Vielleicht nähert man sich Paul Neagu über einen seiner berühmtesten Schüler: Antony Gormley. Bei seinen oft in der Landschaft positionierten Körperskulpturen ist das dahinterliegende Konzept gut sichtbar: der Körper und seine Wechselwirkung mit dem ihn umgebenden Raum. Gelernt hat er das bei Paul Neagu, 1938 in Rumänien geboren, 1969 nach London emigriert – Zeichner, Maler, Bildhauer, Performance-Künstler und Dichter. Im Grazer Bruseum kann man nun in diesen übervollen Körperkosmos des Künstlers eintauchen.

Gezeigt wird eine adaptierte Version der Retrospektive, die im Vorjahr im Kunstmuseum Liechtenstein gezeigt wurde. Die Kunst mit allen Sinnen wahrnehmen war nicht nur ein Paradigma Neagus, sondern auch den Kuratoren Friedemann Malsch, Magda Radu und Georg Schöllhammer ein Anliegen. Deshalb wurde auch ein von Neagu entwickelter, sogenannter Hyphen nach dessen Aufzeichnungen akribisch nachgebaut: In dieser Skulptur manifestiert sich der ganzheitliche kunstphilosophische Ansatz des Künstlers, der sich von der Geometrie bis zur Anthroposophie spannt. Eine neokonstruktivistische Trias aus Dreieck, Quadrat und Kreis, die auf Aspekte des menschlichen Seins umgelegt werden können: vom Instinkthaften über kulturelle Praktiken bis hin zum Wunsch der ultimativen Bewusstseinserweiterung.