Ist das Kunst, wenn in Säcke eingenähte Menschen über den Wiener Stephansplatz robben und auf den Säcken jene Frage gestellt wird? Oder wenn ein in Weiß gekleideter Mann mit einem Plakat „Das Fernsehen filmt jetzt Kunst“ spaziert? Die über den Platz abgeworfenen Zettel geben auch keine Antwort, sondern wiederholen die Frage nur: „Ist das Kunst?“ Egal, wie man die Frage beantworten möchte, die Aktion demonstrierte 1974, was Kunst sein kann. In Anlehnung an den Wiener Aktionismus hatte Richard Kriesche nicht nur den öffentlichen Raum, sondern auch das übertragende Fernsehen in Beschlag genommen. Nach seinen Konditionen. Ein Kunststück, das er in „blackout“ (fast) wiederholte: In einem Fernsehstudio saß Kriesche mit verbundenen Augen in einer Runde und versuchte, den Kameramann dazu zu bringen, so nahe an ihn heranzuzoomen, dass die schwarze Augenbinde bildfüllend würde: ein Blackout, das die Sendestation zum Verstummen brächte und die individuelle Situation des Künstlers auf die Zuseher übertragen hätte. Der Konditional verrät es: Der Kameramann folgte der Anweisung nicht.