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Serie: Und was jetzt?„La Strada“-Chef Werner Schrempf: "Achtsam mit den Ängsten umgehen"

In unserer Serie "Und was jetzt?" befragen wir heimische Künstler und Kulturveranstalter, wie sie in Coronazeiten ihre nähere und fernere Zukunft sehen. Den Auftakt macht „La Strada“-Chef Werner Schrempf.

Werner Schrempf (57), Intendant und Geschäftsführer des Grazer Festivals „La Strada“, sieht „Silberstreifen am Horizont“
Werner Schrempf (57), Intendant und Geschäftsführer des Grazer Festivals „La Strada“, sieht „Silberstreifen am Horizont“ © Nikola Milatovic
 

In einer Zeit, in der viele Kulturereignisse abgesagt werden mussten, stellte „La Strada“ ein abstandsgerechtes Programm zusammen. Wie lautet Ihr Resümee für den zweiten Satz Ihres Festivals, Herr Schrempf?

Werner Schrempf: Es war ein Abenteuer, auf das wir uns gemeinsam mit den Künstlern und dem Publikum eingelassen haben. Wir wollten einen Raum schaffen für künstlerische Reflexionen auf die massiven Einschränkungen unserer gewohnten Lebenskultur. Wichtig war es aus unserer Sicht, der Situation auch etwas Künstlerisches entgegenzusetzen. So wurden alle Projekte, die wir im zweiten Satz von „La Strada“ gezeigt haben, für diese Situation in einer übergreifenden Zusammenarbeit der Künstler mit uns als Kulturfestival konzipiert beziehungsweise adaptiert. Gemeinsam haben wir uns künstlerisch auf viele Risiken eingelassen.

Hatten Sie während dieser Festivalwoche zwischendurch das Gefühl, Sie hätten noch mutiger sein können?

Werner Schrempf: Mut hat in diesem Jahr so viele Facetten: Ich habe das Gefühl, dass das, was wir künstlerisch gezeigt haben, viel Mut gebraucht hat. Trotz der aktuellen Situation sind wir auf Künstlerinnen und Künstler zugegangen und haben sie eingeladen, sich auf etwas Neues einzulassen und unter ganz anderen Bedingungen als gewohnt zu arbeiten. Unser Zugang hat auch in unseren internationalen Netzwerken einen Prozess ausgelöst, sich aktiv mit dem Möglichen auseinanderzusetzen. Wir haben andere ermutigt, sich der Situation entgegenzustellen und unter Mitwirkung der Bevölkerung Projekte zu entwickeln, die neue Räume für die Menschen und für Kultur öffnen. Ich glaube, dass sich im zweiten Satz von „La Strada“ der Mut des Herzens und gebührende Vorsicht sehr gut ergänzt haben.

Sie setzten im zweiten Satz auf Partizipation und Selbständigkeit des Publikums – oft mussten Aufführungsorte erst gefunden werden. Wie gut hat das funktioniert?

Werner Schrempf: Das Programm im zweiten Satz wurde vom Publikum sehr gut angenommen, wir konnten gerade mit Projekten wie „Signal in Graz“ von Strijbos & Van Rijswijk unterschiedlichste Personen erreichen, da die künstlerischen Interventionen zu den Menschen kamen. Durch die aktive Teilnahme an Projekten konnte das Publikum auch Stellung beziehen – so verbanden zum Beispiel die TeilnehmerInnen am Projekt „Die sanfte Antwort“ von Günter Meinhart ihre Partizipation mit einer persönlichen Geschichte, nach dem Motto: „Man braucht gute Gründe, um auf die Straße zu gehen.“ Das Miteinander stand auch im Fokus der Wanderung. An die 1400 Personen sind diesem Experiment gefolgt.

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