AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Kritik zur FotoausstellungManfred Willmann in der Albertina

Mit seiner Kritik an einer Ehrung für Andreas Gabalier hat Manfred Willmann kürzlich Aufsehen erzeugt. Derzeit präsentiert die Albertina in Wien das Werk des Grazer Fotografen mittels sechs seiner markantesten Serien.

Weiterlesen mit unserem Digitalabo

Gratis testen

    Sie erhalten Zugriff auf:

  • Alle Kleine Zeitung Plus Artikel
  • Tägliches E-Paper
  • Smartphone App
Der Staatspreisträger für Fotografie Manfred Willmann zeigt seine Arbeiten in der Albertina Wien.
Der Staatspreisträger für Fotografie Manfred Willmann zeigt seine Arbeiten in der Albertina Wien. © Atelier Heimo Binder
 

Mein Leben ist das eines Beobachters der Oberfläche des Vergänglichen. Ist an der Oberfläche etwas zu sehen, dann genügt es mir.“ Zwei Sätze aus einem Text, in dem Manfred Willmann, Jahrgang 1952 und hinsichtlich seiner Kunst ein eher wortkarger Mensch, Mitte der 80er das zentrale Prinzip seiner Fotografie erläutert. Zwei kurze Sätze aus einem kurzen Text. Zwei Sätze, die ihre Gültigkeit nicht verloren haben, wie diese Ausstellung zeigt. Tatsächlich: Willmann, dessen wichtigste und umfangreichste Werkblöcke „Das Land“ und (als Verbeugung vor dem Fotopionier Albert Renger-Patzsch) „Die Welt ist schön“ betitelt sind, reagiert auf omnipräsente, unerschöpfliche Oberflächen scheinbar absichtslos, auf den ersten Blick beiläufig.

In den erwähnten Zyklen erfolgt die Reaktion auf Oberflächenreize in Farbe und jenem quadratischen Format, das für den Grazer eine Art Markenzeichen wurde (obwohl er auch in Schwarz-Weiß und anderen Formaten Einzelbilder und Serien schuf). Oft wird dabei Blitzlicht eingesetzt, ein damals eher verpönter Kunstgriff, den Lichtbildner wie Terry Richardson und Juergen Teller (etwa in seiner Serie „Märchenstüberl“) erst viel später schick machten.

Willmanns Bilder sind keine Schnappschüsse, auch wenn sie ihre Entstehung Schnappschuss-Impulsen verdanken: den Stoff, aus dem Zeit ist, festhalten, dem Vergänglichen Dauer verleihen. Die Publikation „Blitz & Enzianblau“ (2017) ist eine Art Chronik des Jahres 2005. Aber „langweilige Geschichten von glorreichen Tagen“ wolle er nicht erzählen, vielmehr „Dinge noch schöner und noch hässlicher vielleicht“ zeigen. Und, ja, „eine Form finden“. Form ist ein Schlüsselbegriff für ein Werk, das auf den ersten Blick als Gegenentwurf zum herkömmlichen Kompositions- und Wertekanon, zum formalen Ehrgeiz „anspruchsvoller“ Fotografie wirkt.

Wie viele Fotografen seiner Generation und aus dem speziellen Biotop der Grazer Naturfreunde-Gruppe, schulte auch Willmann seinen Blick an den Regeln dieses Umfelds, stellte diese Regeln aber früh und äußerst produktiv infrage. Was die lose Gruppe einte, war das Interesse, den Horizont zu erweitern. Wie andere arbeitete Willmann von Anfang an gleichermaßen konzeptuell und dokumentarisch, wobei die Grenze zwischen den Bereichen durchlässig war und ist.

Die Albertina-Schau zeigt sechs Serien Willmanns, neben den erwähnten „Schwarz und Gold“, „Für Christine“ und „2018/2017“. Letztere eine Auswahl aus rund 25.000 in diesem Zeitraum entstandenen Bildern des Schönen und des Hässlichen. Auch hier sind die Grenzen absolut fließend.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren