "Links.Rechts.Mitte" wieder beendet. Als Gründe nannte Kotanko, der auch als Politikanalyst und -kommentator in der Wien-Redaktion der "Oberösterreichischen Nachrichten" tätig ist, Personalentscheidungen und inhaltliche Weichenstellungen.

Die Umsetzung der Ankündigung, eine anspruchsvolle Auseinandersetzung von Meinungsmachern verschiedener Weltanschauungen zu machen, sei zunehmend erschwert worden, so Kotanko. Auf dieses Problem habe er Servus TV-Intendanten Ferdinand Wegscheider bereits Mitte April hingewiesen. So sei der Sender in Gefahr, die Unausgewogenheit, die er den "Mainstream-Medien" vorwirft, selbst zu praktizieren, meinte der Moderator.

Dem Vernehmen nach gestaltete sich die Suche nach renommierten Gästen zusehends schwierig. So dürfte etwa der im Vorfeld von "Links.Rechts.Mitte" gesendete wöchentliche Kommentar "Der Wegscheider" des Intendanten selbst viel Erklärungsaufwand erzeugen. Gegen "Der Wegscheider" ging jüngst der Presseclub Concordia bei der Medienbehörde KommAustria vor, da die Journalistenorganisation eine Verletzung des Audiovisuellen Mediendienste-Gesetzes (AMD-G §41 Abs. 1 und 5) vermutet. Die Sendung entspreche vor allem in Hinblick auf die Corona-Pandemie nicht den Grundsätzen der Objektivität, Meinungsvielfalt und journalistischen Sorgfalt. Servus TV gab zur Beschwerde keinen Kommentar ab, Wegscheider selbst wies im Sommer gegenüber der APA jedoch zurück, dass der Sender auf Maßnahmengegner und Corona-Zweifler abziele.

"Schlechte Personalpolitik"

Als weiteren Grund für seinen Abgang nannte Kotanko die getroffenen Personalentscheidungen. Dass die Talk-Bereichsleitung binnen zehn Monate den dritten Leiter erhalte, sei schlechte Personalpolitik. So wurde der Moderator für "Links.Rechts.Mitte" vom damaligen Talk-Bereichsleiter Rainer Fleckl geholt. Im Mai übernahm Gerhard Jelinek, der bis 2019 für den ORF als Leiter der Abteilung Dokumentation und Zeitgeschichte tätig war. Weniger als ein Jahr später wird mit Jänner Alexander Möhnle, ein Mitarbeiter von "Talk im Hangar-7"-Moderator Michael Fleischhacker, übernehmen, wie Servus TV bestätigte. "Es besteht der Wunsch, dass ich dem Sender erhalten bleibe", sagte Jelinek zur APA. Er befinde sich derzeit mit dem Sender in Gesprächen über andere Aufgaben. Über die Gründe für seinen Abgang hielt sich Jelinek bedeckt.

Kotanko findet es schade, dass es so gekommen sei. "Ich bin überzeugt, dass ein TV-Talk mit dezidiert unterschiedlichen Standpunkten seine Berechtigung hat. Offen ausgetragene Meinungsverschiedenheiten sollten keine Störung sein, sondern normal und erwünscht", so Kotanko, der abwechselnd mit Katrin Prähauser "Links.Rechts.Mitte" moderierte. Zur Zukunft des TV-Talks teilte Servus TV vorerst nichts mit. Die Sendung schalteten trotz harter Talk-Konkurrenz durch "Im Zentrum" im ORF regelmäßig um die 100.000 Zuseherinnen und Zuseher ein.

Kommentare (15)
zweigerl
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Bitte Obacht

Was heißt dieser Rückzug des Unbestechlichen aber für den Verbleib Michael Fleischhackers und dessen Disput in der Kleinen mit dem Falter-Chefredakteur? Übrigens lässt auch meine KlZtg etwas nach, nicht nur in der Frühzustellung der Printausgabe, sondern auch in der Sprachrichtigkeit. In diesem Artikel 1 Fallfehler (richtig: "mit inhaltlicheN Weichenstellungen) und im unmittelbar vorangehenden über den verstorbenen Forcher (Bildunterschrift: "erinnert IM TV-Porträt"). Worauf sonst sollte man sich heutzutage noch verlassen können als auf die gestochene Sprachrichtigkeit der anspruchsvolleren Print-Medien?

Kleine Zeitung
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Aboservice

Sehr geehrte*r zweigerl,
bitte melden Sie sich bezüglich der Probleme bei der Frühzustellung bei unseren Kolleg*innen aus dem Aboservice. Sie erreichen sie telefonisch unter +43-316-875-3200 oder per E-Mail unter aboservice@kleinezeitung.at.
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion

zweigerl
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Danke

Danke. Ich bekam bereits mehrmals ein Aviso, dass es Probleme mit der Zustellung gibt, und nehme diese Probleme hin. Die Zeitung liegt dann später im Postfach, und nachdem ich bereits die elektronische Ausgabe gelesen habe, wandert sie gleich direkt in den Papierkorb. Nur am Samstag kam gar keine, und gerade da war ich selber in der Zeitung mit einem Statement angeführt. Wie halt alles so spielt im Leben.

melahide
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Gut so

Will nicht intolerant klingen, aber das Dosen-Medien-Imperium ist - bis auf das Red Bulletin - nichts für mich. Es gibt genug andere TV Sender die man schauen kann, von Streaming gar nicht zu reden. Hätte mir natürlich gewünscht: Sender mit Dokus, europäischen Filmen und Information. Leider driftet Servus TV immer stärker ab. Genauso wie die anderen RB Sachen. Due Recherche-Plattform Ging ja auch hops, weil das was die Recherchiert haben nicht zu dem passten, was Dm für die Wahrheit hielt. Das neue Magazin mit dem uns die KlZ zwangsbeglückt ist auch jenseits von gut und böse …

Niemandes_Knecht
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Die Prähauser ist besser

Katrin Prähauser ist die bei weitem bessere Moderatorin bei "Links.Rechts.Mitte".

Bei Kotanko hatte man nicht das Gefühl, dass ihm der Job Spaß macht.

Kein Verlust.

Hardy1
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Schade....

.....unter Wegscheider ist Servus-TV zu einem Schwurbelsender mutiert......einzig den Kickl freuts......

Ragnar Lodbrok
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Solang es den Wegscheider gibt,

ist Servus TV ein No Go.

Balrog206
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Naja

Man kann ja einzelnen Personen kritisieren , das was du machst ist der beste Beweis für die Linke Toleranz !! Die sie von jedem bedienungslos einfordern ( sonst medialer Knüppel ) aber selbst sind sie die intoleranteste Gruppierung ever !

X22
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Naja, du weißt schon, dass er als Intendant, die Linie des Senders vorgibt

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Staberll
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Bin kein Linker

und halte trotzdem Wegscheider für übel.

Balrog206
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Schau

Ist doch oftmals Geschmacksache ob man jemanden gut oder schlecht findet , ich wollte auf die Aussage von Ragnar aus das Servus Tv für ihn ein no Go ist und das wegen einer Person oder wahrscheinlich auch noch wegen Didi den mögen’s ja auch nicht !

Amadeus005
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Gute Entscheidung von Kotanko

Hat mich eh gewundert wieso er sich das angetan hat. Vermutlich viel Enthusiasmus. Aber mit dem Wegscheider im Vorprogramm muss man sich fragen, wo die Grenzen der Moral nicht mehr dehnbar sind.

deCamps
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Eine klare Ansage. Zielführend und effektiv zum Ausdruck gebracht.

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Einerseits ist ja nicht unbekannt, dass mit der Medienpräsenz samt Nachhaltigkeit von Servus TV über 100 Millionen Verlust seit Jahren eingefahren wird. Was natürlich Sache des Besitzers und Eigentümer ist. Keine Frage.
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Vor einigen Jahren wollte der Besitzer schon das Medienprojekt einstellen, aber eigenartigerweise hat sich der Besitzer anscheinend der Öffentlichkeit gebeugt und wolle positive Stimmung machen. Natürlich seine Sache.
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Aber irgendwann einmal wird ein Unternehmer nachsehen, ob es sich eines Tages rechnen wird. Offen war die Erfolglosigkeit von Addendum, das gegen die österreichische Politik benutzt wurde, zu stark sichtbar und es gab nur wenig Resonanz.
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Diese Art der Berichterstattung noch dazu mit diesen minderen Einschaltquoten ist in Österreich nicht viel zu bewegen. Auch nicht mit Tonnen von Papier Magazinen wie Red Bull, die österreichweit kostenlos verstreut werden. Nichts für die österreichische Mentalität.

schadstoffarm
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dem Besitzer dämmert

dass das letzte Hemd keine Taschen hat. Er wollte ServusTV nicht einstellen sondern nur einen Betriebsrat verhindern der mit der Weltsicht des Patriarchen offenbar unvereinbar ist.

Charly911
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Ja wenn

Man etwas nicht versteht, muss es nicht immer schlecht sein. Noch sind wir eine demokratisch denkende Mehrheit im Lande und wollen uns nicht immer von den gleichen Menschen und ihren Ideologien alles vorgeben lassen. Weiter so Wegscheider!