An Bildern, meint Mila Palm, herrsche ja kein Mangel. Dennoch ist es ihre Passion, Bilder zu retten. Vor fünf Jahren eröffnete die gebürtige Grazerin deshalb in Wien das Milaneum. Gleichsam als Zufluchtsort und Schutzraum für jene Bilder, die Mila Palm bedroht sieht: die Bilder der meist anonymen analogen Fotografie. Alltagsfotografie von Amateuren, die oft entsorgt wird, wenn ihre Urheber nicht mehr leben.

Gesammelt habe sie „schon immer“, sagt Palm, die an der Wiener Akademie der Bildenden Künste Papierrestauration studierte, danach in Paris speziell für den Bereich Fotografie. Aus dem kindlichen Vergnügen habe sich eine ernsthafte Tätigkeit entwickelt, forscherisches Interesse an dem, was Fotos, gerade jene beiläufigen, nicht von Profis gemachten, erzählen und transportieren können. Kein unwesentlicher Teil ihrer Klientel komme aus dem Kunstbereich. Künstlerinnen und Künstler ließen sich von historischen Aufnahmen inspirieren oder verarbeiteten sie, auch digital: „Ein spannender Kreislauf.“

Mila Palm: die Hüterin der Bilder in ihrem Revier in Wien-Neubau
© Titz

Graz ist derzeit ein Sammelschwerpunkt, auch im Hinblick auf eine Ausstellung im Milaneum. In diesem Zusammenhang stieß Palm auf ein Phänomen der 20er- und 30er-Jahre, die sogenannten „Gehfilmer“. Straßenfotografen, die in Städten und touristischen Orten Passanten „filmten“: „Sie machten mit Spezialkameras drei serielle Fotos, was den Fotografierten die Illusion vermittelte, gefilmt worden zu sein. Das war ein geschicktes Verkaufsargument.“

Den Grundstock für ihre Sammlung legten zahllose Flohmarktbesuche, „aber dort findet man eigentlich nichts mehr“. Heute ist das Internet das wesentliche Instrument der Bildersuche, Frankreich und Deutschland sind die Länder mit dem interessantesten Material. Auch über Auktionen wird die Kollektion erweitert und durch Nachlässe, die ihr angeboten werden: „Aber hier sind nur die wenigsten wirklich brauchbar.“ Umso mehr freuen sie die Schachteln, die im Depot der Aufarbeitung harren: „Bilder eines Fotoamateurs, der systematisch gearbeitet hat, vor allem zum Thema Landschaft.“

Die Themenbreite der Sammlung – von Fledermäusen bis zu Fleischereien, von Geld (unglaublich, wie viel Bildmaterial es dazu gibt) bis zu Eis und Schnee, vom Landleben bis zu jenem auf dem Mond – hat das Milaneum mittlerweile auch zum gefragten Leihgeber größerer Institutionen gemacht.