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Interview mit Lisa BitterDie Serie zur Zeit: "Schlafschäfer" über die Spaltung durch Verschwörung

Was bedeutet es, in kürzester Zeit ein Serienprojekt über Verschwörungsmythen zu entwickeln? Darüber haben wir mit Lisa Bitter ("Tatort") gesprochen. Die Mini-Serie "Schlafschafe" ist ab jetzt in der ZDF-Mediathek zu sehen.

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Schlafschafe
Lisa Bitter und Daniel Donskoy in einer Instant-Miniserie. © (c) ZDF und Raymond Roemke (Raymond Roemke)
 

„Schlafschafe“ ist eine Instant-Serie, das heißt, sie wurde in sehr kurzer Zeit realisiert. Was ändert sich durch diese beschleunigte Produktion für Sie als Schauspielerin, Frau Bitter?
LISA BITTER: Wir haben in der Serie ein Thema aufgegriffen, das eine extreme Aktualität besitzt. Wir haben auch in relativ kurzer Zeit gedreht, das war für mich auf dem Set anders, als ich es beispielsweise von einem „Tatort“-Dreh kenne: Einstellung und Auflösung der Szenen sind ein bisschen unkonventioneller gestaltet, als es vielleicht üblich ist, weil wir oft schon die erste Probe mitgefilmt haben und oft gar nicht so genau wussten, wo der Kameramann steht. Es fühlte sich etwas spontaner an, als ich es gewohnt bin, und das fand ich toll.

Im Mittelpunkt der Serie steht Ihre Figur als Verschwörungstheoretikerin in Coronazeiten. Hatte man auf dem Set Angst, dass dieses Corona-Thema bei der Ausstrahlung nicht mehr in dem Maße aktuell sein könnte?
Natürlich ist das eine Momentaufnahme, die wir hier gemacht haben. Wir wussten nicht, was der aktuelle Stand der Dinge zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Serie sein wird, in welche Richtung sich die Diskussionen rund um das Thema entwickeln. Aber wir sind schon alle davon ausgegangen, dass Corona und Verschwörungstheorien leider immer noch relevant sein werden.

Ihre Figur Melanie gleitet in Verschwörungstheorien ab, entfernt Rauchmelder aus Angst vor Überwachung und verbietet ihrem Sohn das Tragen einer Maske. Nebenbei zerbrechen Beziehung und Freundschaften. Wie kommt es soweit?
Wir erzählen ja in der Serie in sechs Mal 15 Minuten die Entwicklung von diesem Paar: Es geht um die Ehe von Lars und Melanie, und schon in der ersten Folge wackelt das Konstrukt, weil Melanie aus Angst um die Gesundheit ihres Sohnes zu verhindern versucht, dass er in die Schule geht. Sie weiht Lars nicht in ihre Ängste ein, weil sie fürchtet, dass er sie nicht versteht. Und darin besteht meiner Meinung nach auch genau das Problem, das zwischen den beiden steht: fehlende Kommunikation. Wir sehen Lars und Melanie dabei zu, wie sie miteinander ringen beziehungsweise wie er versucht, seine Frau irgendwie zurückzuholen, auf sie und ihre Ängste einzugehen und eine Normalität zu bewahren. Am Ende des Tages wird klar, dass er da wenig Chancen hat.

Viele Menschen erleben, wie Verschwörungstheorien Beziehungen, Freundschaften oder Familien entzweien. Haben Sie aus dieser Miniserie Erkenntnisse gewonnen, wie man mit diesen Streitthemen besser umgehen kann?
Ängste sind immer subjektiv, und es ist schwer sie, von außen zu bewerten. Ich finde, diese Ängste sollte man auf jeden Fall ernst nehmen. Was bei Melanie passiert, ist, dass sie sich nicht ernstgenommen fühlt, nicht abgeholt fühlt durch die Politik oder die Steuerung in der Gesellschaft. Das bringt sie dahin, dass sie das Gefühl hat, das allein schaffen zu müssen. Das ist eine sehr große Verantwortung, die auf ihren Schultern zu lasten scheint. Meine Erfahrung war mit dieser Figur, dass es irgendwann den Punkt gibt, an dem Melanie für Argumente einfach überhaupt nicht mehr zugänglich ist. Wo auch zwei sich liebende Personen nicht mehr zueinander finden können. Es gilt zu verhindern, diesen Punkt zu erreichen.

Instand-Serie für Online

Die Serie "Schlafschafe" ist ab 12. Mai, 10 Uhr, in der ZDF-Mediathek abrufbar. ZDFNeo zeigt die sechs Folgen Mittwochnacht um 0.45 Uhr.

Sie sind traditionellen und im modernen Fernsehen unterwegs: Dazu zählt der „Tatort“ im linearen Fernsehen, „Der Beischläfer“ für Prime Video, „Schlafschafe“ und ZDFneo liegen irgendwo dazwischen. Wie sehen Sie die wachsende Verbreitung von Streamingdiensten? Glücksfall oder Gefahr für die Filmwirtschaft?
Beides. Was ich toll finde an Streamingdiensten ist, dass Formate eine Rolle spielen, die man im Fernsehangebot nicht findet. Der Zugriff auf internationale Formate fällt einem viel leichter, und man bekommt mehr Input und Impulse von anderen Gesellschaften und Kulturkreisen. Vorteilhaft ist auch, dass man längst angefangen hat, Serien nicht seriell anzusehen, dass man nicht mehr auf die nächste Folge eine Woche warten muss. Das ist gut. Ich glaube auch, dass von Streaminganbietern sehr viel mehr experimentiert wird. Auf der anderen Seite muss man natürlich immer wieder schauen, dass die Produktionsbedingungen stimmen, dass man nicht nur auf Profit aus ist, dass es fair abläuft, die Leute gut bezahlt werden.

Haben Sie den Eindruck, dass man da bei Streaming-Produktionen mehr aufpassen muss als bei einer der ARD?
Ich denke schon, dass die Popularität gerade sehr groß ist und viele deshalb sehr gerne für Streamingdienste arbeiten. Das ist natürlich eine Situation, in der es passieren kann, dass Unterbezahlung stattfindet oder die Verträge knebelartig sind.

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