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Hubert PattererWarum ich nicht auf Facebook bin

Der "Morgenpost"-Kommentar des Chefredakteurs.

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Vielleicht ist es nicht sehr professionell, aber ich bin nicht auf Facebook. Lange Zeit war der Hauptgrund für die Verweigerungshaltung der schlichte Umstand, dass ich zu viel Respekt vor der eigenen Lebenszeit hatte. Daran hat sich nichts geändert. Ich wüsste nicht, wann ich publizistisch fremdgehen sollte. Es müsste im Zeitfenster zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh sein. (Um sechs beginnt das Tagwerk für den Newsletter). Später kamen inhaltliche Einwände dazu: Ich finde mein Leben nicht interessant genug, um jede Sequenz in den Orkus zu befördern und die Weltöffentlichkeit damit zu behelligen. Aber was mich noch mehr zurückhielt: Ich finde das Leben der anderen nicht interessant genug, um es mit meinem in Beziehung zu setzen, nichts gegen Menschen. Ich mag auch nicht unentwegt Leuten mitteilen, ob ich etwas mag oder nicht mag. Es hat was Regressives. Mag. Mag nicht. Es erinnert mich an das Vorschulalter in der kurzen Lederhose. Und dann kam als dritter Grund für die innere Abneigung irgendwann die Ideologie hinzu. Es geht mir ziemlich auf den Zeiger, getrackt zu werden, nur damit irgendwelche machtbesoffenen, milliardenschweren Bürscherln und Ruderleiberl-Monopolisten südlich von San Francisco (ausgerechnet !!) aus den digitalen Fußabdrücken ein Auffälligkeitsprofil für Werbung basteln, die mir meine Lebenszeit und mein Privatsein demoliert.

Jüngste Daten-Sauerei

Ich gebe zu, dass ich zwischendurch immer wieder Wackelkandidat war, was Facebook betrifft. Wenn das Profil eh schon draußen ist durch meine Suchanfragen oder mein Navigieren im Auto, sagte ich mir, kann ich eh gleich eins selbst erstellen. Gut, dass ich es nicht getan habe. Nach der jüngsten Daten-Sauerei rüttle ich nicht mehr an mir und lasse auch nicht zu, dass es andere versuchen (Töchter, Vorstände etc.). Das größte Online-Netzwerk hat nicht verhindert, dass die Profile von über 50 Millionen Nutzern angezapft und abgesaugt wurden. Eine politische Beratungsgesellschaft mit dem Blendernamen Cambridge Analytica hat anhand der inhalierten Datenmengen versucht, die politische Einstellung von Stimmbürgern zu identifizieren. Die Daten-Dealer programmierten eine Software für die Trump-Kampagne, um das Verhalten der Wähler vorauszusagen und zu steuern.

Mark Zuckerberg wird mit routinierter Betroffenheit bedauern, was passiert ist und scheinheilig versprechen, dass fortan alles besser werde. Wie nach der Russland-Kiste. Die Nummer kennt man. Offenkundig haben er und sein Umfeld ein habituelles Problem, eine Trennlinie zwischen Freiheit und Missbrauch zu ziehen. Höchste Zeit, dass ihnen die Politik mit demokratischen Mitteln zuleibe rückt. So lange bleibe ich draußen und genieße den Schlaf zwischen Mitternacht und fünf.

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Kommentare (2)

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Irgendeiner
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11
Lesenswert?

Naja,ein Publizist der sich da nicht unterwirft,

wohl schon eine Seltenheit,jedenfalls ich wüßte nicht, was ich dort tun sollte,meine Privatsphäre geht eine Handvoll Leute an, das sind die die auch ernsthaft zur Hilfe eilen würden wenn es mir schlecht ginge,Familie und enge Freunde,ich weiß auch was die Dunbar Zahl ist,was tu ich mit hunderten Hanseln die sich Freund nennen,ein Rennen um Beliebtheit laufe ich schon aus Prinzip nicht, wer anderen nach dem Munde redet ist in meinen Augen ein Schleimer und opfert auch noch seine Individualität und wenn ich wissen will wie es wem anderen geht frag ich den direkt,ich muß nicht zwangsweise wissen wann Bruce in Australien sich neue Schuhe gekauft hat.Freundschaft hat nicht nur Freuden auch harte Pflichten und das hat für den einzelnen ein Limit.Und außerdem halte ich das auf breiterer Ebene für einen gefährlichen Realitätsersatz, denn für mich verbindet es nicht Menschen es macht sie austauschbar.Und naja, sind ja genug dort, ich werde nicht abgehen.

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Jeder darf seine Meinung haben.

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