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Neue Schau über Gewalt"Hate Speech" im Grazer Künstlerhaus

Die Übergänge zwischen Realem und Virtuellem sind heute fließend. Und der Hass ist allgegenwärtig. Die Schau „Hate Speech“ im Grazer Künstlerhaus thematisiert Gewalttätigkeit – vor allem jene, die sich gegen Frauen richtet.

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Still aus "Sweat" von Candice Breitz (2018). © Courtesy KOW, Berlin
 

Eine Frau in blauem Minikleid stolziert über die Partymeile in Myrtle Beach im US-Bundesstaat South Carolina. Vor dem Gesicht trägt sie eine verspiegelte Maske. Es dauert nicht lange, bis die sich lasziv bewegende Spaziergängerin angestänkert wird. Es kommt zu – verbaler – sexueller Aggression, immer wieder wird angezweifelt, dass sich hinter der Maske eine Frau verbirgt. Leute werfen mit Getränken, die Frau lässt alles über sich ergehen. Irgendwann wird es gewalttätig, eine Passantin stößt sie ziemlich brutal zu Boden. Sie bleibt liegen, Umstehende filmen das Geschehen.


Mit dem Kurzfilm „American Reflexxx“ ist der US-Künstlerin Signe Pierce (die sich hinter der Maske verbarg) und der Regisseurin Alli Coates 2015 ein beeindruckendes Sozialporträt gelungen. Ein duldsam leidender Mensch, umringt von Hass. Coates hat später erzählt, dass die Umstehenden gemeint hätten, die Frau habe es herausgefordert: „So reden Vergewaltiger über ihre Opfer.“

Die feministische Künstlerin Signe Pierce, die sich selbst als „reality artist“ begreift, weil die Realität ihre Leinwand sei, ist mit zwei Arbeiten im Künstlerhaus vertreten. Die Schau behandelt, wie sich das Verhältnis von Intimität und Öffentlichkeit in einer digitalisierten Welt neu ordnet. „Hate Speech“, die verhetzende „Hassrede“, mit der das Internet-Zeitalter die Grenzen der freien Meinungsäußerung empfindlich strapaziert, bildet den begrifflichen Aufhänger für eine Schau, die sich mit digitalen Repräsentationen des Realen, beziehungsweise mit der Aufweichung der Grenzen zwischen real und virtuell beschäftigt. Paradigmatisch in den Werken der US-Künstlerin Petra Cortright, deren Youtube-Videos ein einziges Thema haben: sie selbst.

Während Tony Cokes (USA) nahe am Ausstellungsmotto bleibt und von Misogynie getränkte Originalzitate Donald Trumps zu Musik der Pet Shop Boys collagiert und die Wienerin Verena Dengler die Boulevardisierung der Politik als Thema aufgreift, beschäftigen sich andere feministisch geprägte Arbeiten auch mit den Folgen von „Hate Speech“. Candice Breitz (Südafrika) fordert in ihren Interviews mit Sexarbeiterinnen zur Gegenrede in hyperrealer Großaufnahme auf. Und Amalia Ulmans (Argentinien) Sperma-Bilder sind eine plakative Reaktion auf die gängige Demütigung von Frauen in der Netzpornografie.

Hass und Erniedrigung beherrschen unseren digitalen Kapitalimus und sein Humankapital. Doch es gibt Hoffnung: In einem fast leeren Raum lässt der Brite Ryan Gander eine kleine Kreatur aus einem Mauseloch die Stimme der Vernunft erheben. Ein zartes, unscheinbares Wesen appelliert an die Menschlichkeit, mit der Stimme der neunjährigen Tochter des Künstlers.
(c) Aurélien Mole/Courtesey Collection Lin Li
Ryan Gander, "2000 year collaboration" (The Prophet), 2018. © (c) Aurélien Mole/Courtesey Collection Lin Li

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