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Auf Netflix"Dancing Queens": Gut gemeint, aber leider in die Klischeefalle getappt

Eine Frau wird zum Mann, um als Frau auf der Bühne zu stehen: Die Feelgood-Komödie "Dancing Queens" bleibt leider oberflächlich, am Thema kann es nicht liegen.

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Die "Dancing Queens"
Die "Dancing Queens" © Jan Tove
 

Natürlich ist es kein Zufall, dass „Dancing Queens“ ausgerechnet im Pride Month auf Netflix anläuft. Und eigentlich weiß man schon zu Beginn, wie der Film auch ausgehen wird. Dafür sorgt schon einmal der klassische Plot: Auf einer abgelegenen schwedischen Insel trauern die 23-jährige Dylan Pettersson (Molly Nutley), ihr Vater und ihre Oma um Dylans Mutter. Eine begnadete Tänzerin, die ihr Talent an die Tochter weitergegeben hat. Der Vater am Boden zerstört, die Tochter, die für ihn im kleinen Dorfladen einspringt, und die Großmutter, die ihre Enkelin als Tänzerin fernab des Eilands sieht. 
 
Und so kommt es auch, nur das Setting ist anders: Schillernd, was sonst, wir sind auch in einem Dragclub, der mit seinem neuen Programm ums Überleben kämpft. Ausgerechnet hier wird Dylan von der Putzfrau zur Dragqueen, um deren echten Hintergrund nur der Choreograf (Fredrik Quinones) weiß, der in der Sekunde ihr Talent erkennt. 


 
„Dancing Queens“ soll als Wohlfühlmovie agieren, der jedoch viel glatt bügelt und seine „Wir sind eine Familie“-Attitüde vielfach über klassische Klischees konstruiert: die alternde Dragqueen, die es sich nicht nehmen lassen will, noch einmal „I Will Survive“ zu singen, und die Drags als sehr nah am Wasser gebaute Akteurinnen oder ein schwuler, eifersüchtiger Regisseur. Das wäre vielleicht vor wenigen Jahren noch locker durchgegangen, aber längst ist das Wissen um die Probleme, mit denen Mitglieder der LGBTI-Community tagtäglich gesellschaftlich zu kämpfen haben, im Mainstream angekommen. 
 
Diese Nichtbeachtung von Realitäten schmälert die Performance der Schauspielerinnen und Schauspieler, die sympathisch sind, wie auch das Setting stimmig ist. Doch man kommt ihnen nicht nahe, bleibt an der Oberfläche hängen, von Klischees überlagert. Vor allem zeichnet sich hier ab, was vielfach auch in der Gesellschaft und auch in der Werbung massiv zunimmt: Wir feiern den Pride Month und heften uns Toleranz auf die Fahnen. Regenbogenparade und Party? Sehr gerne. Durch die dunklen Gassen müssen die Betroffenen allein nach Hause gehen.

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