Der rote Teppich ist ausgerollt, die Luster sind aufgehängt und der Casino-Lift Richtung Blackjack-Tisch ist auch schon startbereit. Das Forum Stadtpark begeht heute Abend „Sicherheitsfestspiele“. Unter diesem Schlagwort lädt das traditionsreiche Vielspartenhaus für Gegenwartskunst vom Keller bis zum Dach zu einem Glamour-Event, das hübsch großspurig einerseits als „Grazer Met-Gala“ verstanden werden will, andererseits eine umfangreiche Projektreihe beschließt, mit der sich das Forum heuer künstlerisch souverän und in sublimer Doppelbödigkeit als „Zentrum für Sicherheit“ präsentiert hat.

In diesem Sinne ist auch der Gala-Charakter des spartenübergreifenden Abends ein Spiel mit den festlichen Ritualen einer bröckelnden Wohlstandsbürgergesellschaft, die sich durch die (und sei es medialisierte) Teilhabe an verlässlich immer gleichen Opernbällen und Festspieleröffnungen ihrer eigenen Stabilität vergewissert.

Mit den Mitteln künstlicher Intelligenz (AI): verqualmte Frankensteingemälde im Stil von Bosch,Monet, Seurat, da Vinci & Co.
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Zugleich untersucht die Schau „Sicherheit wieder sprechen“ in sechs prägnanten Beispielen Bruchstellen gängiger Sicherheitsvorstellungen und -bedürfnisse. So befassen sich Reni Hofmüller und Barbara Schmid in korrespondierenden Arbeiten mit der Entgiftung kontaminierter Erden durch Pflanzen, während das Kollektiv Gukubi Mato etablierte Kunst und das Stichwort „Klimasicherheit“ mithilfe künstlicher Intelligenz (AI) zu verqualmten Frankensteingemälden im Stil von Bosch, Seurat, da Vinci verlötet.

Selma Banich, Marijana Hamersak und das Kollektiv Zene zenama stellen in "Übergang" dem rechten Narrativ vom Unsicherheitsfaktor Asylwerber auf Leinwand genähte Porträts von Flüchtlingen gegenüber, die auf der Balkanroute gestorben sind. Catrin Manoli und Anja Korherr haben in einer gemeinsamen Feldstudie die Wohnunsicherheit migrantischer Menschen untersucht – und per Schneckenterrarien visualisiert.

"Übergang": Auf Leinwand genähte Porträts von Flüchtlingen, die auf der Balkanroute gestorben sind
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Dazu gibt’s Performances, Pensions-Casino, einen hintersinnigen Audiowalk, Klangistallation, Live-„Krawall im Keller mit nervösem Punk und stampfendem Techno - und einiges mehr. Damit muss die andere Met-Gala erst einmal mithalten.

Sicherheitsfestspiele. Heute, 19 Uhr, Gala und Ausstellungseröffnung, Forum Stadtpark Graz. Schau bis 17. Dezember, jeweils Di-Sa 14-18 Uhr.
forumstadtpark.at