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Grazer Kulturjahr 2020Sicherheit geht vor - in Graz mit Pfeffersprays aus Vollbeton

7000 Pfeffersprays als Kommentar zur Rhetorik der Angst: Das Kollektiv K.O. dreht Joseph-Beuys’sche Utopien ins Sarkastische.

++ HANDOUT ++ STEIERMARK: GRAZ KULTURJAHR 2020 - AUFTAKT MIT SYMPOSIUM, FEST UND PFEFFERSPRAYS
Schauspielerin Pia Hierzegger, Ex-Caritas-Präsident Franz Küberl agieren als Testimonials für die Aktion © APA/MARIJA KANIZAJ
 

Egal, ob Feinstaub-, Verkehrs- oder Wohnungsmisere: Sicherheit geht vor. Der Eindruck drängt sich jedenfalls auf angesichts der vielen Initiativen, die sich der Steigerung des Grazer Sicherheitsgefühls verschrieben haben. Maßnahmen wie der „Sicherheitsstadtplan“ oder polizeiliche „Schutzzonen“, Ordnungs- und Bürgerwachen, das „Heimwegtelefon“ sowie das „Sicherheits- Informationszentrum“ auf dem Lendplatz sorgen für ein gesteigertes Sicherheitsgefühl in der Stadt.

Oder doch für den gesteigerten Eindruck steter Gefährdung? Schließlich könnte die ständige Arbeit an der Verbesserung der Sicherheitslage ja auch eine grundsätzlich bedrohliche soziale Umwelt suggerieren – sogar in einem, rein statistisch betrachtet, höchst sicheren urbanen Raum. Genau hier setzt das Kunstprojekt „7000 Pfeffersprays für Graz“ an, das als soziale Skulptur zu einem der nachhaltigsten Projekte des Grazer Kulturjahres 2020 werden könnte. Schließlich sieht es die Verteilung von 7000 Betonskulpturen an die Grazer Bevölkerung vor.

Wer sich dabei an Joseph Beuys’ berühmtes „Stadtverwaldungsprojekt“ namens „7000 Eichen“ im Rahmen der Kasseler documenta 1982 erinnert fühlt, liegt keineswegs falsch. Ging es damals um die Bepflanzung der Stadt, werden nun in Graz aber Zweifel an der Seriosität allgegenwärtiger Gefährdungsszenarien gepflanzt. Die Skulpturen sehen nur aus wie Pfeffersprays, sie werden in Beton gegossen, nummeriert, signiert und in schwarze Samtbeutel verpackt.

Wahrscheinlich könnte man sie zur Selbstverteidigung also auch schwingen oder werfen; dass in Graz „Kunst die Sicherheit erhöht“, wie das dahinterstehende Künstlertrio Neigungsgruppe K.O. postuliert, liegt aber wohl vor allem an der Auseinandersetzung mit der Angstrhetorik populistischer Sicherheitsapostel, die das Projekt anstoßen will. Gebildet wird die Neigungsgruppe K.O. von Markus Wilfling, dem Schöpfer des „Uhrturmschattens“ von 2003, Theatermacherin Johanna Hierzegger (Theater im Bahnhof) und Martin Behr (G.R.A.M.)

Im Laufe des Jahres 2020 werden die Skulpturen bei Veranstaltungen und im öffentlichen Raum verteilt, eine Plakataktion unterstützt das Projekt mithilfe prominenter Testimonials. Einer davon ist Ex-Caritas-Präsident Franz Küberl. Wohl nicht nur für ihn ist das Kunstprojekt „eine sehr gute Möglichkeit, allzu enge Vorstellungen von Sicherheit zu hinterfragen“.

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