ORF-DirektorenWeißmann bringt sein Team durch, Karin Bernhard bleibt in Kärnten

Der designierte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann bestellte am Donnerstag im Stiftungsrat sein Führungsteam. In Kärnten bleibt Karin Bernhard, in der Steiermark Gerhard Koch in der Landesdirektion. Ingrid Thurnher beendet als Radiodirektorin ihre Karriere als Moderatorin.

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ORF-Stiftungsrat: Team von Mag. Roland Weiszmann bestellt
Roland Weißmanns Team, von links: Finanzdirektorin Eva Schindlauer, Radiodirektorin Ingrid Thurnher, Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz und Technikdirektor Harald Kräuter. © ORF
 

Der künftige Alleingeschäftsführer Roland Weißmann verjüngt im Vergleich zu seinem Vorgänger das Team und setzt auf einen höheren Frauenanteil. Damit löst er ein erstes Versprechen seiner ORF-Bewerbung ein.

Der 35-köpfige ORF-Stiftungsrat bestellt am Donnerstag die vier zentralen und neun ORF-Landesdirektoren. Unter dem designierten ORF-Generaldirektor Weißmann wird ORF III-Geschäftsführerin Eva Schindlauer Finanzdirektorin, ORF III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher Radiodirektorin, Puls 4-Senderchefin Stefanie Groiss-Horowitz Programmdirektorin und GIS-Chef Harald Kräuter zum Technikdirektor.

Die Entscheidung fiel deutlich aus: Die vier zentralen Direktoren kamen auf 32 von 35 Stimmen. Dabei gab es keine Gegenstimme, nur drei Enthaltungen. Enthalten haben sich laut "Standard" mit Barbara Nepp, Corina Heinreichsberger und Georg Watschinger drei der vier FPÖ-nahen Stiftungsräte. Sie hatten sich bei der ORF-Wahl im Juli für Lisa Totzauer ausgesprochen.

Damit stimmten weit mehr Stiftungsräte für das Personalpaket als im August für Weißmann. Er kam mit türkis-grüner Unterstützung auf 24 von 35 Stimmen.
Ingrid Thurnher betonte mehrmals ihre „große Lust“ auf die neue Herausforderung, „die ORF-Radios in die Zukunft zu führen und mit Audio-Inhalten im künftigen ORF-Player zu punkten“. Ihr Bewerbungskonzept habe daher auch den Titel „Beyond Radio“ getragen. Dass sie nebenbei noch für ORF III moderieren wird, schließt sie aus: „Ich habe genug Zeit vor der Kamera im Studio verbracht“, lacht Thurnher.

Landesdirektoren mit einer Enthaltung

Ein noch deutlicheres Votum gab es von den 35 Stiftungsräten für die neun Landesdirektoren und Landesdirektorinnen: 35 Pro-Stimmen und eine Enthaltung. Vier von ihnen wurden verlängert, dazu gibt es fünf Neubestellungen. Enthalten hat sich, wie angekündigt, die vom ORF-Zentralbetriebsrat entsandte unabhängige Stiftungsrätin Christiana Jankovics. Sie hatte am Vortag Kritik an der erneuten Nominierung des Vorarlberger Landesdirektors Markus Klement trotz Kritik an dessen Führungsstil geübt.

Werner Herics (Burgenland), Gerhard Koch (Steiermark), Karin Bernhard (Kärnten) und Markus Klement (Vorarlber) bleiben. Neu sind Edgar Weinzettl (Wien), Robert Ziegler (Niederösterreich), Klaus Obereder in (Oberösterreich) und Esther Mitterstieler in Tirol. In Salzburg übernimmt die bisherige Magazin-Chefin Waltraud Langer.

ORF-Stiftungsrat: Landesdirektorinnen und Landesdirektoren bestellt
Edgar Weinzettl, Werner Herics, Klaus Obereder, Karin Bernhard, Mag. Roland Weißmann, Mag. Waltraud Langer, Dr. Esther Mitterstieler, Robert Ziegler, Gerhard Koch, Markus Klement. Foto © ORF

Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen Freundeskreises, reagierte gegenüber der APA: "Mehr als 90 Prozent Zustimmung im Stiftungsrat für das neue ORF-Team sprechen für sich. Nach einer klaren Zweidrittelmehrheit für Weißmann im August, ist diese große Bestätigung für sein Team ein großer Vertrauensbeweis und klarer Auftrag für einen modernen und starken ORF."

Kritik am Bestellungsvorgang kam bereits am Donnerstagvormittag von den NEOS. "Die Art und Weise, wie die neuen Direktorinnen und Direktoren ernannt werden, bleibt weiterhin höchst kritikwürdig, intransparent und von parteipolitischen Interessen geprägt", wurde NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter in einer Aussendung zitiert. Sie fordert eine Abschaffung des im ORF-Gesetz vorgesehenen Anhörungsrechts der Landeshauptleute für die jeweiligen Landesdirektoren. Dieses sei in Wahrheit ein "Ernennungsrecht".

Weißmanns Team: Das sind die neuen ORF-Direktoren

Mit Stefanie Groiss-Horowitz verlässt die Puls 4-Kapitänin das Boot des Privatsenders. Seit 2017 hatte die heute 44-Jährige den Sender geführt, nun kehrt sie als Programmdirektorin zum ORF zurück. Im ORF war sie unter anderem von 2003 bis 2006 Büroleiterin des damaligen Programmdirektors Reinhard Scolik. Als Senderchefin gelang unter anderem der Start des Newssenders Puls 24.

Groiss-Horowitz wird damit zur Chefin ihrer Frau Nina Horowitz, die inzwischen für die erfolgreiche ORF-Produktion "Liebesg'schichten und Heiratssachen" verantwortlich zeichnet.

APA/PULS 4/MONI FELLNER

Ingrid Thurnher ist die bekannteste Protagonistin in Roland Weißmanns Team. Die 59-jährige ORF III-Chefredakteurin und ehemalige "ZiB"-Moderatorin stellt sich der neuen Aufgabe Radiodirektion.

Zum ORF kam Thurnher bereits im Jahr 1985 wo sie zunächst im Aktuellen Dienst im niederösterreichischen Landesstudio tätig war. Später wechselte sie als Innenpolitikredakteurin zum Hörfunk bevor sie 1994 ZIB 2-Moderatorin wurde.

Thurnher prägt in den vergangenen Jahren die Entwicklung von ORF III maßgeblich und baute die Informationsschiene des Senders massiv aus.

ORF

Eva Schindlauer (39) ist bereits seit 2009 im ORF und seit sieben Jahren kaufmännische Geschäftsführerin von ORF III. Nun steigt Schindlauer zur Finanzdirektorin auf.

In der Öffentlichkeit hielt sich Schindlauer, die nun auf grünem Ticket ins Direktorium aufsteigt, bisher weitgehend zurück.

Zur damals noch kolportieren Entscheidung von Schindlauer als neue Finanzdirektorin postulierte SPÖ-"Freundeskreisleiter" Heinz Lederer einmal gegenüber der "Kleinen Zeitung": "Sie vermochte mit ihren knappen Mitteln ein hervorragendes Programm an der Seite von Peter Schöber zu gewährleisten."

ORF

Harald Kräuter (51) ist seit mehr als 30 Jahren im ORF, nun wurde der bisherige GIS-Geschäftsführer zum Technikdirektor unter Roland Weißmann bestellt.

Der 1970 geborene Kärntner Nachrichtentechniker, der später auf dem Gebiet der Kommunikationswissenschaft dissertierte, begann bereits 1990 als Tonmeister im ORF-Funkhaus, 1999 wurde er technischer Leiter des Landesstudio Niederösterreich. Ab 2002 war er Chef des Facility Management, ab 2007 Leiter des Investitionsmanagements und schließlich Vize in der technischen ORF-Direktion, für die er sich 2011 erfolglos bewarb. Ab April 2012 war er für ein Jahr Projektleiter des ORF-internen Effizienzsteigerungsprogramms "Focus", bevor er schließlich zur GIS wechselte.

APA/HANS KLAUS TECHT
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Bei den zentralen Direktorenposten beträgt der Frauenanteil künftig 75 statt bisher 50 Prozent, wobei Weißmann die unter dem amtierenden ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eingeführte Direktionsstruktur beibehält. Eine Anpassung hat er in den Raum gestellt. Ausschlag könnte etwa der Abschluss der Besiedelung des derzeit in Bau befindlichen multimedialen Newsroom geben. Im Zuge dessen übersiedeln auch die für das Radio beschäftigten ORF-Mitarbeitenden auf den Küniglberg.

Wrabetz, der noch bis 1. Jänner 2022 als Generaldirektor das größte Medienunternehmen des Landes führt, will die zahlreichen teils gewichtigen Führungspositionen im multimedialen Newsroom noch heuer besetzen. Dabei soll es zu einer Abstimmung mit Weißmann kommen - wie auch bei der im Herbst fälligen Neufestsetzung der GIS-Gebühren und Gesprächen für eine ORF-Gesetzesnovelle.

Es bleibt spannend

Auch der Bestellung der 13 Direktoren und Direktorinnen bleibt es spannend. Dann nämlich wenn wieder der scheidende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Zug ist. Wrabetz hat angekündigt, noch selbst die Chefredaktion und Ressortleitungen im künftigen multimedialen Newsroom bestellen zu wollen. Die Besetzung dieser Schlüsselpositionen der ORF-Information muss der Generaldirektor nicht mit den Stiftungsräten abstimmen.

Für den meisten ORF-Zuschauer womöglich aufreibender als die Bestellung der ORF-Direktoren ist die anstehende Erhöhung der ORF-Gebühren. Fünf Jahre nach der letzten Anpassung steht eine Anpassung an, zu rechnen ist mit einer Erhöhung um fünf bis zehn Prozent.

Der nächste anstehende Schritt ist die seit Jahren versprochene Novelle des ORF-Gesetzes. Diese soll es dem öffentlich-rechtlichen Sender ermöglichen, in das Streamingzeitalter einzutreten und zur multimedialen Plattform zu werden.

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Danke für Ihr Verständnis.

SoundofThunder
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Bastifunk

Was soll‘s. Ob jetzt die GIS Gebühren noch Thema sein werden?

wischi_waschi
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ORF

Betrifft mich nicht , schaue keinen ORF, daher bin ich auch psychisch ziemlich gut drauf......
....

melahide
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Super

Ich schau auch nur noch Netfix und ServusTV. Der sagt mir wenigstens was ich denken soll! Beim ORF muss ich mir selber eine Meinung bilden! Furchtbar!!

Luxi100761
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ORF

Ein komplett Schwarzer Staatssender. So etwas hatten unsere Großeltern schon einmal.

LaPantera69
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Eine paranoide Denkstörung?

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