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Unveröffentlichter TextHugo Portisch wollte Welterbestatus für die "Wiener Zeitung"

Die unlängst verstorbene Journalistenlegende Hugo Portisch und sein langjähriger Freund Heinz Nußbaumer treten in einem bisher unpublizierten Text dafür ein, die "Wiener Zeitung" zum Weltkulturerbe zu erheben.

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FORTBESTAND DER 'WIENER ZEITUNG' NICHT GESICHERT
Die Wiener Zeitung erscheint seit 1703 und ist im Besitz der Republik Österreich. © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Hugo Portisch und Heinz Nußbaumer würdigen die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt als ein "Vorbild für Qualität und Verantwortungsbewusstsein" und sehen in ihrer Geschichte "einen Journalismus ohne jede Parallele" gegeben. Die "Wiener Zeitung" druckt den Text am Mittwoch ab.

Das Schreiben entstand in der Zeit der Expertenregierung unter der damaligen Kanzlerin Brigitte Bierlein. Mit deren Abgang versandete das Vorhaben. Für den Inhalt tritt der renommierte Journalist Nußbaumer aber weiterhin ein, wie er gegenüber der APA bekräftigte: "Es hat sich nichts geändert."

Nachrichten "ohne poetische Schminck".

Die beiden Journalisten zeichnen zunächst die frühe Geschichte der am 8. August 1703 erstmals erschienenen "Wiener Zeitung" (damals noch "Wiennerisches Diarium") nach: "Zunächst noch winzig in Umfang ('im Gebetsbüchelformat') und Stärke, noch ohne Schlagzeilen und Bilder - und nur zweimal wöchentlich in kaum mehr als 1.000 Exemplaren erschienen, so lief sie mit 'kaiserlichem Privileg' (einer zunächst immer zeitlich begrenzten Konzession) über die hölzernen Pressen." Bereits damals versprach die Redaktion "alles Denkwürdige" zu vermelden und das von Anfang an "ohne poetische Schminck".

Seitdem betreibe die Zeitung "über alle Fährnisse einer 316-jährigen Geschichte (Anm.: Mittlerweile 317 Jahre) hinweg einen Journalismus ohne jede Parallele". Portisch und Nußbaumer schätzen die Tageszeitung etwa für ihre "besonders ausgeprägte Kultur- und Wissenschafts-Berichterstattung" und deren Bedeutung als "unersetzliche Quelle für Geschichts- und Medienwissenschaft". Ihr Archiv sei ein wahrer Schatz, der "nicht nur die Historiker, sondern auch Politologen und Kommunikationswissenschaftler - und darüber hinaus alle an Zeitgeschichte interessierten Leser zu faszinieren vermag".

Abschaffung der Pflichtinserate als Damoklesschwert

Jede Würdigung und Auszeichnung sei für die "Wiener Zeitung" ein wichtiger Beitrag, um deren Fortbestehen auch in Zukunft abzusichern, schließen die beiden ihr Schreiben mit Verweis darauf, dass Qualitätsmedien "weltweit einen Überlebenskampf gegen Banalität und Trivialisierung führen müssen - und ihn zu oft auch verlieren".

Der Fortbestand der "Wiener Zeitung" als Tageszeitung in Printform steht auf der Kippe. Auslöser für die ungewisse Zukunft ist die im Regierungsprogramm vorgesehene Abschaffung der Pflichtinserate im Amtsblatt der "Wiener Zeitung", die einen großen Teil der Einnahmen ausmachen. Eigentümer ist die Republik, als Eigentümervertreter fungiert das Bundeskanzleramt. Heinz Nußbaumer tritt wie viele andere Persönlichkeiten und Organisationen für einen Erhalt der Tageszeitung ein. "Jedes Medium, das wir verlieren und das sich in seiner Qualität bewährt hat, ist ein kleiner Tod für mich", sagte er zur APA.

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