Vor dem Haus: Wiesenidyll mit zwei Mischmaschinen, die einmal Teil eines Kunstprojekts waren und noch auf ihren Abtransport warten. Eine Schar geschäftiger Laufenten, unbeeindruckt von einer Outdoor-Video-Installation, in der die Künstlerin Yael Vishnizki-Levi aus dem Österreichischen und dem Slowenischen eine Kunstsprache remixt hat. Aus „Freundschaft“ und „Prijateljstvo“ wird im Video „Prijatelschaft“. Das seltsame Wort steht für etwas, das im Pavelhaus per Kunst zur Entfaltung gebracht wird.

„Gemischt sein.“ So schmucklos skizziert David Kranzelbinder, künstlerischer Leiter des Hauses, dessen Grundidee: Es stellt dem Prinzip nationaler Grenzen die Idee eines gesellschaftlichen und kulturellen Miteinander gegenüber. „Aus dem Mischmasch wächst etwas“, ist Kranzelbinder sicher. Die Überwindung von Grenzen: Mit den Mitteln der Kultur geht das nicht nur via Schlagbaum und Zollhaus, auch wenn der nächste Grenzübergang in Gehweite ist. Laafeld liegt am Ende der Steiermark, von Graz aus gesehen noch hinter Radkersburg. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum das Pavelhaus in Slowenien lange Zeit bekannter war als in der Steiermark. Im slowenischen Fernsehen, erzählt Kranzelbinder, "laufen unsere Veranstaltungen im Hauptabendprogramm.“ Das geringere öffentliche Interesse diesseits der Grenze ist zumindest teilweise historisch erklärbar. Die slowenische Bevölkerung war hier lange eine ungesehene, unbeachtete; erst 1988 gründete sich der „Artikel VII“-Kulturverein zur Vertretung der Minderheit, zehn Jahre später wurde das Pavelhaus eröffnet, als kulturelles Begegnungszentrum. Und als einer von aktuell insgesamt 838 vom Land Steiermark geförderten Kunst- und Kulturvereinen. 55.000 Euro gibt es vom Land pro Jahr; im Schnitt werden rund 2000 Hausbesuche gezählt; ein Vielfaches dieser Menge nimmt die Veranstaltungen im öffentlichen Raum wahr.

Gut gemischtes Angebot

Das Mischangebot in dem renovierten Hakenhof, einst Wohnsitz des Dichters Ágoston Pável, ist aber auch ziemlich originell: Wenn der slowenische Rap-Star „Leopold I.“ im Hausgarten auftritt, setzen auch 120 Gäste aus der Nachbarstadt Gornja Radgona über die Mur. Donnerstags probt morgens der zweisprachige Chor, abends findet der Slowenischkurs für Ortsansässige statt. Man trifft sich zu gemeinsamen Schwammerlwanderungen. Aber auch zur Auseinandersetzung mit sozialpolitischen Themen und zeitgenössischer Kunst; im Vorjahr etwa zur Ausstellung „Hilfslinien/Linije pomoci“ über die 24-Betreuung Pflegebedürftiger durch Arbeitsmigrantinnen (seither nach Hittisau und Wien exportiert). Erst letztes Wochenende hat im Haus eine Retrospektive des 2014 verstorbenen Künstlers Ferdinand Penker eröffnet. Davor lagerten die Objekte jahrelang im Depot in Klagenfurt.

Was ist die programmatische Klammer so unterschiedlicher Ausstellungen? In beiden Fällen, „und wie oft bei uns“, so Kranzelbinder, gehe es ums Sichtbarmachen des Unsichtbaren. Als Historiker gilt das Augenmerk des im benachbarten Mureck geborenen Kurators besonders der Aufarbeitung der Zeitgeschichte, um die Überwindung des Verdrängten, um Identitätsfragen, Nationalismus, Migration.

Zeitgenössische Kunst, Community Building, Gesellschaftspolitik: All das sei „im Kern Friedensarbeit“, logisch gehört also auch Aktivismus zum Programm: Dann verkündet auf der Grenzbrücke zwischen Bad Radkersburg und Gornja Radgona ein Transparent „Freundschaft Prijateljstvo“. „So ein natürlicher kultureller Raum kennt keine Grenzen“, glaubt Kranzelbinder, auch wenn ihm bewusst sei: „Das Pavelhaus ist ein Generationenprojekt. Aber das meiste ist eh gewonnen, wenn bei einer Ausstellungseröffnung die slowenischen und die österreichischen Gäste zum Reden kommen.“

David Krenzelbinder, künstlerischer Leiter des Pavelhauses, mit Alexander van der Bellen. Der Bundespräsident statte dem Kulturzentrum am Wochenende einen privaten Besuch ab.
© Pavelhaus