MedientagebuchWarum ein Begräbnis zu Lebzeiten von Vorteil ist

Ein Misanthrop, der nach einer niederschmetternden Diagnose sein eigenes Begräbnis plant. Eine isländisch Dramedy als Lehrstück für die wichtigen Dinge im Leben.

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Thorhallur Sigurdsson in "Mein eigenes Begräbnis"
Thorhallur Sigurdsson in "Mein eigenes Begräbnis" © Sjónvarp Símans
 

Bei Misanthropen geht mitmenschliche Feindseligkeit ja runter wie Öl, aber wenn selbst der Chef auf deiner Pensionsabschiedsfeier amüsiert tönt: „Willkommen bei deiner Beerdigung“, dann muss auch Pre-Pensionist Benedikt schlucken. Der 67-Jährige ist für sein enges und strenges Lebenskonzept bekannt, nicht beliebt. Seine Ex-Frau, eine Yoga-Lehrerin mit jungem Lover, reagiert auf seine spitzen Spitzen („Soll ich so glücklich werden wie du?“) mit Sanftmut. Der Sohn ist höflich, aber verbittert.

Zumindest das hat er vom Vater geerbt. Apropos Erbe, das scheint zum Greifen nah, als bei Benedikt ein Gehirntumor diagnostiziert wird. Zwei Wochen bleiben ihm bis zur Operation mit geringen Überlebenschancen. Und was macht er? Er feiert zu Lebzeiten sein Begräbnis. Bis zum Grande Finale katapultiert er sich selbst aus der Spur, stößt seine Familie noch mehr vor den Kopf und findet eine alte Liebe wieder.

Die große Stärke der isländischen Produktion ist neben Hauptdarsteller Thorhallur Sigurdsson die Erinnerung daran, dass eine Vollbremsung im Leben mitunter Flügel verleiht. Nicht zu vergessen, dass man bei Beerdigungen den seltenen Einblick gewinnt, wie kostbar jede Lebensminute ist. Oder wie es in der Serie so schön heißt: Man ist niemals lebendiger als bei einer Beerdigung.

Mein eigenes Begräbnis auf Arte.

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