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TV-KritikDer ORF und der gelungene Bildungsauftrag zum Frauentag

Der ORF zeigt am Dienstag den Dokumentarfilm "Die Dohnal". Warum das keine gute Nachricht ist.

Die Dohnal
Politlegende Johanna Dohnal. Sabine Derflingers Doku sendet der ORF am Dienstagabend. Nur leider viel zu spät. © ORF
 

Am Dienstag um halb elf Uhr nachts können Sie sehen, wie der ORF mit manchen Österreicherinnen umspringt. Da bringt man in ORF 2 um 22.35 Uhr den Dokumentarfilm „Die Dohnal“. An der Regisseurin kann es nicht liegen. Sabine Derflinger lieferte viele erfolgreichen „Tatorte“ ab, erhielt dafür einen Grimme-Preis und brachte den ORF-Hit „Vorstadtweiber“ auf Schiene.

Also liegt es wohl an der Titelfigur, Johanna Dohnal. Sie ist vor elf Jahren 72-jährig gestorben und war eine der interessantesten Gestalten der österreichischen Sozialdemokratie, deren Errungenschaften bis heute nachwirken. Der legendäre Bundeskanzler Bruno Kreisky hatte die ledig geborene Arbeitertochter zur Staatssekretärin gemacht. Unter Franz Vranitzky wirkte sie ab 1990 fünf Jahre lang als erste Frauenministerin Österreichs. Auch im Privaten war Dohnal ihrer Zeit voraus: Nachdem sie der Welt um zwei eheliche Kinder bereichert hatte, ging sie eine damals sehr unübliche Verpartnerung mit einer Frau ein.

Unser TV-Magazin „tele“ mit seinen 1,2 Millionen Lesern, ehrt diese Person mit einem Titelbild. Der ORF, der das Interview mit dem Windsor-Paar vor Aufregung flatternd gleich zweimal gesendet hat, verräumt die Dohnal in die Nacht. Das nennt man wohl einen gelungenen Bildungsauftrag.

Kommentare (1)
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Cveno
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Lesenswert?

Frauenpower!

Wirklich schade, diese bemerkenswerte Kämpferin hat vielen Mut gemacht!