Nach pandemiebedingten Minimal-Akten ist es nun wieder ein echtes Kulturfest geworden: Die Steiermark hat am Freitagabend (13. Mai) ihre Landeskulturpreise vergeben, mit Publikumsbetrieb und Live-Musik im Grazer Joanneumsviertel.

Verliehen wurde dabei auch der „Morgenstern“-Preis für Künstlerinnen und Künstler, die am Anfang ihrer Karrieren stehen. Seit 2019 vergibt ihn das Land Steiermark gemeinsam mit der Kleinen Zeitung. Die Gewinnerskulptur „Mela“ und das Preisgeld von 10.000 Euro konnte diesmal die gebürtige Oberösterreicherin Lisa Reiter entgegennehmen. Für die Jury hat die Künstlerin, die sich in ihrem Werk mit Körper- und Geschlechterbildern befasst und dafür ungewöhnmliche Materialien verwendet, bereits jetzt „ein stringentes Werk geschaffen, das mit einem Minimum an Mitteln ein Maximum an Aussage erreicht.“

Eine zentrale Auszeichnung des Landes ist der 10.000 Euro dotierte Hanns-Koren-Kulturpreis für Leistungen, die die Entwicklung des Kulturlebens in der Steiermark beispielgebend gefördert haben, ging an die in Vorarlberg geborene Kuratorin, Ausstellungsmacherin und Künstlerin Ulrike Vonbank-Schedler, deren schöpferische Handschrift vor allem in der regionalen Kulturarbeit und da speziell im Raum  Murau sichtbar ist: Das Residency-Programm "HOTELPUPIK" in Schrattenberg trägt ebenso ihre Handschrift wie das Festival STUBENrein und für das Kulturfestival Muraubiennal. Das Handwerksmuseum Murau hat sie als Ort des gegenwärtigen Lernens, der Innovation und Begegnung positioniert, darüber hinaus ist sie auch eine der Initiatorinnen des Frauenprojekts „Murauerinnen“. Vonbank-Schedler, zuletzt mit Projekten in Sachen Frauenbildung und Frauen-Blasmusik umtriebig, plädierte in ihrer Rede für mehr Durchlässigkeit und Teilhabemöglichkeiten in der Kulturarbeit und wandte sich gegen leere Traditionen. Sie sehe, wandte sie sich an Kulturlandesrat Christopher Drexler, aber auch in den jüngst gestarteten Regionalkonferenzen zur Erarbeitung einer neuen steirischen Kulturstrategie "das Potenzial, das ganze Kultursprektrum von der Basis breit und anders zu beleuchten."

Vollbesetztes Auditorium
© Richard Großschädl

Laura Freudenthaler, Trägerin des manuskripte-Literaturpreises, konnte krankheitshalber nicht nach Graz kommen. Für die Salzburgerin, deren Prosa für die Jury "durch Geradlinigkeit bezaubert" nahm manuskripte-Herausgeber Andreas Unterweger die gelbe „Mela“-Trophäe entgegen. Als idealer Einspringer, immerhin veröffentlicht die bei Droschl verlegte Autorin von Erfolgsromanen wie "Die Königin schweigt" und "Geistergeschichte" schon seit 2010 in den "manuskripten".

Für den ebenso verhinderten Kunstpreisträger Georg Haberler, der derzeit eine Residency auf Mallorca innehat, übernahm seine Mutter die Auszeichnung - ausgerechnet an ihrem 77. Geburtstag: Dafür gab es sogar ein Live-Ständchen von Moderator Sandy Lopicic und Publikum. Ute Müller, Ernst Koslitsch, Alfredo Barsuglia, das Künstlerduo zweintopf, Veronika Hauer, Alfred Lenz und Beate Gatschelhofer freuten sich über Stipendien, Ankaufs- und Sponsorenpreise. Der Architekturpreis ging an Christian Reschreiter, Albert Erjavec, Jan Ries, Matthias Gumhalter und ihr Studio WG3. Das Büro entwarf das neue Grazer Schlossbergmuseum - ein Projekt, befand die Jury, "in dem sich der Schlossberg selbst erklärt" und in dem sich "die transformierende Kraft der Kommunikation" zeige.

Besonders gefeiert wurde dann auch das Landesjugendblasorchester Steiermark, für das der künstlerische Leiter Wolfgang Jud und Blasmusikverbands-Präsident Erich Riegler den Volkskulturpreis entgegen nahmen. Das Orchester für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren falle besonders seit Pandemiebeginn "mit seinem Erfindergeist, mit seiner Experimentierfreude und Präzision auf, den digitalen Raum auch zu einem musikalischen zu erweitern", so die Jury. Gefeiert wurden alle Preise dann aber analog: Mit einem Künstlerfest im Lesliehof des Joanneums.

Zum Abschluss gab's ein Künstlerfest im Lesliehof
© Richard Großschädl