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Bis zu Minus 90 ProzentDramatischer Besuchereinbruch in Museen

Der Besuchereinbruch in den wiedergeöffneten Museen ist vor allem in Wien dramatisch: bis zu 90 Prozent kommen weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs wie ein Rundgang quer durch Österreich zeigt.

THEMENBILD: STADTPORTRAeT WIEN - SCHLOSS BELVEDERE
Im Belvedere in Wien sind die Besucherzahlen komplett eingebrochen © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Seit 8. Februar dürfen Museen und Ausstellungshäuser in Österreich unter Sicherheitsauflagen wie Einhalten von genügend Abstand und Tragen von FFP2-Masken wieder für Besucher geöffnet sein. Die Stimmung an den Häusern ist gut, die Besucherzahlen liegen jedoch teilweise deutlich unter den Zahlen aus der Zeit vor Corona. Die Unterschiede unter den Häusern sind dabei beträchtlich. Das ist das Resultat einer Rundfrage der APA drei Wochen nach der Wiedereröffnung.

Im Belvedere in Wien  wurden vom 9. bis 28. Februar 6.844 Besucher gezählt, 2020 waren es im gleichen Zeitraum noch 63.135 gewesen. "Das Belvedere verzeichnet derzeit - wie bereits im vergangenen Herbst - einen Rückgang der Besucher_innenzahlen um fast 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", so Wolfgang Bergmann, wirtschaftlicher Geschäftsführer des Belvedere. "Wir erwarten beim internationalen Publikum keine nennenswerten Änderungen, solange Hotels geschlossen sind und der Tourismus ausbleibt. Mit der Eröffnung der neuen Ausstellungen ab März rechnen wir allerdings mit einem Anstieg der lokalen Gäste."

Hatte die Albertina im Februar 2020 noch ein Aufkommen von durchschnittlich 2.069 Besuchern pro Tag, musste in den vergangenen Wochen ein Rückgang von mehr als 70 Prozent verkraftet werden. Damit habe man "die vorsichtig geplanten Besuchererwartungen" für diesen Monat dennoch "leicht übertroffen". Zur Albertina modern liegen aufgrund der erst mit 27. Mai 2020 erfolgten Eröffnung keine Vergleichswerte zum Vorjahr vor, man liege hier im Februar jedoch "erfreulicherweise deutlich über den Planzahlen trotz Zugangsbeschränkungen", hieß es.

An den Standorten des KHM-Museumsverbands wurden seit der Wieder-Öffnung mehr als 27.000 Besucher gezählt. "Wenn man bedenkt, dass keine Gastronomie, Kunstvermittlung und Events im Moment vor Ort möglich sind, dann ist dies eine sehr erfreuliche Bilanz. Ein ganz großes Dankeschön an unser Publikum!", sagt Direktorin Sabine Haag. "Die Freude über die Öffnung der Museen ist anhaltend groß, und die Besucher*innen nehmen unser Angebot sehr dankbar an. Wenn ich durch die Säle gehe, fällt die gute Stimmung auf und dass viele junge Menschen im Museum unterwegs sind."

Im Leopold Museum fanden sich seit der Wiedereröffnung am 10. Februar 3.939 Besucher ein, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 22.052 - mithin ein Rückgang um rund 82 Prozent. "Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind unerlässlich und reichen tief in unseren Alltag hinein. Die geöffneten Museen stellen umso wichtigere Kraftorte dar, in denen der Geist inspiriert wird, Energie getankt werden kann und damit die Resilienz der Menschen eine Stärkung erfährt", betont Direktor Hans-Peter Wipplinger.

Deutlich besser die erste Bilanz im Museum moderner Kunst (mumok): Im Februar habe man 30 Prozent weniger Besucher als im Vorjahr verzeichnet, "wobei die Besucherzahlen deutlich besser sind, als nach dem ersten und zweiten Lockdown", hieß es. Man spüre, "die Menschen sind ausgehungert nach Kunst und Kultur und wir merken einmal mehr, wie sehr uns die soziale Interaktion gefehlt hat", meinte Direktorin Karola Kraus. "Die Stimmung ist ausgesprochen positiv. Wir hoffen sehr, dass der Betrieb unseres Hauses nun ohne weitere Unterbrechungen fortgeführt werden kann"

Im Haus der Geschichte Österreich (hdgö) wurden seit 9. Februar 1.291 Besucher gezählt, in Bezug zum Februar 2020 ein Rückgang um 72 Prozent. Das Fehlen des internationalen Tourismus und das Ausbleiben der Schülerinnen und Schüler falle dramatisch ins Gewicht, während die Web-Ausstellungen auf großes Interesse stießen. "Die Menschen sind offenbar noch sehr vorsichtig, denn nach dem ersten Lockdown besuchten um ein Drittel mehr Menschen unser Museum als jetzt", hieß es. "Wir sind glücklich, dass die Museen wieder geöffnet haben. Die Coronakrise wird die Museen auf Dauer verändern, davon bin ich überzeugt", so Direktorin Monika Sommer.

Im Bank Austria Kunstforum Wien dürfen sich derzeit maximal 68 Besucher gleichzeitig aufhalten, "also 13,6 Prozent der normal möglichen Auslastung. Das ist nur mehr mit einer Einteilung über Zeitfenstern möglich, die bis zum Ende der Ausstellungen Gerhard Richter und Herta Müller am 7. März fast völlig ausgebucht sind." Seit der Wiedereröffnung konnten 6.932 Besucher begrüßt werden. Die Reaktionen hätten Direktorin Ingried Brugger und ihr Team "darin bestätigt, dass Kunst zur gesellschaftlichen Grundversorgung zählt", teilte sie mit - auch wenn "Ausstellungen nicht die notwendige kulturelle Gesamtinfrastruktur einer Stadt und eines Landes ersetzen können".

Situation in den Bundesländern

Das Museum der Moderne Salzburg zählte in den drei Wochen seit der Wiedereröffnung am 9. Februar 1.510 Besucherinnen und Besucher. "Das sind zwar naturgemäß deutlich weniger als in 'normalen' Zeiten ohne Pandemie und Lockdowns, nämlich etwa minus 60 Prozent, dennoch ist diese Resonanz in Anbetracht des Fehlens von jeglichem Tourismus und der quasi geschlossenen Grenze zum Nachbarland erfreulich", resümierte Direktor Thorsten Sadowsky. "Wir nehmen auch ausdrückliche Dankbarkeit dafür wahr, dass die Ausstellungen wieder zugänglich sind und unmittelbar erlebt werden können. Unsere Covid-19-Schutzmaßnahmen und -Vorkehrungen bewähren sich außerdem sehr gut."

In den Linzer Museen Lentos (rund 2.000 Besucher) und Nordico (650 Besucher) bewegten sich die Zahlen genau im Durchschnitt des Vorjahrs, hieß es. "Aufgrund der aktuellen Situation würden wir also sagen, wir sind sehr gut besucht." Hemma Schmutz, Direktorin der Museen der Stadt Linz: "Die Stimmung in unseren Häusern ist sehr gut. Wir freuen uns, dass wir die attraktiven Ausstellungen zu Franz Gertsch und Graffiti im Lentos und Nordico nun wieder einem interessierten Publikum präsentieren dürfen. Nach vielen Wochen der virtuellen Auseinandersetzung mit Kunst wird das reale physische Erleben von Ausstellungen sehr gut angenommen."

Auch im steirischen Universalmuseum Joanneum freut man sich über "annähernd gleich gebliebene" Besucherzahlen. 5.774 Besuche wurden in den fünf Häusern, die aktuell offen haben (Center of Science Activities, Neue Galerie Graz, Naturkundemuseum, Kunsthaus Graz und Museum für Geschichte) seit der Wiederöffnung gezählt. Lediglich bei CoSA sei ein starker Rückgang zu verzeichnen, was aber organisatorische Gründe habe. Entsprechend positiv die kaufmännischen Direktorin Alexia Getzinger: "Wir freuen uns, dass die Museen seit Februar nun wieder geöffnet haben und sind positiv gestimmt, dass dies weiterhin so bleibt. Wir sind in der glücklichen Lage, über große Räume zu verfügen, und haben uns seit Beginn der Pandemie eingehend mit Sicherheitskonzepten auseinandergesetzt. Somit waren wir für die Wiedereröffnung optimal vorbereitet und können den Besuchern und Besucherinnen einen sicheren Museumsbesuch unter Erfüllung aller Auflagen ermöglichen. Es ist wunderschön, die Museen wieder so belebt zu sehen."

Und auch an einem Haus, das normalerweise nicht zu den Museen gezählt wird, freute man sich am Montag: An der Wiener Staatsoper wurden an den ersten drei Wochenenden, an denen ein kostenloser Kunst- und Architektur-Rundgang angeboten wurde, bereits mehr als 6.200 Gäste gezählt. Bei einer Befragung gaben 32 der Befragten an, sie seien das erste Mal in der Wiener Staatsoper. "Von diesen sagten 86 Prozent, dass sie sich nun auch den Besuch einer Vorstellung 'sehr oder eher' wahrscheinlich vorstellen könnten", zog man auch hier eine positive erste Bilanz.

Kommentare (3)
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hermannsteinacher
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Eigentlich ist es mehr

ein BesucherInneneinbruch.

hausverstand58
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Sehr witzig

wenn alles verboten ist, und kein Museum geöffnet ist, wer soll dann dann hingehen? Ist eher nicht essentiell so ein Museum,. Wichtiger wäre freie Bewegungsmöglichkeit, Erwerbsfreiheit und Schulbildung für unsere Kinder. Man kann ja die vulnerablen extra schützen. Diese sind zumeisten sowieso voll versorgt, wo hingegen andere Menschen noch um ihr Einkommen und Auskommen schwitzen müssen.

hermannsteinacher
0
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Die Frage ist,

brechen die Besucher ein
oder wird bei den Besuchern eingebrochen?;-)