Unter schrulligen Dartprofis"Die Wespe": Ein Underdog zwischen Ted Lasso und Jeffrey Lebowski

„Die Wespe“ (Sky) als Milieustudie mit Witz: Florian Lukas als großmäuliger, liebenswerter Dartspieler.

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Zielsicher, was die Pointen betrifft: Florian Lukas und Leonard Scheicher
Zielsicher, was die Pointen betrifft: Florian Lukas und Leonard Scheicher © (c) Sky Deutschland AG und Sky Deutschland GmbH & Co. KG r�umlich und zeitlich uneingeschr�nkte Exklusivnutzungsrechte. (N. Klier)
 

Die Welt von Eddie Frotzke (Florian Lukas) ist klein. Physisch: Wohnung, Garage, am Wochenende Dartturniere. Virtuell: ein Smartphone? Das braucht Eddie nicht. Und, ist Eddie deshalb unglücklich? Nein, denn Eddie hat aus seiner Sicht seine größte Lebensleistung schon erledigt: zweimal deutscher Dartmeister, 1997 und 1999. Das muss reichen. Und es reicht, um sich in seinem Mikrokosmos gut einzurichten. Die Kumpels zollen ihm Respekt und dann und wann ist immer noch ein Bullseye drinnen. Eddie Frotzke wäre sogar sehr zufrieden, wenn ihm nicht der Ehrgeiz der anderen dazwischen kommen würde. Es kann sich halt der größte Champion nicht auf seinen längst angestaubten Lorbeeren ausruhen.

Die, die ihn antreibt, die, die auf Expansion ihrer Welt besteht, das ist Manu (Lisa Wagner). Und Manu ist die Frau von Eddie. Es kommt, wie es kommen musste: Manu verlässt Eddie, ausgerechnet für Kevin (Leonard Scheicher), den dezent naiven Dart-Nachwuchs, der Eddie natürlich längst überflügelt hat. Und unser ehemaliger Sieger findet sich auf jener Straße wieder, auf die ihn die anderen ohnehin längst geschoben haben: auf die Verliererstraße. Selbstermächtigung würden die Bobos sagen, aber dieses Wort kennt man im Habitat von Eddie nicht. Denn Eddie, vulgo „Die Wespe“, ist mehr Rocky denn Yoga. Was folgt, ist ein versuchter Rückeroberungsfeldzug von Manu zwischen Schrebergartenhaus, Provinz-Dartturnieren und dann wann einem Herrengedeck.



Florian Lukas tariert diesen Eddie Frotzke fein auf Linie aus – eine gelungene Gratwanderung, denn Eddie ist alles andere als eine Witzfigur, über die man sich lustig macht. In Eddie Frotzke vereint sich der unerschütterliche Optimismus eines Ted Lasso mit dem Phlegmatiker Jeffrey Lebowski. Der vom Leben gezeichnete Nobbe, herrlich Ulrich Noethen, bringt einerseits die nötige Bodenhaftung mit, aber lässt Eddie auch dann und wann ordentlich abheben. Eine feine Milieustudie, die auch mit großen Erkenntnissen aufwarten kann. Darunter: Ehrgeiz kann manchmal ganz schön ins Auge gehen.

„Die Wespe“ auf Sky.

 

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