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Fritz-Csoklich-DemokratiepreisEin Signal für Weltoffenheit

Heute wäre Fritz Csoklich, von 1960 bis 1994 Chefredakteur der Kleinen Zeitung, 90. Nach ihm ist der neu geschaffene Demokratiepreis benannt.

Fritz Csoklich, im Gespräch mit LH Josef Krainer © 
 

Spaltung der Gesellschaft, Polarisierung, Zersplitterung der politischen Landschaft. Diese Schlagzeilen beherrschen die Medien und ängstigen viele Menschen. Nehmen die Spannungen weiter zu? Ist unser gewohntes Zusammenleben bedroht? Einer, der sein Leben lang mit Mut und Leidenschaft gegen diese Entwicklungen gekämpft hat, war Fritz Csoklich, geboren am 5. Mai 1929 in Wien. Dort studierte er Germanistik und Geschichte. Nach der Promotion zog es 1953 Csoklich in den Journalismus und in die Provinz. Der seit seiner Jugend engagierte Katholik trat in die Grazer Redaktion der Kleinen Zeitung ein, die vom Katholischen Presseverein verlegt wurde.

Csoklich machte eine Blitzkarriere. 1959 wurde er, erst 30 Jahre alt, mit der Leitung der Redaktion betraut. Für die unabhängige Presse waren es schwierige Jahre, weil die den Parteien gehörenden Zeitungen noch die Vorteile aus der Nachkriegszeit genossen, in der die Lizenz zur Herausgabe einer Tageszeitung von den Besatzungsmächten erteilt wurde.

Vor diesem Hintergrund war das Rundfunk-Volksbegehren, das Csoklich 1964 als Brückenkopf in den Bundesländern gemeinsam mit „Kurier“-Chefredakteur Hugo Portisch einleitete, ein Befreiungsschlag nicht nur für das von der Politik gegängelte Radio und Fernsehen, sondern auch der Durchbruch für die unabhängige Presse. Csoklich beschränkte sich nicht aufs Kommentieren. Der Aktivist, der die Wirren der Ersten Republik und den Nazi-Terror erlebt hatte, bemühte sich, die in den Bürgerkriegsjahren vertieften Gräben zwischen dem Katholizismus und der Sozialdemokratie zuzuschütten. Die öffentlichen Gespräche in Städten und Dörfern, meist mit dem Gewerkschafter Rupert Gmoser als befreundetem Gegenüber, wurden zum Vorbild für ganz Österreich.

Als Eisbrecher fungierte Csoklich auch über die Grenzen hinaus. Er knüpfte mitten im Kalten Krieg Kontakte zu Dissidenten in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und Slowenien. Sie konnten ihre Situation schildern und Zukunftsvisionen skizzieren. Vorerst waren es nur Hoffnungen und Träume. Für Csoklich bedeutete es mehr als bloß Genugtuung, als endlich der Eiserne Vorhang fiel.

35 lange Jahre, bis zu seiner Pensionierung 1994, wirkte der am 22. Oktober 2009 verstorbene Fritz Csoklich höchst erfolgreich als Chefredakteur. Als Würdigung wird der seinen Namen tragende Demokratiepreis ins Leben gerufen.

Fritz-Csoklich-Demokratiepreis

Als Würdigung von Fritz Csoklichs Lebenswerk rufen die Kleine Zeitung und die Styria Media Group den seinen Namen tragenden Demokratiepreis ins Leben. Als Preisträger kommen in- und ausländische Personen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Publizistik infrage. In und mit ihrem Wirken in Österreich müssen diese Personen vor dem Hintergrund der wachsenden gesellschaftlichen Polarisierung, der loser werdenden gesellschaftlichen Klammern, der schwieriger werdenden Verständigung und der wachsenden Nationalismen dazu beitragen, diese Entwicklungen zum Positiven zu verändern. Die Nominierungen erfolgen durch eine rund 15-köpfige Jury. Das Preisgeld des Fritz-Csoklich-Demokratiepreises (erste Verleihung im Herbst) beträgt 10.000 Euro.

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