Sie leben in Berlin, aber für die Dreharbeiten von „Broll + Baroni“ hat es Sie ins Hinterland von Niederösterreich verschlagen. Wie ist es Ihnen dort ergangen?
JÜRGEN VOGEL: Also ich fand das super, nach so vielen Drehs in Großstädten im Hinterland in Niederösterreich zu arbeiten, denn es ist wunderschön dort. In Österreich habe ich ja schon öfter gedreht. Generell habe ich eine große Offenheit, eine große Neugierde gegenüber dem Land. Ich habe mit 16 Jahren in einem österreichischen Restaurant in der Küche angefangen zu arbeiten. Seitdem begleitet es mich: Ich mag das Essen, ich mag die Filme, ich mag die Menschen, ich mag das Land. 

Das klingt nicht so, als hätten Sie gegen eine Fortsetzung etwas einzuwenden …
Um ganz ehrlich zu sein: Ich würde mir wünschen, dass ich mindestens jedes Jahr so einen Broll machen kann – in dieser gleichen Konstellation mit Laurence, das würde mich wirklich glücklich machen. 

Laurence Rupp gibt den Totengräber Max Broll, Sie den ehemaligen Fußballstar Johann Baroni. Wie sind Sie zu dieser Rolle gekommen?
Ich wurde direkt gefragt. Harald (Sicheritz) hatte Lust mit mir zu arbeiten. Wir haben uns kennengelernt, getroffen und es hat sofort „Bäm“ gemacht. Schon beim Lesen des Drehbuchs habe ich mir gedacht: Toll, dass das so eine eigene Sprache hat. Die österreichischen Filme sind ja oft sehr eigen. Das meine ich nicht blöd, sondern ich teile das inhaltlich. Ich mag es, dass sich Länder und Menschen und somit auch Filme, Serien und Fernsehspiele unterscheiden. Weil wir einfach eine andere Sichtweise, eine andere Form von Humor haben. 

Das klingt nach einer Liebeserklärung an den österreichischen Film!
Der österreichische Film hat den Mut, Figuren außerhalb eines typischen Klischees zu erzählen, aber auch die Randfiguren zu sehen. Da gibt es eine große Bereitschaft, Dinge mit viel Mut zu machen. Das habe ich auch bei Harald (Sicheritz) immer gesehen. Das ist geil, da auch keine Angst vor seiner eigenen Courage zu haben. Und nicht etwas zu schreiben und dann wieder sauber weg zu inszenieren, sondern wirklich das Optimum versuchen – mit einer ganz eigenen Erzählstruktur und Sprache. Ihr habt aber halt auch geile Schauspieler bis in die kleinsten Rollen hinein. Das sind Leute, die können alle was, die kommen ganz oft vom Theater, spielen an der Burg und sind handwerklich gut drauf. 

„Broll + Baroni“ ist ein viel intensiverer Paarlauf als bei klassischen Kriminalkommissaren – Laurence Rupp und Sie haben ja ganz gut zueinandergefunden. Wie stimmt man sich aufeinander ein?
In gewisser Weise sind wir als Schauspieler auch Einzelkämpfer, wo du als Hauptfigur ganze Filme oder Serien über die Spannung tragen musst. So eine Paarung wie „Broll + Baroni“ finde ich toll, weil man sich das einfach teilt. Und ich gucke Schauspielern auch gerne zu, weil jeder eine andere Methode hat, aber wir alle das gleiche Ziel erreichen – und das ist für mich umso interessanter je älter ich werde. Wenn du anfängst, dann hast du Scheuklappen und schaust vor allem darauf, was du machst. Nach mittlerweile 38 Jahren mach ich das nicht mehr, sondern kann einfach so dasitzen und sehen, was Laurence und die anderen da so bringen. Und ich habe da eine große Freude dabei zuzusehen. Das kann man sich vielleicht wie ein Orchester vorstellen. Letztlich sind wir zwar alle Solisten, aber Regisseur Harald Sicheritz kriegt uns als Dirigent zu einem Orchester zusammen.

„Broll + Baroni“ sind als Hobbyermittler tätig. Sie selbst sind im ZDF-Krimi „Jenseits der Spree“ selbst als Ermittler tätig. Wie bewertet Kommissar Robert Heffler die Performance der beiden?
Ich finde den dramaturgischen Clou geil, den man sonst in Krimis nicht hat: Wir haben zwei Hauptprotagonisten, die ermitteln, aber der eine ist nur der Sohn einer Polizistin und der andere war einmal ein sehr erfolgreicher Fußballer. Ihr Engagement ist nicht die Berufsehre, sondern weil sie als Menschen das Gefühl haben, dass etwas falsch läuft. Sie müssen es also selbst hinkriegen und den Menschen retten. Aber sie dürfen auch mehr als Polizisten, weil die sich im Krimi normalerweise an Regeln halten müssen. Kriminalistisch gesehen, haben wir als ‚Broll + Baroni‘ also viele Freiheiten und Möglichkeiten.

Wie nähert man sich Romanfiguren, die Kult sind?
Ich bin da immer relativ zuversichtlich, denn am Schluss müssen wir es vor allem schaffen, die Leute reinzuziehen in das, was wir gerade machen. Und die größte Kunst ist ja, dass sie das verlassen, was sie sich vorgestellt haben und sich darauf einlassen, was wir ihnen jetzt bringen. Man kann nie die Fantasie eines Lesenden übersetzen, weil das so frei, ungebunden und individuell ist. Aber ich glaube, unsere Version von ‚Broll + Baroni‘ kann das sehr gut schaffen.
Broll + Baroni - Für immer tot: 30. 10., ORF 2, 20.15 Uhr.